Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1916-12-22 · 51 (22.12.1916) · p. Seite 495

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
51 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9102942-9138073--01192-9074018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 51 Das Jüdische Echo 495 Zur Psychologie christlicher und Jüdischer Schüler. Daß das jüdische Rassenproblem dank der ihm innewohnenden besonderen Eigentümlichkeiten starken Anreiz zur Betätigung rassenpsychologischer Studien bietet, kann nicht Wunder nehmen. Diesem Anreiz scheint auch die vorliegende Abhandlung „Zur Psychologie christlicher und jüdischer Schüler“ von Dr. Ottokar Nemecek1) ihre Entstehung zu verdanken. Auf der Grundlage der neuesten Methoden der experimentellen Psychologie hat der Verfasser mit dankenswerter Objektivität Vergleiche zwischen der seelischen Beschaffenheit christlicher und jüdischer Schüler österreichischer Schulen angestellt, deren Ergebnisse geeignet sind, das größte Interesse der jüdischen Öffentlichkeit zu erwecken. An der Hand von Zeugnissen, schriftlichen Arbeiten und durch Versuche wurde eine exakte Feststellung psychologischer Unterschiede zwischen christlichen und jüdischen Schülern und Schülerinnen einer Wiener Handelsakademie, Handelsschule und einer Realschule versucht, deren Ergebnisse folgende sind: Die Zensurstatistik, angestellt auf Grund der Zeugnisnote, ergab, daß in den sprachlich-historischen Fächern die jüdischen Schüler durchwegs h'esserle Leistungen zu verzeichnen haben. Da der Fleiß der jüdischen Schüler in sämtlichen Gegenständen ein viel geringerer war, als der ihrer christlichen Kameraden, ist dieses Ergebnis umso bemerkenswerter, Die Ursache untersucht der Verfasser nicht näher und läßt die Frage unbeantwortet, ob die festgestellte größere Sprachgewandtheit der Juden die Folge angeborener Veranlagung oder ein Produkt des Milieus ist, „in dem die Kinder von Juden oft Zeugen und Teilnehmer eines lebhafteren Gedankenaustausches sind“. Sprachbegabung gehört bekanntlich seit altersher zu den Eigenschaften, die die Juden in hohem Maße besitzen sollen. Besonders hervorstechend ist diese Begabung bei den Juden des Orients, deren ungeheuere Sprachgewandtheit jeden Reisenden in Erstaunen versetzt. Ganz besonders charakteristisch ist die Zensurtabelle der sprachlichen Leistungen der christlichen und jüdischen Schülerinnen der Handelsschule. Ist der Unterschied in den Fleißnoten zu Ungunsten der Jüdinnen ein erschreckend großer, so ist das Ergebnis der Zensur in den Fremdsprachen und dem Deutschen bei ihnen ein weit besseres. Was der Verfasser auf Seite 18 über die Ursachen des geringen Fleißes der jüdischen Schülerinnen sagt, scheint nur allzu wahr zu sein, deckt es sich doch mit der oft gemachten Wahrnehmung, daß den jüdischen Schülerinnen, die eine Handelsschule besuchen, das Streben, in dem kaufmännischen Berufe eine Lebensstellung zu erlangen, fehlt. „Sie werden“, -so heißt es dort, „allzu häufig nur aus dem Grunde in die Handelsschule geschickt, um sie noch vom 14. bis zum 16. Lebensjahre außer dem Hause zu beschäftigen.“ Jeder, der diese Erscheinung in einer Reihe von Einzelfällen auf ihre Gründe zu prüfen Gelegenheit hatte, wird dem Verfasser Recht geben. Es ist nicht immer die Not, um deretwillen unsere Mädchen in die Bureauarbeit J) Heft 128 der Beiträge zur Kinderforschung und Heilerziehung“ herausgegeben von J. Truper, Verlag Hermann Beyer u. Söhne, Langensalza 1916, Preis 90 Pfg. gesteckt werden; daß hier eine der wichtigsten Ursachen für so viele schwere Schäden liegt, kann keinem Einsichtigen entgangen sein. Die Zensurstatistik der mathematisch - naturwissenschaftlichen Fächer zeigt die größere Tüchtigkeit der Juden in den im Wesen intellektuellen Fächern Mathematik, Chemie und Physik. Hier werden in erster Linie der Intelligenz des Schülers Aufgaben gestellt, hier gilt es Gesetze und Formeln zu entwickeln und anzuwenden. In der Naturgeschichte und Geographie halten die Leistungen der beiden Schülergruppen einander die Wage. In den Leistungen, die im Wesen einer Reproduktion eines Gedächtnisstoffes beruhen, kann kein Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Schülern wahrgenommen werden. In der Geometrie überwiegen die guten Leistungen in dem Maße bei den Juden, als die Aufgaben einen mathematischen Charakter annehmen.“ In den Handelsfächern und insbesondere in den juristischen Fächern „übertreffen in deutlicher Weise die jüdischen Schüller die christlichen.“ Der Verfasser meint hiezu, hier zeige sich „die größere Reife der jüdischen Schüler auf dem Gebiete der abstrakten Gedankenarbeit“ Was schließlich die „Fähigkeiten“ anlangt, so haben die Juden schlechtere Leistungen aufzuweisen in Zeichnen, Kalligraphie und der äußeren Form der schriftlichen Arbeiten. Eine Folge des geringeren Fleißes und der größeren Nachlässigkeit. Dagegen sind sie den christlichen Schülern in der Stenographie überlegen, was nach des Verfassers Ansicht darauf beruht, daß hier „die Leistung einen zum Teil intellektuellen Charakter zeigt, zum Teil auf der Raschheit ihrer Durchführung beruht.“ Nicht unerwähnt soll auch die nichts weniger als erfreuliche Tatsache bleiben, daß die Juden den Christen im Turnen recht bedeutend nachstehen, und daß sie viel häufiger um eine Dispens vom Turnunterrichte nachsuchen. Was schließlich die „Allgemeinen Noten“, das sind die Noten über „Fleiß“ und „Betragen“ betrifft, so wurde schon erwähnt daß der Fleiß der jüdischen Schüler sich nicht auf der gleichen Höhe hält wie ihn die christlichen Schüler aufzuweisen 1 Verein Bne-Jeiiuda. I | Montag, den 25. Dezember, punkt j | 7 Uhr abends, in den Prinzensälen des | | Caf6 Luitpold (Eingang Salvatorplatz 4) | I Chanukah-Rbend | 1 Das Programm des Äbends besteht aus | | Klaviervortrag und Gesang. Äuch gelangt | j§ eine einaktige Komödie | („DER GETH“ | in 3 Bildern von S cholem -Älejchem | | zur Aufführung. — Der Reinertrag des Äbends | | ist für die durch den Krieg geschädigten Ost- | Juden bestimmt. Gäste willkommen. j§ 1 Eintrittspreis 50 Pf. Saaleröffnung 6V2 Uhr. | iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiliiiiilliiiiiliilliiliiNiiiiiliniiiliiiiiiMliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimn 0935

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.