Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 51 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- Seite 493 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 493 Auch der anthropologische Teil von Luschans Hypothese, die heute noch die jüdische Rassenlehre beherrscht, kann vor einer eindringenden Kritik nur zum Teil bestehen. Richtig ist daran, daß die Hethiter das wesentliche Element der Bevölkerung Kleinasiens und später vielleicht auch Nordsyriens darstellen. Über ihre Körperbeschaffenheit sind wir durch ihre zahlreichen eigenen und durch: ägyptische Darstellungen sowie durch Luschans ausgedehnte Untersuchungen an der heutigen Bevölkerung Kleinasiens gut unterrichtet. Sie erscheinen als ein Stamm von untersetzter Statur, mit dunklen Augen und dunklem, schlichtem, in einem Zopf herabhängendem Haupthaar, sehr kurzem und hohem Schädel und sehr charakteristischer großer und fleischiger, stark gebogener Nase — alles Charaktere, die am heutigen Armenier wiederkehren. (Fortsetzung folgt.) Die Hutonomie Galiziens und die Juden. Brief aus Galizien. Die polnische Öffentlichkeit wird seit vielen Jahren von einer stark aggressiven Stimmung gegen die Juden beherrscht. Der Krieg hat den Haß gesteigert. Wir hier in Galizien werden, wie in so manchem Lande, von Schreiern ohne Verantwortung und von vielen, die ihre eigenen Fehler bemänteln wollen, für jede Preissteigerung verantwortlich gemacht. Es hetzen gegen uns die größten Zeitungen Galiziens, sie weisen auf den Kampf hin, der gegen die Juden im besetzten polnischen Gebiete geführt wird, und verlangen, daß die Polen in Galizien dieses „gesunde“ Beispiel nachahmen und einen einheitlichen Nationalstaat schaffen sollen. Die Juden werden als Fremde und Unzufriedene hingestellt, die, wenn die Zeit der Befreiung für alle Polen kommt, m i t den Feinden Polens zusammengetan werden, wie sie jetzt die Zentralmächte zum Schadeh Rußlands sehr stark unterstützt hätten. Wer dieser großen nationalen Aufgabe eingedenk sei, müsse im Kampfe gegen die Juden unerbittlich sein. Aber nicht nur aus politischen, sondern auch aus sozialen Gründen müsse der Kampf gegen die Juden auf genommen werden. Denn die Juden bilden den dritten Stand in Polen, ein Volk aber könne nur dann existieren, wenn es einen eigenen dritten Stand hat. Diesen dritten Stand können die Polen aber dann schaffen, wenn sie die Juden zur Auswanderung zwingen. Nicht allein die Boykottbewegung ist das richtige und einzige Mittel, sondern es muß auch versucht werden, durch Verordnungen und Gesetze die Existenz der Juden zu untergraben. Und wirklich, dort wo die Polen die Macht haben, nützen sie ihre Macht schon jetzt aus und Die Antisemiten von Hans Maier Preis 20 Pfg. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Verlag: Buchhandlung Nationalverein, G. m. b. H., München, Herzog Maxstr. 4. vernichten unsere Existenz. Die Juden müssen das Land verlassen und jenseits des Ozeans ihren Broterwerb suchen. Die Veröffentlichungen der Emigrantenbureaus der Vereinigten Staaten beweisen, daß von den Juden Galiziens zehnmal so viele auswandern, wie z. B. von den sonst sehr armen Ruthenen. So emigrierten in den Jahren 1902—1911: Freie Berufs¬ Selbständ. Diener Andere Ohne Berufe arbeiter Bauern Berufe Beruf Juden . . 0,747 383,240 12,774 68,034 35,999 441,024 Polen . . 1,412 47,858 239,183 127,538 1,870 173,719 Ruthenen . 0,129 2,916 52,946 25,900 0,92 18,C97 Daß die Ruthenen nicht in so starkem Maße auswandern müssen, wie die Juden, verdanken sie in Galizien dem Landtage, in dem sie durch ihre Vertreter geschützt werden. Wir Juden dagegen sind schutzlos. Die wenigen Abgeordneten „mosaischer Konfession“ sind auch keine jüdischen Vertreter. Sie verdanken ihre Mandate den Bezirkshauptleuten, die für sie bei den Wahlen manipulieren, und daher haben sie nicht den Mut, für jüdische Interessen einzutreten. Sie wissen, daß sobald sie jüdische Interessen vertreten, die Bezirkshauptleute, die nur das ausführende Organ des polnischen Nationalrates sind, sie bei den Wahlen stürzen. Denn nicht die Stimmenzahl ist ausschlaggebend bei den Wahlen in Galizien, sondern der Wille des Bezirkshauptmanns, der befiehlt, wer aus der Urne gewählt herauskommen muß. Die Bezirkshauptleute aber wollen nur solche jüdische Vertreter haben, die ihren Willen tun. Es werden zwar vor den Wahlen Umfragen über das Elend unter den Juden veranstaltet, um v o r den Wahlen die Position der „jüdischen“ Abgeordneten zu retten, aber nach den Wahlen wollen der polnische Landtag und der Landesausschuß nichts mehr von den Juden wissen. Im Gegenteil, dort wo der Landtag die höchste Instanz ist, d. h. dort wo wir in Galizien die Autonomie haben, sind die Juden weder als Beamte noch als Bürger zugelassen. Weder der Landesausschuß noch die Bezirksausschüsse, noch die Magistrate haben jüdische Beamte oder Angestellte, und die wichtigen Gesetze, die der galizische Landtag seit vielen Jahren beschlossen hat, sind alle judenfeindlich. Den Juden bleibt nichts übrig als auszuwandern, um nie zurückzukehren. Es kehrten aus den Vereinigten Staaten nach Österreich zurück: 1908 1909 1910 1911 1912 Juden 1 758 1 409 1 409 1827 2121 Polen 28 048 10 292 9 643 18 499 22 510 Ruthenen 3 966 1762 1 819 3 710 5 339 Die Juden kehren nicht nach Galizien zurück, weil sie wissen, daß die politische Lage im Lande sich immer verschlechtert. Die geschilderten Verhältnisse beziehen sich auf die Lage der Juden in Galizien vor dem Kriege, als noch Wien die Zentrale war, als im Parlamente die Staatsgesetze beschlossen wurden, und es eine Zentralregierung gab, die immer gerecht und objektiv uns gegenüber war. Wenn Galizien eine Sonderstellung erhält, wird die Judenschaft in Galizien der Willkür der polnischen Beamten ausgeliefert werden. Früher fürchtete der polnische Beamte einen Rekurs nach Wien, sobald e r die höchste Instanz wird, werden für die Juden traurige Zeiten beginnen. Die Juden werden in