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Das jüdische Echo · 1916-12-15 · 50 (15.12.1916) · p. Seite 483

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
50 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
Seite 483 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 483 Welt-Echo Über die Probleme in der amerikanischen Judenlieit sprach der deutsch-amerikanische Journalist Herr Dr. Ludwig Darmstädter jüngst in Hamburg und anderen Städten mit großem Erfolg. Herr Dr. Darmstädter, der unseren Lesern durch gelegentliche Beiträge über amerikanischjüdische Probleme bekannt sein dürfte, versteht es, dieses aktuelle Thema in fesselnder Weise zu behandeln. Bei dem zur Zeit bestehenden Mangel an guten Rednern wäre es vielleicht auch jüdischen Vereinen in bayerischen Städten willkommen, Herrn Dr. Darmstädter bei sich zu begrüßen. Wie dieser uns mitteilt, wäre er gern bereit, verschiedene Städte, wie München, Nördlingen, Würzburg, Bamberg und Fürth zu1 bereisen, um dort über das genannte Thema zu sprechen. öffentliche Anklage wegen des Vorwurfs „Drückeberger“. Vor dem Amtsgericht Charlottenburg fand am 8. Dezember eine Verhandlung statt, bei der die Staatsanwaltschaft wegen öffentlicher Beleidigung Strafantrag gestellt hatte, weil ein Schneider einen Zahnarzt öffentlich als „Drückeberger“ bezeichnete. Der als Bühnenschriftsteller bekannte Zahnarzt W. kam mit dem Schneider Rönsch auf dem Kurfürstendamm in Wortwechsel, in dessen Verlauf Rönsch den Zahnarzt, der jüdischer Konfession ist, durch antisemitische Redensarten beleidigte und ihm zurief: „Gehen Sie lieber in den Schützengraben, Sie Drückeberger!“ W., der als Zahnarzt bereits längere Zeit im Felde stand, meldete diesen Vorfall der Polizei, und der Staatsanwalt erhob Anklage. In der Verhandlung wurde durch Zeugen die beleidigende Äußerung betstätigt. Rechtsanwalt Dr. Neumond hob hervor, es müsse mit besonderer Genugtuung erfüllen, daß die Staatsanwaltschaft in diesem Falle zur öffentlichen Anklage geschritten sei, und zwar gerade im Hinblick auf die konfessionelle Verbrämung, mit der der beschimpfende Ausdruck „Drückeberger“ gebraucht wurde. Wolle das Gericht dem Sinne des Eröffnungsbeschlusses gerecht werden, so könne es nur durch eine exemplarische Bestrafung des Angeklagten geschehen, derade im vorliegenden Falle, wo sein Mandant für das Vaterland schwere Dienste geleistet und krank aus dem Felddienst heimgekehrt sei, zeige es sich, welcher Unfug mit dem Ausdruck „Drückeberger“ getrieben werde und wie notwendig es sei, ausreichend Schutz dagegen zu gewähren. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu hundert Mark Geldstrafe und sprach dem Zahnarzt W. Publikationsbefugnis des Urteils zu. Der polnische Staatsrat soll aus 20 Mitgliedern bestehen, von denen 8 aus dem österreichischen, 12 aus dem deutschen Okkupationsgebiet stammen sollen. Die 12 aus dem deutschen Okkupationsgebiet zu wählenden Mitglieder werden aus 7 der nach Berlin und Wien entsendeten Abgeordneten gebildet sowie aus 5 anderen Personen, von denen eine der Generalgouverneur v. B e s e 1 e r wählen wird. Kulturarbeit im Osten. Der zionistische Verein in Z g i e r z hat eine hebräische Fröbelschule eingerichtet. Auch wurden hebräische Abendkurse eröffnet, die das lebhafte Interesse der jüdischen Bevölkerung finden. — Inner politische Tendenzen des Zionismus in Österreich. Am 2. Dez. hielt Herr Oberingenieur Dr. Stricker im Verein zion. Hochschüler in Wien, „Theodor Herzl“ einen Vortrag über „Die Juden in Polen“. Er behandelte nicht das Verhältnis dieser zu den Polen, sondern gab auf Grund zuverlässiger1 Berichte eine Schilderung von der derzeitigen kulturellen und wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung des Königreiches Polen und Galiziens, es den Zuhörern überlassend, daraus Schlüsse für die politischen Aussichten der polnischen Juden zu ziehen. Welcher Art diese sein konnten, darüber ein Wort zu verlieren, erübrigt sich. Bemerkenswert waren die Bemerkungen bezüglich der Neu- Orientierung der zionistischen Partei Österreichs. Er sprach aus, was vielen schon tiefe Überzeugung ist, daß der Zionismus in Österreich, will er der lebendige Ausdruck der politischen Gesinnung seiner Anhänger sein und bleiben, mehr als bisher an die „Gegenwartsparteien“ herantreten muß, so wie sie sich aus dem vom „Jüdischen Nationalverein für Österreich“ vertretenen Krakauer Programm ergibt. Dadurch, werden die zionistischen Bestrebungen nicht leiden, im Gegenteil, der Organisation werden durch den Umstand, daß sie sich die täglichen Sorgen der jüdischen Massen zu eigen macht, ungeheuere neue Energien zugeführt werden. Die innerpolitische Betätigung der Zionisten Österreichs muß von wenigen Persönlichkeiten aui breitere Schichten übertragen werden dergestalt, daß diese in Zukunft als die eigentlichen Träger eines politischen Willens erscheinen. Denn jede auf eigene 'Faust von Einzelnen betriebene Politik führt nicht nur zu ungesunden Verhältnissen, sondern muß letzten Endes, weil ihr der Resonanzboden fehlt, unfruchtbar bleiben. Aus vielen Anzeichen kann man schließen, daß sich in der zionistischen Partei Österreichs ein Umschwung nach dieser Richtung schon vollzogen hat. Beginnt die zionistische Organisation Österreichs, sich mit den aktuellen Fragen zu beschäftigen, dann erst wird sich ihr Einfluß, der sich bisher nur auf ihre geistige Potenz gründete, im Gemeinde- und Staatsleben, entsprechend den Notwendigkeiten, offenbaren. N. W. Nur russische Untertanen, keine Juden. Ein im Charkower „Jushnij Kraj“ abgedruckter Befehl des Generals Brussilow vom 10. .August 1916, Nr. 1193 über das Verbot des Photographierens im Gebiet der Eisenbahnen, Wasser- und Landwege der Südwestfront enthält unter Nr. 6 folgenden I?Kgf. ‘Bayer. ‘Porzeffan* I 1 \Manufaktur ‘Kympfienburg | {Kauptniederlage AJlüncßen: Odeonspfat; 1 {Kunst“ u. ßuxusgegenstände, Fafel‘Dessert•, •€ tKaffee* u. ‘Ceegescbirre, ‘Figuren, Gruppen eic. Bnacfi aßen ‘Kymp&enburger Original-Modellen. {Außerdem neue Formen und ‘IKodette nach Gnt* jg jt würfen erster ‘IJlün ebner {Künstler. K

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