Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 50 (15.12.1916)
- Date
- 1916-12-15
- Page
- Seite 482 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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482 Das J&dische Echo Nr. 50 Der Jubiläums-Ausschuß hat am Samstag, den 9. Dezember 1916 um 7 Uhr abends in Warschau dm großen Saale des Gymnasiums des Dr. Hurwicz, Rymarska Nr. 12, eine öffentliche Feier veranstaltet. Allein der Jubiläums-Ausschuß will sich keinesfalls mit schönen Vorträgen begnügen, sondern vielmehr die Spuren des Jubilars, dessen Taten stets das Wort überflügelten, verfolgen. Um die Feier der hebräischen Literatur, die unter den furchtbaren Wirkungen des Krieges in ihrer Entwicklung jäh gehemmt und unterbrochen wurde, durch eine Tat zu begehen, beschlossen wir, einen Fond für hebräische Literatur auf den Namen des Jubilars zu gründen. Wer zu den Gönnern des hebräischen Schrifttums zählt und das Jubiläum Ben Awigdors in gebührender Weise feiern will, möge durch einen größeren oder kleineren Beitrag dem Fond beisteuern. In vorzüglichster Hochachtung Der Jubiläums-Ausschuß. 75 Jahre , Jewish Chronicle“ Die Redaktion des „Jewish Chronicle“ hat am 28. Marcheschwan 5677 anläßlich des 75jährigen Bestehens der Zeitung eine Jubiläumsnummer herausgegeben. Über die Entwicklungsgeschichte des Jewish Chronicle, der heute das angesehenste und gelesenste jüdische Blatt in England ist, entnehmen wir dem Artikel der Jubiläumsnummer „Die englische Presse“ folgende Daten: Der Jewish Chronicle ist nicht die älteste jüdische Zeitung Englands. Jüdische Preßorgane finden wir seit dem Jahre 1823, als sich einige anonyme Schriftsteller zusammentaten und den „Hebrew Intelligencer“ begründeten. Bald aber mußte die Zeitung ihr Erscheinen einstellen und wurde von der „Hebrew Review“ abgelöst, die 1834 ihre erste Nummer herausgab. Der bedeutendste Vorläufer des Jewish Chronicle erschien jedoch erst 1840, als Jacob Franklin die „Voice of Jacob“ publizierte. Am 28. Marcheschwan 5602 kam die erste Nummer des „Jewish Chronicle“ heraus, die von dem Buchdrucker Isaac Valentine ins Leben gerufen war. Zusammen mit Rev. Barnett Abrahams gründete er die „Jewish Association for the Diffusion of Religious Knowledge“, die heute in den „Jewish Religious Education Board“ umgewandelt ist. Er bemühte sich nach der Cholera-Epidemie des Jahres 1831 ein jüdisches Waisenhaus zu gründen, woraus sich später das „Jews’ Orphan Asylum“ entwickelt hat. — Der „Jewish Chronicle“ diente selbstverständlich zuerst diesen philanthropischen und jüdisch-wissenschaftlichen Bestrebungen und hatte einen glänzenden Mitarbeiter in Rev. David Meldola, dem geistigen Führer der spanischen und portugiesischen Synagoge. (Der erste Jahrgang des „Jewish Chronicle“ ist so seiten, daß ihn nicht einmal das Britische Museum besitzt.) Um das Publikum zum Abonnement anzuregen, wurden als Beigabe zu jeder Wochennummer die Lieferungen zweier wertvoller . Werke mitgegeben, ein hebräisches und rabbinisches Wörterbuch und eine Hagada. Im zweiten Jahrgang des „Jewish Chronicle“ sind viele soziale Fragen erörtert, eine jüdische Schule soll gegründet werden, die Errichtung einer jüdischen Volksbibliothek wird mitgeteilt, die Juden von Sydney haben 3,000 Lst. zur Errichtung einer Synagoge gesammelt. Es findet sich im zweiten Jahrgang eine ausführliche und interessante Schilderung eines öffentlichen Meetings der Freunde des zu gründenden Hebrew College“ und eine „Statistik über die größten jüdischen Gemeinden in England“. Interessant ist es, daß ein Bericht im „Jewish Chronicle“ über die Eröffnungsfeierlichkeiten der „West London Synagogue of British Jews“ am 27. Januar 1842 vom „Morning Chronicle“ genommen werden muß, da die Redakteure zufolge einer Verfügung der ihnen übergeordneten geistlichen Behörde ihrer Gemeinde den Eröffnungsfeierlichkeiten dieser Reformsynagoge nicht beiwohnen durften. Nach einigen Jahrgängen mußte der Chronicle sein Erscheinen einstellen. Die Gemeinde brauchte nicht zwei Zeitungen, und die ältere „Voice of Jacob“ siegte über den „Jewish Chronicle“. Aber schon im Oktober 1844 erschien der Chronicle als 14tägiges Blatt wieder. Das Blatt hat eine Wandlung durchgemacht; während die „Voice of Jacob“ konservativ ist, zeigt der Chronicle einen fortschrittlichen Charakter. Mr. Marks Predigten finden Platz in seinen Spalten zusammen mit denen der orthodoxen Prediger. Zu dieser Zeit hatte sich in London eine „Society for Promoting Christianity among the Jews“ gebildet, und viele Artikel im Chronicle wandten sich gegen diesen Verein; einer der Mitarbeiter des Chronicle, Stanislaus Hoga, gründete 1847 eine eigene jüdische Monatsschrift „The Faithful Missionary“, die den Kampf gegen diesen Verein aufnahm. Die Probleme der Emanzipation wurden im Chronicle viel diskutiert, die Meinungsverschiedenheiten zwischen Franklin (Voice of Jacob) und Chronicle gaben Anlaß zu langen Artikeln. Mitten im Streite wurde die „Voice of Jacob“ eingestellt, und der Redakteur Franklin wurde Mitarbeiter des Chronicle. 1853 erschien der „Jewish Chronicle and Hebrew Observer“, nachdem der „Hebrew Observer“, ursprünglich eine Konkurrenzzeitung, sich doch nicht halten konnte und die beiden Redakteure unter obigem Namen eine Zeitung herausgaben. Danach kamen ungestörte Zeiten für den Chronicle, der im Jahre 1891 sein 50jähriges Jubiläum feiern konnte. Trotz der später zahlreich neuerschienenen jüdischen Zeitungen gelang es dem „Jewish Chronicle“ seinen Platz als führende jüdische Zeitung Englands zu behaupten. Die vorliegende Jubiläumsnummer des „Jewish Chronicle“ bringt interessante Übersichten über die Entwicklung der jüdischen Presse in England, Bildnisse der berühmten englischen Juden, die sich in den verflossenen 75 Jahren in englischen öffentlichen Angelegenheiten, in englischjüdischen Dingen, als Staatsmänner und schließlich in der Kunst, Literatur und Wissenschaft und der englisch - jüdischen Presse ausgezeichnet haben. Wir finden Porträts von Männern wie: David Sassoon, Albert Sassoon, Judah Benjamin, Lord Wandsworth, Jakob Montefiore, Sir Isaac Lyon Goldsmid, Sir Francis Goldsmid, Col. Albert E. Goldsmid, Sir Moses Montefiore, Baron Lionel de Rothschild, Sir Anthony de Rothschild, Lord Rothschild, Sir David Salomons, Sir Henry A. Isaacs, Dr. Hermann Adler, Dr. Salomon Herschell, Dr. Nathan M. Adler, Rev. Prof. Marks, Haham Dr. Benjamin Artom, Rev. A. L. Green, Dr. Solomon Schlechter, Dr. Joseph Jacobs, Prof. Raphael Meldola, Jacob A. Franklin, Dr. A. Benisch usw. usw. (Aus „Bulletins of the Copenhagen Office of the Zionist Organisation“.)