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Das jüdische Echo · 1916-12-15 · 50 (15.12.1916) · p. Seite 479

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
50 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
Seite 479 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 47Ö gehenden Programmes einer körperlichen Ertüchtigung der Jugend waren der Jüdische Turn- und Sportverein sowie die Münchener Gruppe des Jüdischen Wanderbundes „B 1 a u - W ei ß“ gegründet worden, die eine ganze Schar von Kindern und jungen Leuten in ihren Bannkreis zogen. Die eingewanderten ostjüdischen Kreise schlossen sich zu dem Verein „Bne-Jehudah“ zusammen, der, trotzdem er auch gern Personen reiferen Alters heranzieht, doch in erster Reihe das Ziel verfolgt, der eingewanderten Jugend ein Zentrum der Geselligkeit zu bieten, und durch Vorträge und Kurse in jüdischer Geschichte, in Hebräisch und Jidisch ihr Wissen zu vertiefen. Reges jüdisches Leben herrschte auch in dem russisch-ostjüdischen Studentenverein Maccabäa. Kurz vor dem Kriege entstand ferner eine Jugendgruppe der Agudas Jisroel, die sich hauptsächlich der Pflege des Talmudwissens, der Geschichte jüdischer Geistesentwicklung und der hebräischen Sprache widmete. Alle diese Vereine sind durch den Krieg empfindlich getroffen worden: Die Studenten sind in den Krieg hinausgezogen, und sowohl die Räume der V. J. St. wie die der „J o r d a n i a“ stehen seit mehr als zwei Jahren verödet. Die russisch-jüdischen Studentenvereine lösten sich auf. Auch eine Reihe der rührigsten Mitglieder des Bne-Jehudah wurden zum Heeresdienst in der österreichischen Armee einberufen. Und dem „Blau- W e i ß“ sowie dem „Jüdischen Turn - und Sportverein“ wurde nach und nach die Mehrzahl seiner männlichen Führer entzogen. Das jüdische Vereinsleben in München drohte vollständig zu stocken: junge Leute, deren Eigenart oder Zeiteinteilung ihnen den Eintritt weder in die beiden Wander- und Turnvereine noch in den ostjüdischen Bne-Jehudah gestattete, junge Mädchen in akademischen und anderen Berufen, junge Kaufleute und Studenten, die auf Urlaub oder zu bleibendem Aufenthalt nach München kamen, fanden keine Stätte mehr, an der sie sich mit jüdischer Jugend zu Geselligkeit und Vertiefung in jüdische Fragen vereinigen konnten. Von denjenigen Kreisen, die eigentlich das größte Interesse an der Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsgefühls haben sollten, wurde dieser Übelstand übersehen. Gewisse Kreise der Münchener jüdischen Jugend selbst aber empfanden ihn so stark, daß sie an die Schaffung von Vereinigungen schritten. Die Jugendgruppe der Agudas Jisroel wurde ausgebaut. Da dieser Verein aber ziemlich hohe Anforderungen an die jüdisch-wissenschaftliche Vorbildung seiner Mitglieder stellt und fast ausschließlich für die Söhne und Töch- B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. chüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, P^f. °r. Car! Reineoke, rof. Dr. Heinrioh Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler. Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos. ter orthodoxer Familien in Betracht kommt, erschien es dringend notwendig, auch denjenigen jungen Leuten, in denen hauptsächlich auf dem Wege über die nationale Besinnung auf sich selbst der Wunsch sich dem Judentum enger zu verbinden, erwacht ist, die Möglichkeit eines Zusammenschlusses zu gewähren. Um junge Männer und Mädchen über die nationaljüdische Bewegung zu unterrichten, ihnen Gelegenheit zu einer freien Aussprache über alle jüdischen Fragen zu gewähren und mit denen, die in München fremd sind gemeinsam die jüdischen Feste zu feiern, wurde im Sommer dieses Jahres der Münchener „H e r z 1 - V e r e i n“ geschaffen. Der Herzl-Verein in München. Eine kleine Schar junger Männer und Mädchen, die als Führer und Erzieher jüdischer Kindergruppen die Aufgabe haben, dem Leben der Kinder einen jüdischen Inhalt zu geben, junge Leute, die ein instinktmäßiges Gefühl zum Anschluß an jüdische Kreise trieb, ohne daß sie eigentlich vom Wesen und den Problemen des Judentums mehr wissen als einige Schlagworte, bilden den Kern dieses Jugendvereins. Um diesen Kern hat sich in den wenigen Monaten des Bestehens schon eine ganz stattliche Schar von jungen Juden gesammelt. Die Mitglieder des „Herzl-Vereins“ treffen sich jeden Mittwoch Abend in den Räumen der V. J. St. Eine Dame, welche die Leitung der Abende übernommen hat, hält ein Referat, an das sich dann eine freie Diskussion anschließt. Der „Herzl-Verein“ hat seine Tätigkeit damit begonnen, daß er seinen Mitgliedern die Persönlichkeit des Begründers der zionistischen Organisation und die ungeheuere Wirkung schilderte, die durch die wuchtige Proklamation der Ideen Theodor Herzls ausgelöst wurde. Gemeinsam wurden Herzls Gespräch mit Baron Hirsch und der „Judenstaat“ gelesen und jene Kristallisation im jüdischen Leben verfolgt, die schließlich im ersten Kongreß glänzend in Erscheinung trat. Danach wurde ein Rückblick auf die Vorläufer des Zionismus gewährt und an den Beispielen Moses Heß, Pinsker und Achad Haam dargelegt, aus welchen verschiedenen Quellen menschlichen Denkens und Fühlens der nationaljüdische Gedanke und die Sehnsucht nach einem Volkszentrum in Palästina entspringt, und welche Unterschiede noch heute in der Auffassung des zionistischen Endzieles bestehen. Wir lasen dann gemeinsam die Reden von Theodor Herzl, Max Nordau und N. Birnbaum auf dem 1. Kongreß und besprachen eingehend die praktischen Ergebnisse dieses ersten nationalen Judentages. An Hand der einzelnen Kongreßprotokolle, des Organisationsstatuts für den Jüdischen Nationalfonds, des Berichts über die Gründung der jüdischen Bank und ähnlicher Dokumente verfolgen wir nun das Werden der Organisationsmaschine und gleichzeitig die Entwicklung des nationalen jüdischen Gedankens. Als das Wichtigste erscheint es der derzeitigen Leiterin des Vereins, das Thema nicht in trocken dozierender Weise zu behandeln, sondern vom parteipolitischen Standpunkt immer wieder zu allgemein-jüdischen und allgemein-menschlichen Problemen überzuleiten und den Mitgliedern — sowohl den in jüdischen Dingen noch ganz unerfahrenen, wie denen, die schon ein ganz bewußtes Verhältnis zum Judentum zu gewinnen trachten — Gelegenheit zu freier Aussprache und zur Klärung ihrer Anschauungen zu geben. So wurden zum Beispiel

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