Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 49 (8.12.1916)
- Date
- 1916-12-08
- Page
- Seite 471 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 471 Rechte und Freiheiten der kleinen Nationen anerkannt werden. Das Schicksal unseres Brudervolkes geht uns nahe! Wir bitten Sie aber nicht zu vergessen, daß wir Fremdvölker Rußlands ungleich schwerere Leiden ertragen haben und noch ertragen müssen. Viele Millionen Finnländer, Balten, Litauer, Weiß-Ruthenen, Polen, Juden, Ukrainer, Kolonisten, Georgier und Kaukasier, Tataren und Völkerschaften Zentralasiens sind auf Veranlassung der russischen Regierung evakuiert, verhungert und verkommen, ausgeplündert und ermordet worden. Unsere nationale Kultur, unsere Religion wird, seit wir unter Rußlands Herrschaft stehen, verfolgt und unterdrückt! Ihr Sinn für Gerechtigkeit kann es nicht zulassen, daß unsere Leiden, die ungleich größer sind als die der Armenier, in Vergessenheit geraten und unberücksichtigt bleiben. Schwer nur gelangen Nachrichten über diese Zustände in die Öffentlichkeit, nur wenig ist über die von uns erduldeten Grausamkeiten bekannt geworden: — sonst hätten Sie nicht unterlassen können, auch uns zu erwähnen. Wir erinnern Sie, Herr Ministerpräsident, deshalb an die 97 Millionen Fremdvölker Rußlands, die Entsetzliches leiden müssen und die in leidenschaftlicher Weise die Wiederherstellung ihrer Menschenrechte verlangen.“ Ob die Mahnung etwas nützen wird? Die Zahl der jüdischen Kriegerwaisen in Galizien. Die Zahl der Kinder, die während des Krieges ihre beiden Eltern verloren haben bezw. deren Eltern oder Vater oder Mutter nicht auffindbar sind, beträgt nach zuverlässigen, auf Aufzeichnunden zurückgehenden Schätzungen im ganzen etwa 12 000. Die Zahl 20 000, die wiederholt genannt wurde, ist zu hoch. Davon befinden sich gegen 2500 in Evakuiertenlagern. Wirklich gesorgt ist nur für 250, die im Lemberger zu diesem Zwecke errichteten Waisenhause untergebracht sind. Der Rest fällt der Verwahrlosung anheim oder erliegt den Seuchen, da, wie man in den Flüchtlingslagern beobachten konnte, diesen verlassenen Geschöpfen die liebevolle Pflege fast gänzlich fehlt. Jidisch in Frankreich verboten. Trotzdem die „Liga zur Verteidigung der Menschenrechte“ sich an den Ministerrat mit der Bitte, das bestehende Verbot der jidischen Korrespondenz nach dem Auslande aiifzuheben, gewandt hat, ist dieses Verbot bisher nicht rückgängig gemacht worden. Die Vertreter der Vereine im Deutschen Kreise der Jüdischen Turnerschaft waren am 5. November zu einer Kreistagung zusammengekommen, um über die Fortführung der Arbeit während des Krieges zu beraten. Es hatten Vertreter entsandt: der jüdische Turnverein Bar Kochba-Berlin; der jüdische Frauenbund für Turnen und Sport-Berlin; der jüdische Turnverein Bar Kochba-Hamburg; der jüdische Turnverein Posen; der jüdische Turn- und Sportverein Nürnberg; der jüdische Turnverein Breslau; der jüdische Turn- und Sportverein München; der jüdische Turn- und Sportverein Halberstadt; der jüdische Ruderklub Ivria Berlin. Die Tagung hatte sich die Aufgabe gestellt, alle diejenigen Maßnahmen zu treffen, die die Weiterführung der durch den Krieg ins Stocken geratenen Tätigkeit des Verbandsaus, Schusses in der jüdischen Turnerschaft und de^ Vorstandes in ihrem deutschen Kreise ermöglichen sollen. Sie haben in den Verhandlungen, die die Vertreter den Tag über zusammen hielten, erwogen, welche Aufgaben aus der allgemeinen Lage heraus der Turnerschaft erwachsen und wie sie diesen Aufgaben gerecht werden kann. Bei dieser Gelegenheit haben sie ihr Augenmerk auf das Erstehen jüdischer Turnvereine in Polen gerichtet und die Aufgaben festgelegt, die der Turnerschaft dadurch erwachsen. Als dringlichste Maßnahme haben sie die Wiederherausgabe der „Jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport“ beschlossen. Die Frage der finanziellen Grundlage ihrer Arbeit wurde sehr eindringend erörtert, und obwohl die Verbandssteuerkraft der Vereine durch die Einberufung der Turner sehr gesunken ist, haben sie doch die Aufrechterhaltung des Büros als unbedingt notwendig beschlossen. Zur Erledigung der Geschäfte des fast ganz durch Einberufung abwesenden Verbandsausschusses und Kreisvorstandes wählten sie einen Kriegsausschuß, ihm gehören an: die Herren Georg Kare s k i und Julius H i r s c h - Berlin, Dr. Tuch- Hamburg und die Damen Lene Cohn und Elsbeth Alterthum - Berlin. Nach der Erledigung dieser grundlegenden geschäftlichen Angelegenheiten, kam Frl. Johanna T o m a s c h w e s k i (Ifftus-Berlin) mit einem Referate über das Verhältnis der Turnerschaft zur zionistischen Organisation zu Worte. literarisches Echo Ein jüdischer Schatzgräber. „Der Born Judas“, Legenden, Märchen und Erzählungen. Gesammelt von M. J. bin Gorion. Erster Band: Von Liebe und Treue. Leipzig im Insel-Verlag. Der Name M. J. bin Gorion ist längst bekannt als der eines Schatzgräbers, der in die Tiefen der jüdischen Volksdichtung hinabsteigt und mit sorgsamer Hand verschollene Schätze an das Licht eines neuen Tages hinaufbefördert. Zu den Sammlungen jüdischer Sagen, die uns der Forscher, der durch seine Wiedergabe der Erzählungen beweist, daß er auch ein Dichter ist, bereits gegeben hat, gesellt sich nun „Der Born Judas“ mit seinem ersten Teil „Von Liebe und Treue“, der wiederum eine Fülle tiefsinniger Legenden, Märchen und Sagen enthält. Im Vorwort zu seinem neuen Buche sagt uns M. J. bin Gorion Präparate unterdrücken die Bildung von Darmgiften, regeln unschädlich Verstopfung, Magenu. Darmkatarrh, erleichtern die Ältersbeschwerden. Glänzende Anerkennungen. Erhältlich in Apotheken u. Drogerien, wenn dort nicht zu haben, auch direkt zu beziehen. Prospekte u. Proben kostenlos. Chem.-Bakt. Labor. Dr. E. Klebs, München, Schillerstr.28 Aiv