Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 49 (8.12.1916)
- Date
- 1916-12-08
- Page
- Seite 470 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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470 Das Jüdische Echo Nr. 49 zelnen überlassen. So verhütet man gegenwartspolitische Kämpfe, die nach meinen Erfahrungen bei jungen Leuten doch nicht so viel nützen, wie Studium. Die Idee, das was man sagen und bringen möchte, vorlesen zu lassen, hat das Gute an sich, daß die Vorbereitungen hierzu leicht sind. Darin liegt technisch auch die wichtige Änderung des von mir eingeschlagenen Systems der Belehrung. Früher wurden meist Einzelvorträge und Kritiken über literarische Schöpfungen, oft von hierzu bestellten Rednern, ungefähr im Stile der „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur“ gehalten. Meine Art verlangt Mittätigkeit jedes Einzelnen — soweit er kann — und das Schöpfen aus den Quellen selbst, dann Förderung des Verständnisses „unserer Zeit“ als einer Einheit von geistigen Werten jüdischer und allgemein kultureller Färbung. Welt-Echo Repräsentantenwahlen. Die Auszählung der Stimmzettel zur Repräsentantenwahl für die Berliner jüdische Gemeinde hat die Wahl folgender Kandidaten ergeben: Direktor Dr. Georg Minden, Professor Dr. S. Blaschke, Kaufmann Benas Levy, Rentier Emil Pincus, Rentier Emil Cohn, Professor Dr. Moritz Türk, Maurermeister S. Weile, Kaufmann Hugo Blankenburg, Handelsrichter Siegfried Sachs, Kaufmann Oskar Tietz, Stadtverordneter Dr. jur. Levy, Gewerberat Emil Plotke, Direktor Moritz Dorn, Kaufmann Eli Lazarus, Kaufmann David Wolpe, Bildhauer Eugen Caspary, Regierungsbaumeister Max Grünfeld, Geheimer Justizrat Caspar Halle, Handelsrichter Berthold Kirstein und Sanitätsrat Dr. S. Steinthal. Zur „jüdischen Drückebergerei“. Die „Lipper Landeszeitung schreibt: „Die Reichstagserörterungen über die Teilnahme der Juden am Weltkriege haben auch im Fürstentum Lippe zu gelegentlichen Aussprachen über die Frage geführt. Neunmalweise, die den Fall eines gelegentlichen Bekannten zum Anlaß nahmen, eine tiefgründige Allgemeinweisheit zum Besten zu geben, pflegen sich gern im Sinne jener zu äußern, die unser Volksleben nur zu gern vergiften möchten. Ihnen möchten wir die vielleicht nicht ganz gleichgültige Feststellung geben, daß der Prozentsatz der aus unserem Lande gefallenen Juden größer ist, als der der übrigen Bevölkerung. Es wird diese für die jüdischen Familien bedauerliche Tatsache gewiß eine zufällige sein. Sie wird sich vielleicht auch aus den Tatsachen des größeren Prozentsatzes jüdischer Kriegsfreiwilliger und der Kriegsbeteiligung dieser Freiwilligen seit September 1914 erklären lassen; daraus, daß auch aus unserem Lande die Zahl der Kriegsfreiwilligen von den höheren Schulen, auf denen das Judentum nun einmal weitaus stärker vertreten ist wie das übrige Volk, sehr groß war. Aber einerlei: die jüdischen Soldaten haben auch aus unserem Lande voll und ganz ihre Schuldigkeit getan. Die Zahl der ihnen verliehenen Eiserne11 Kreuze ist übrigens auch sehr erheblich. Eine Vergleichung ist uns hier noch nicht möglich, deren tasächlicher Wert übrigens auch zu keinen moralischen Schlußfolgerungen berechtigen würde. Denn auch diejenigen, denen das Kreuz von Eisen bisher vorenthalten geblieben ist, haben voll und ganz ihre Schuldigkeit getan “ Das amerikanische Hilfsschiff für Palästina. Die zionistische Frauenorganisation „Hadassah“ in Amerika hofft, demnächst die Einwilligung der amerikanischen, englischen und französischen Regierung zur Entsendung einer Ärztemission nach Palästina zu erhalten, die sehr notwendig ist, da die palästinensischen Ärzte zum Teil zur türkischen Armee eingezogen wuhden und die zurückgebliebenen die verstärkte Arbeit nicht mehr bewältigen können. Gleichzeitig soll eine Schiffsladung von Medikamenten nach Palästina gehen. Friedmanns Dumarede. In der Sitzung der Reichsduma am 16. November kamen eine Reihe oppositioneller Redner zu Worte. Obgleich die Zensur die Veröffentlichung ihrer Reden bis auf einige Bruchstücke unterdrückt hat, läßt sich aus dem Stehengebliebenen erkennen, daß auf eine starke Gärung im Volke hingewiesen wurde. Der Abgeordnete Friedmann hielt eine längere Rede, aus der in den Zeitungen neben großen Zensurlücken das Folgende stehen geblieben ist: „Friedmann wandte sich gegen die von der Regierung trotz der Errichtung einiger neuen Universitäten aufrechterhaltenen Beschränkungen der Juden, während in Warschau bereits das Prozentsystem aufgehoben sei. Auf eine Anfrage, ob auch in der Bukowina noch das Prozentsystem existiere, habe er geantwortet, wenn dieses in Czernowitz unter der jetzigen russischen Verwaltung nicht eingeführt worden sei, so sei das wohl deswegen nicht geschehen, weil die Juden aus der Bukowina noch rechtzeitig flüchteten, nach allem was sie beim ersten Einmarsch der Russen zu erdulden hatten. Auch in der neuen russischen Städteordnung bestehen die Judenbeschränkungen weiter. (Große Zensurlücke). Man müsse erklären, daß auch die Duma ihr im vorigen Jahr abgegebenes Versprechen eines kleinen Schritts zur Besserung nicht gehalten habe. Als im Frühjahre einige Dumamitglieder von einer Reise nach den Ententeländern zurückkehrten, schien es, als ob die Mehrheit der Duma die Überzeugung gewonnen habe, daß man einen ganz bedeutenden Schritt für die Befreiung der Juden tun müsse, aber der Weg sei noch immer nicht betreten.“ Die Fremdvölker Rußlands an Asqulth. Die Liga der Fremdvölker Rußlands hat folgendes Telegramm an Asquith gerichtet: „An den Ministerpräsidenten Herrn Asquith. Die Anteilnahme, die Sie in Ihrer letzten Rede den Leiden der Armenier gezeigt haben, hat lebhaften Widerhall in unseren Herzen gefunden: — ist es doch ein weiterer Beweis, daß die „ESKff i KLEIMKCinST- 1 VER5RND 1 MÜNCHEN | Ausstellung aller Zweige | des Kleinkunst-Gewerbes | fiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiü