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Das jüdische Echo · 1916-12-08 · 49 (8.12.1916) · p. Seite 469

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
49 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
Seite 469 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 V, (C 3ß vffi? 3T. Das Jüdische Echo 469 von selbst auf. Stärker in die Gegenwart versetzte uns die Behandlung Ibsenscher Dramen, unter denen „Nora“ den stärksten Eindruck auf meine Zuhörerinnen gemacht hat. Ein Zeitbild, gemahnt es ernst und eindringlich, den Schritt zur Ehe als einen höchst verantwortungsvollen und ernsten zu bewerten. Und wie viele gute Gedanken und Fragen legt es mit seiner ergreifenden Tragik auf die Lippe der Hörer und besonders Hörerinnen. Man wird eben auch als Leiter der Veranstaltungen auf so vieles aufmerksam gemacht, was einem zur Bereicherung der geistigen Kenntnis unserer Jugend dient. — Bei allem kam es . mir darauf an, Chiarakterisierungskunst zu betreiben. Wir sollten nach dem stillen, ästhetischen Genuß der Verse stets das Charakteristische, Individuelle in der Form und besonders im Inhalt in uns aufnehmen. Kam ein neuer Dichter oder Künstler zur Sprache (auch Maler und Musiker sollen, wenn möglich, vorgeführt werden!) so wurde nicht versäumt, ein kleines Lebensbild vorwegzunehmen mit einer kurzen Würdigung der Kunstepoche vor oder nach ihm. So kam Fluß ins Ganze und Verständnis für die geistige Entwicklung. Ich habe endlich noch freudigen Anlaß zu bemerken, daß auch Auswärtige unseren Verein beehrten. Herr Arnold Marie, Schauspieler an den Kammerspielen in München, hielt uns in liebenswürdiger Weise ein paar Stunden zu Purim in seinem hochkünstlerischen Banne. Wir erlebten in vollendeter Weise Ausdruckskunst in Wort und mit jüd. Herz und jüd. Seele. Das Buch Esther in der Übersetzung werden wir nie vergessen. Fräulein Helene Hanna Cohn aus München, die verehrte Redakteurin des „Jüd. Echos“ besuchte uns vor kurzem, um das tätige Interesse für die Notlage unserer Brüder und Schwestern in Erez- Israel an der Hand erschütternder Einzelschilderungen zu steigern. Auch bei diesen Zeilen gedenke ich noch unserer gütigen, aufopferungsfähigen Gäste und lade sie höflichst ein, bald wiederzukommen. Die zwei letzten Veranstaltungen waren für die ganze jüdische Gemeinde und die Nachbargemeinden berechnet. Die Eintrittsgebühren zur ersteren machen derlei Veranstaltungen auch für andere Klubs in finanzieller Hinsicht möglich, und die letztere regte den Zedokosinn der Jugend an. Dieser kann überhaupt in schönster Weise auch in Jugendkreisen gepflegt werden. Wir gratulierten uns z. B. Roschhaschonoh nicht durch Wort sondern durch Guttat, indem wir unsere Wünsche für Palästina ablösten. Auch zu anderen Anlässen kann man bei Sammlungen leicht seinen Klub heranziehen, da man seine Mitglieder durch die Organisierung bei der Hand hat und auch für Gemeindesammlungen nach Gruppen zur Verfügung stellen kann. In vielen Gemeinden, wo passende Persönlichkeiten sportlich oder turnerisch erziehen können, kann man körperliche Ertüchtigung oder Jugendwanderungen einführen. Nun noch allgemeine Gedanken! Finanziell ist der Klub am besten daran, wenn er sich als Jugendgruppe eines bestehenden Vergnügungsvereins betrachtet, da ihm Lokal oder Bibliothek ev. zur Verfügung gestellt werden. Beiträge können dann in kleinem Maße erhoben und zu Bücheranschaffungen verwertet werden. In größeren Städten ist gemeinsamer Museums¬ oder gelegentlich Theaterbesuch eine belehrende und abwechslungsreiche Beigabe. Über die Stellung der von mir gedachten und an einem Beispiel praktisch erprobten Klubs zu religiösen und nationalen Fragen kann ich nur persönliche Ratschläge geben. Ob sie allgemein annehmbar sind, lasse ich andere entscheiden. Doch erhoffe ich mir davon auch anderwärts viel Gutes: das wichtigste für die religiöse Ertüchtigung, d. h. für die Verbreitung jüdisch-ethischer Lehren zum Darnachleben ist eigenes Beispiel des Klubleiters. Im Judentum soll, nach meinem historischen Wissen davon, alles Beispiel, nichts Missionspredigt sein. Gelebtes Judentum geht am leichtesten auf .andere über. Als zweites kommt hinzu: Verbreitung von Wissen direkt aus den Quellen der jüdischen Lehre, auf die man hinzuweisen oft Gelegenheit hiat, und Aufklärung über den Sinn unserer Sitten und Gebräuche. Wie dankbar waren meine Klubschwestern — Herren oder Jünglinge kamen als Mitglieder nur selten in Betracht — als ich ihnen gelegentlich in Heines „Prinzessin Sabbath“ den tieferen Sinn des Habdalah erklären konnte. Dichtung und sinnvolles Leben gehen eine so schöne Verbindung ein. Die nationale Bewegung, insbesondere der Zionismus, wird auch an seinen praktischen Ergebnissen vorgeführt. Durch allzu viel Theoretisieren verfällt die Jugend leicht in den Gebrauch von Schlagwörtern und der lebenspendende Sinn der Bewegung kommt nicht zum Bewußtsein. Beim Zionismus überhaupt hat man es in der ersten Zeit insofern schwer, als durch bekannte, stark verbreitete Zeitungen große Massen der deutschen Juden gegen ihn voreingenommen sind. Ich bemühe mich zu zeigen — und der in kleinen Gemeinden so gut wie in großen die Jugend zweiflerisch machende allzu äußerliche Formalismus im Leben der meisten Juden kommt einem dabei unterstützend entgegen — daß die zionistische Bewegung eine Selbstbesinnung des einzelnen erreichen kann und bei vielen auch schon erreicht hat. Er hat West- und Ostjuden einander näher gebracht und auf jüdische Gegenwartsprobleme gebieterisch die Sinne gelenkt. Er läßt nicht so viel an den so oft nutzlosen Kampf gegen den Antisemitismus — den anhänglichen Begleiter im Golus — denken, sondern führt den geistigen Betätigungstrieb mehr in das eigene Lager und eigene Schrifttum. So bekommt dann auf einmal der oben angedeutete Zweifel wegen allzu großen und trockenen Gewohniieitsjudentums eine Ablenkung ins positive Feld der Kulturarbeit. Das eigene Judentum wird kraftvoller und belebter. Herzl selbst (in unserer letzten Nummer war versehentlich „Heigl“ statt „Herzl“ gesetzt worden. D. Red.) wird als der aufopferungsvolle Genius dieser neuen Zeit erwähnt, und Palästina, sein Herzenskind wird vorgeführt wie es früher war und heute ist. Ich betrachte es somit als meine Pflicht und mein Streben, objektiv zu schildern, was in der „zionistischen Zeit“ anders geworden ist. Schlüsse zu ziehen, kann man dann den ein- Zionis'tische Ortsgruppe München. Montag, den 11. Dezember pünktlich 81/a Uhr im Hotel Reichshof (Sonnenstraße): Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Wahlen zum Delegiertentage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland (am 25. und 26. Dezember in Berlin). Vortrag des Herrn Dr. Elias Straus: „Die neue Judengesetzgebung in Polen“.

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