Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 48 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 462 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Das Jüdische Echo Nr. 48 „Wau—wau,“ machte der Hund immerfort wütend. „So, jetzt habe ich genug vom Drehen. Jetzt her mit meinem Sechser.“ „So schnell, meinst du, möchtest du dir einen Sechser verdienen, du Hund,“ protestierte die Frau, „Erst drehe einen ganzen Tag lang.“ „Nicht um die Welt,“ schrie der Hund und lief ohne Geld weg. „Lieber will ich ein Hund sein als einen ganzen Tag lang Steine drehen.“ Er stürzte hinaus und begann zn bellen. So trieb sich der Hund zwei Jahre lang in der Stadt herum, im Hofe der Schul, in den Straßen und manchmal in den Feldern hinter der Stadt. Auf dem Felde fühlte er sich am wohlsten. Dort benahm er sich genau wie ein Hund — lief auf allen Vieren und bellte und bellte. Dort kam er sich vor, als ob er ein wirklicher, freigelassener Hund wäre und die ganze Welt ihm gehörte. Wenn er aber hungrig wurde, starrte er ärgerlich in das weite, freie Feld, auf dem es nichts gab als Gras, richtete sich auf, begann zu bellen und rannte nach der Stadt zurück, um etwas Eßbares aufzutreiben. „Wann wirst du dir endlich das Bellen abgewöhnen?“ fragte Getzel eines Tages den „Hund“, als dieser gerade wieder einen Bellanfall hatte. „Überhaupt nicht,“ schrie der „Hund“. Wenn ich belle, vergesse ich alles Unangenehme. Du denkst wohl, es ist mir gleichgültig, daß ich wie eine Vogelscheuche, in Lumpen und zerfetzt herumlaufe. Weißt du, manchmal habe ich den Wunsch alle Menschen zu beißen, und dann muß ich bellen. Verstehst du?“ „Scher dich zum Teufel, Hund“, erwiderte Getzel ärgerlich. „Wenn du so weiter machtst mit deinem Bellen, wirst du es nie zu etwas bringen. Niemand wird dich in sein Haus hineinlassen.“ „Sie mit samt ihren Häusern sollen sich zum Teufel scheren. Mir können sie gestohlen werden.“ „Du wirst noch verrecken wie ein Hund; du wirst es schon sehen,“ antwortete Getzel. „Hund oder Mensch, mir ist alles schnuppe,“ philosophierte der Hund. „Mir sind Hunde lieber als Menschen. Pfui die Menschen!“ Er spie aus. Einmal traf Getzel den Hund, als dieser im Schulhof schlief und sagte im Scherz zu ihm: „Weißt du schon, Hund, daß morgen alle Straßenhunde vergiftet werden sollen?“ „Geh zum Teufel,“ erwiderte der Hund brummig. „Im Ernst,“ erwiderte ihm Getzel. „Warum sollen sie denn vergiftet werden?“ Der „Hund“ wurde ernst. „Nur so,“ antwortet Getzel, „Herrenlose Hunde sind gefährlich, und darum ist Befehl gekommen, sie zu vergiften.“ „Wem schadet es denn, wenn sie herumlaufen?“ fragte der „Hund“. „Es braucht sie aber niemand.“ Der „Hund“ verfiel in tiefes Sinnen. Endlich fragte er: „Auf welche Weise vergiftet man sie denn?“ „Man macht Fleischklößchen und tut Gift hinein. Dann werden die Fleischklöße den Hunden auf dem Marktplatz hingeworfen, und die fressen sie.“ „Richtige Fleischklößchen?“ fiel der Hund ein. „Jawohl, richtige, feine Fleischklößchen. Wenn du willst, kannst du ja einen kosten. Solche Fleischklößchen hast du noch nie im Leben gegessen.“ Damenhüte in einfachster bis feinster Busführung Thekla Schädlen München Ludwigstr. 3 (Odeonsplatz) m ^mtftgef cf)id)ts * 35ortragshurfe 1. ^unftte^re (S)te 2ed)nth ber oerfdjieb. fünfte) 2.5üinftgefd)id)tc (®efd)id)te b. beutfcfyen ^unft) 3. Säüjrungen burd) üDtufeen PrtHo CSott-bo ßeljrertn f. neue Sprodjen u. Äunftgefcfjicfjte JJKWQKf oon 5er Sattnftra&e 15|II, Slufgang 0 r. Honorar 10 Dtarh monattidj. o Sprecfjftunbe non 12—1 unb 3—4 Uf)r. ■ Damen hüte : : in solider Ausführung zu reellen Preisen. Trauerhüte, Umarbeitungen. C. HEIDENREICH München, Briennerslr. 7/1 gegenüber Weinhaus Sohleloh. Americ. Surgeon Dentist OSKAR STAHL l.d.s. 1 Nachf. JOSEF HERZOG Schillerst!*. 43/1 Tel. 52600 ordiniert von 10—1 u. 3—5 Uhr. Sonntag nur nach vorheriger Anmeldung. —5 Elektrolyt Georg ttlrth ( Energiesteigernil j In jeder Apotheke erhältlich in: Pulverform ■ (zu 0.50, 2.25 und 6 Mk.); ■ Tablettenform (zu 0.50, 1.50 i und 3.20 Mk.). — Literatur ■ kostenfrei. — Hauptvertrieb und Fabrikation: ■ Ludwigs-Apotheke München I Neuhauserstr. 8. ■