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Das jüdische Echo · 1916-12-01 · 48 (1.12.1916) · p. Seite 461

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
48 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 461 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 461 sie, und wir sind quitt. Er war aber mager wie ein Gerippe. Ich hätte ihn mit dem kleinen Finger umwerfen können. Wenn er mich mit seiner mageren Hand schlug, hätte ich vor Wut ersticken mögen. Aber dabei tat es überhaupt nicht weh.“ „Ich hätte ihn aufs Maul gehauen; dann hätte er keine Kraft zum Prügeln mehr gehabt“, bemerkte Getzel mit Verachtung. „Ich habe etwas viel besseres getan: ich mopste ein Paar Stiefel und schlug darauf los.“ „Wo sind denn die Stiefel?“ „Verkauft: Zwei Rubel dafür gekriegt“, prahlte Chotzkel. „Da hast du also keinen Paß?“ „Brauche auch keinen. Ich gehöre hierher. Mein Vater bekam seinen Paß von hier.“ „Hast du Verwandte hier?“ „Verwandte?“ Chotzkel zuckte die Achseln. „Vielleicht. Aber ich kenne sie gar nicht.1 „Alle Verwandte können zum Teufel gehen“, brach Getzel los. „Meine Mutter hat Verwandte hier; die lassen sie aber nicht über die Schwelle.“ „Die sind wohl reich?“ „Sehr reich“, antwortete Getzel ganz aufgeregt. „Einer von ihnen, Jonkel Chotzes, hat gegen zehntausend Rubel. Er verleiht Geld auf Zinsen.“ „So einen Verwandten sollte man auspressen“, rief Chotzkel mit einem tückischen Lächeln. „Laß ihn zum Teufel gehen“, antwortete Getzel. A'ls die Burschen besser mit einander bekannt wurden, fanden sie, daß Chotzkel eine Menge Streiche kannte; was ihnen aber am meisten gefiel, war, daß er genau wie ein Hund zu bellen verstand. „Chotzkel, belle ein bischen“, drang Getzel in ihn. „Wau — wau — wau“ begann Chotzkel zu bellen, und die „Bande“ hielt sich die Seiten vor Lachen. „Genau wie ein Hund“, lobten sie ihn. „Drüben in Kletzk habe ich die Leute immer nachts in Schrecken versetzt“, erzählte Chotzkel lachend. „Der reiche Leibe Wolf erschrak so, daß er der Länge nach hinfiel, als ich ihn eines Nachts anbellte.“ „Feiglinge“, rief die „Bande“ aus. „Wau — wau — wau!“ machte Chotzkel vor, wie er damals gebellt hatte. So nannte ihn denn die Bande „Der Hund“, und allmählich vergaß man seinen wirklichen Namen, und jeder nannte ihn so. Das machte ihm gar nichts aus. Im Gegenteil, er hatte das Gefühl, daß der Name ihn von allen Leuten trennte, die er nicht besonders liebte. Dieser Name erlaubte ihm nicht, irgendetwas mit den anderen menschlichen Wesen zu tun zu haben, ausgenommen seine Gefährten, die Mitglieder der „Bande“. Der Name berechtigte ihn herumzuiäufen, Hunger zu haben, wo es sich gerade traf. Wenn der Schammes ihn aus der Synagoge trieb, verbrachte er die Nacht auf der Schwelle zur Weiberschul’ — wirklich— wie ein Hund. Und manchmal wenn er so bellte, konnte er vergessen, daß er überhaupt Gefühle hatte und konnte wütend zuschnappen, als ob er jemand in Stücke reißen wollte. Einmal rief ihn Getzel und sagte: „Du Hund, willst du dir was verdienen?“ „Ja“, antwortete der Hund, freilich ohne große Begeisterung. „Dann komm herüber zu uns, du sollst meiner Mutter helfen, die Steine drehen; du bekommst 5 Kopeken dafür.“ Der Hund ging hin. Unterwegs begann er zu bellen: „Wau—wau!“ „Was willst du? Willst du denn nicht arbeiten gehen?“ fragte Getzel. „Vorläufig kommt es mir noch nicht so vor, als ob ich wollte“, antwortete der Hund lässig. „Du bist doch ein richtiger Hund“, schallt ihn Getzel. „Du wirst noch wie ein Hund vor Hunger sterben.“ „Immer noch besser als arbeiten. Wau — wau.“ Als er das Haus betrat, warf der Hund einen verächtlichen Blick auf die beiden großen Stangen, die an den beiden mit Mehlstaub bedeckten Steinen befestigt waren, und begann, seinen Kopf zu kratzen. „Das ist also dein feiner Freund“, sagte Getzels Mutter naserümpfend. „Ein feiner Junge, das muß man sagen.“ „Wau — wau“, bellte der Hund und lachte wild. „Hier mußt du deine Streiche lassen“, schalt die Witwe. „Wenn du helfen willst, die Steine drehen, dann gut. Wenn nicht, mach, daß du fortkommst.“ Der Hund fing an zu drehen, wobei er hin und wieder bellte. „Was ist denn das? Er ist ja vom Teufel besessen!“ rief Getzels Mutter erschrocken aus. „Der Kerl tut ja nichts als bellen!“ Postartstr. Nr. 14jl München Telephon 40757 | Israel. Mterpenslonat j I Frau Apotheker Rothschilü Ww. I Seifen- Ersatz beschlagnahmefrei in Stücken zu 2 Pfd. 20 Pfd. 4 Hk. Hilsenbeck Tattenbachstr. 5/1, Gartenh. Dietzels flüssiges, sowie festes, feinstes an Güte und Qualität höchst vorzüglich, angenehmer Geruch, empfiehlt stets zu mäßigen Preisen, da Lieferung nur an Verbraucher. J. Kastenmaier, Parkettbodengeschäft, Parkettbodenreinigung, München, Auenstraße 78. Telephon 24532. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Hefte, Akten, Stampf und Pappen, unter Garantie des Einstampfens Neutuche, neue Stoffabfälle, Rupfen, Seile, Stricke, Flaschen verschiedener Arten, Alteisen kauft stets jedes Quantum, groß und klein, zu allerhöchst. Preisen, holt frei ab Josef Duschl’s Rohprodukten-Grosshandlg., Dachauerstr,2l/0,2. Hof lks. Geöffnet ununterbrochen v. früh 6 Uhr bis abds. 8 Uhr. Lumpen

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