Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 48 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 458 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102942-9138070--01152-9073978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
458 Das Jüdisch« Echo Nr. 48 Diejenigen Ortsgruppen, die Anträge zu stellen haben, werden gebeten, sie baldigst dem Zentralkomitee zuzustellen. Wir verweisen auf die folgenden Paragraphen des Statuts: § 8. Jedes Mitglied der Z. V. f. D. hat das aktive Wahlrecht zum Delegiertentage; das passive Wahlrecht ist an die Vollendung des 24. Lebensjahres gebunden. — Jugendvereine, die mit Genehmigung des Landesvorstandes als selbständige Gruppen der Z. V. f. D. angehören, können aus ihrer Mitte auch jüngere Delegierte entsenden, die aber großjährig sein müssen. Die Zugehörigkeit zu einer Jugendgruppe ist jedoch nur bis zu einer vom Landesvorstand festzusetzenden Altersgrenze möglich. § 9. Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten. Ortsgruppen von mehr als 50 Mitgliedern wählen zwei Delegierte. Ortsgruppen mit mehr als 100 Mitgliedern wählen für jedes angefangene weitere Hundert einen weiteren Delegierten. § 10. Die Mitglieder des Landesvorstandes haben auf dem Delegiertentag bis zum Schluß der Tagung Sitz und Stimme. — Jeder Delegierte verfügt auf dem Delegiertentag nur über eine Stimme. Die Delegierten-Mandate sind nicht übertragbar. Die Übernahme des Mandats durch einen Ersatzdelegierten muß vor Beginn des Delegiertentages erfolgen. — Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden. literarisches Echo „Moriah“, Monatsschrift der jüdischen Jugend, Verlag Wien II. Zirkusgasse 36/IV. Abonnement jährlich K. 6.—, Mk. 5.—, halbjährig K. 3.—, Mk. 2.50, vierteljährlich K. 1.50, Mk. 1.25, Einzelheft 60 Heller, 50 Pfg., vor Kriegsausbruch in Lemberg herausgegeben, beginnt soeben in Wien unter der Redaktion von Dr. Wilhelm Berkelhammer wieder zu erscheinen. Die Zeitschrift setzt sich zum Ziele, die jüdische Jugend in den polnischen Ländern in jüdisch-nationalem Geiste zu erziehen. Sie ist gegenwärtig die einzige in polnischer Sprache erscheinende jüdisch-nationale Zeitung in Galizien und Polen. Das vorliegende Heft für November 1916 bringt Aufsätze von Dr. Wilh. Berkelhammer (Im Zeichen des Krieges), von Martin Buber (Brief an die „Moriah1 zu seinem Aufsatz „Was ist zu tun?“), von Dr. Z. F. Finkeistein, eine literarische Studie über den verstorbenen Dichter F r u g, der eines der schönsten Frugschen Gedichte „Ich bin die Aeolsharfe“ folgt, von Adolf Stand eine interessante Auseinandersetzung mit Bubers Monatsschrift „Der Jude“ und den ersten Teil einer umfangreichen Arbeit von Dr. Ing. Schipper über die Beziehungen des polnisch-litauischen Judentums zu Palästina von den ältesten Zeiten an bis ins XIX. Jahrhundert, als Beitrag zur Geschichte der romantischen Epoche im Zionismus. Eine Gedenktafel für die im Kriege gefallene jüdische Jugend Galiziens, eine reiche Rundschau, Bibliographie und Bücherschau schließt das erste Heft der wiedererscheienden „Moriah“. Der Mittler. Novellen von Ludw. Strauß. Berlin, Hyperion-Verlag 1916 (geheftet Mk. 3.—; gebunden Mk. 4.—). Ein junger Dichter versucht hier, den Geist, die Liebe und die Taten heutiger Menschen zu künstlerischen Gebilden zu gestalten, die die freiere Sprachtechnik und die Geistigkeit der Moderne mit der festen stilistischen Form verbinden, wie sie uns aus der Tradition der älteren deutschen Erzähler bekannt ist. Diese Kunst will, ähnlich den neuen Bestrebungen in der Malerei, nicht ein Abbild der Wirklichkeit sein und deshalb nicht nach ihrer Übereinstimmung mit dieser, sondern nach ihrer sinnbildlichen Kraft und nach der ästhetischen Harmonie ihrer Teile beurteilt werden. Dabei verirrt sie sich nicht in Konstruktion oder Phantastik, sondern dient stets dazu, Kräfte deutlicher zu machen, deren Wirken viele aus der jüngeren Generaton in sich selbst erfahren haben. So erhalten die Geschichten einen Ton warmer Lebendigkeit, der den Leser nie das Gefühl verlieren läßt, daß sie auch ihn persönlich angehen. Schwarzbuch. Unter diesem Titel hat der bekannte jüdische Schriftsteller Hermann (Zwi) K o h n in Lodz ein Buch herausgegeben, welches in dichterischer Weise die Leiden schildert, welche die armen polnischen Juden von der grausamen russischen Soldateska zu erdulden hatten. In ergreifender und wahrheitsgetreuer Weise hat der Dichter das schreckliche Weh der polnischen Juden in seiner Darstellung zum Ausdruck gebracht. Das Buch wird noch späteren Generationen die Erinnerung an die traurigen Zeiten wach erhalten. Im Osten erregte das Buch berechtigtes Aufsehen und dürfte auch deutsche Kreise, welche des „Jidisch“ mächtig sind, tief bewegen. J. F. Welt-Echo Die polnische Judenfrage im Reichstag. Im Reichshaushaltausschuß des Reichstages wiesen nach den Erklärungen des Reichskanzlers über das polnische Königreich Redner der freisinnigen, der freikonservativen und der sozialdemokratischen Fraktion eindringlich darauf hin, daß die jüdische Bevölkerung in Polen nach Gebühr berücksichtigt werden müsse. Antisemitische Brunnenvergiftung. Ein Berliner antisemitisches Blatt behauptet, daß die Zusammensetzung der Ersatzabteilung des 1. Garde- Feldartillerie-Regiments folgendermaßen sei: „Regimentsschreiber: Vizewachtmeister Cohn; Transportabfertigung: Vizewachtmeister Seligsohn als Gefreiter der Reserve zu Anfang des Krieges eingezogen; Aschinger, Schreiber, August 1914 als Kriegsfreiwilliger eingezogen; Gerichtsschreiber beim Regiment: Katzenstein, Rechtsanwalt aus Frankfurt a. M., Rieß, Rechtsanwalt aus Berlin. Gerichtsschreiber der reitenden Ersatzbatterie: Kahn, Marmeladen Engros.“ Das Machwerk des antisemitischen Blattes wollte und sollte den Eindruck erwecken, daß die Schreibstube des 1. Garde-Feldartillerie-Pegiments eine Sammelstube für Juden bildet, die sich vom Dienst an der Front drücken. Aut Grund von Erhebungen der zuständigen Stellen sind wir nunmehr in der Lage, festzustellen, daß der Vizewachtmeister Cohn evangelischer Konfession ist, 12 Jahre aktiv gedient hat, mit dem Zivilversorgungsschein abging und Kriminal- und Magistratsbeamter wurde, er ist dauernd garnisondienstfähig geschrieben. Seligsohn ist mosaisch, hat 1900 gedient und ist gleichfalls dauernd garnisondienstfähig. Aschinger ist evangel. und dauernd garnisondienstfähig. Katzenstein ist Jude und dauernd garnisondienstfähig. Rieß ist evangeli-