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Das jüdische Echo · 1916-11-24 · 47 (24.11.1916) · p. Seite 448

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
47 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
Seite 448 (sequence 8)
Language
German
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448 Das Jüdisch« Echo Nr. 47 über die hebräische Grammatik voraus, die allerdings so knapp gefaßt ist, daß ein der Sprache Unkundiger kaum großen Gewinn daraus ziehen kann. Eine wirkliche Einführung in die hebräische Sprache und ihre Gesetze mußte ja wohl auch außerhalb des Rahmens dieses Wörterbuches liegen, so sehr natürlich für ein wirkliches Verständnis ganzer Teile des „Jüdischen“ eine Kenntnis des Hebräischen erforderlich ist. — Ähnlich sieht es mit dem Polnischen aus, welchem der Jargon der Ostjuden zahlreiche Wörter des täglichen Lebens entnommen hat. Strack gibt in der Einleitung eine kurze polnische Lautlehre. Im Wörterbuch selbst werden die der polnischen Sprache entstammenden Wörter meist (warum nicht durchweg?) in der polnischen Schreibweise mit lateinischen Buchstaben der Übersetzung beigefügt. — Nicht ganz so häufig sind die Wörter russischer Herkunft. Die in das „Jidisch“ der Ostjuden Englands und Amerikas eingedrungenen Wörter englischer Herkunft hat Strack nicht in das Wörterbuch aufgenommen. Zahlreich sind die Wortbildungen, die an hebräische Stämme deutschen Vorsilben oder Endungen anfügen, wobei das Wort dann nach Art deutscher Worte abgewandelt wird. Im Wörterbuch werden sie mit „hd“ (hebräisch-deutsch) bezeichnet. — „Zur Grammatik der jüdischen Sprache“ werden in der Einleitung einige Bemerkungen gemacht, deren Ergänzung und Erweiterung wohl wünschenswert wäre. So sehr das „Jüdische“ ja den Charakter einer Mischsprache trägt: es hat seine Gesetze und Regeln; ihre Erforschung und Klarlegung erfordert allerdings noch manche Arbeit, für die der Deutschphilologe das Rüstzeug besser besitzt als der Hebraist. Es sind tatsächlich auch von jener Seite unter der Protektion einer deutschen wissenschaftlichen Akademie Bestrebungen im Gange, die historischen und sprachlichen Zusammenhänge des „Jargons“ zu erforschen. Man darf sich von diesen Arbeiten manchen Erfolg auch für die Aufhellung jüdischer Kulturprobleme versprechen. Est. Stimmen aus dem Osten. Gerade in diesen Tagen, da die Stimmen, die aus Westeuropa zu uns dringen, diejenigen eines nach Brot, Recht und Freiheit schreienden Volkes sind, freuen wir uns, wenn über den Stimmenchor hinweg auch die Stimmen der Einzelnen, einfach menschliche Laute zu uns dringen. Alexander E 1 i a s b e r g hat der Reihe der Bücher voll ostjüdischer Erzählungen, die er jenen, die nicht die Literatur der Ostjuden in ihrer ursprünglichen Sprache zu lesen vermögen, beschert hat, ein neues hinzugefügt. Unter dem Titel „Ostjüdische Erzähler“ ist im Verlag Gustav Kiepenheuer Weimar eine von Eliasberg übersetzte Sammlung von Erzählungen von J. L. Perez, Scholem Alejchem und Scholem Asch erschienen. Es ist bemerkenswert, daß wieder ein deutscher Verlag es unternommen hat, ein breiteres Publikum mit den Werken der Jargondichter bekannt zu machen. Die drei Dichter passen gut zu einander, wenn auch vielleicht Scholem Asch eher den Typ des außenstehenden Betrachters als den des Vertreters und Fürsprechs der jüdischen Volksseele verkörpert. Man sollte sich diese von Eliasberg besorgten Ausgaben der ostjüdischen Literatur anschaffen; es klingen in diesen Erzählungen so starke echte Töne, wie man sie bei dem vielen hohlen Pathos unserer Zeit selten hört. H. H. C. Geschichten. Arnold Zweig kann sehr kraftvoll und wuchtig sein, kann ein großes Werk aus einem Guß, aus dem Überschwang eines leidenschaftlichen Künstlerherzens schaffen. Das beweist sein Drama „Ritualmord in Ungarn“. Aber er kann auch ganz zarte feine Details sammeln, kann mit sorgsamen Händen die verschlungenen Gänge menschlichen Denkens und Fühlens aufdecken und auf die feinsten Schwingungen einer Menschenseele horchen. Das beweisen seine Novellen. In seinem neuen „Geschichtenbuch“ (Verlag Albert Langen, München) überwiegen die zarten, intimen Stimmungen und Bilder. Es kommt ihm häufig nicht darauf an, Konflikte aufzubauen und zu lösen oder die Träger dieser Konflikte an ihrer Unlösbarkeit zu Grunde gehen zu lassen, überhaupt etwas geschehen zu lassen. Er will vielmehr jene Stimmungen schildern, aus denen Konflikte entstehen können. Das äußere Geschehen wird Nebensache, der Reflex des Geschehens im Bewußtsein des Tuenden, der meistens ein Leidender ist, wird zur Hauptsache. Es spricht aus diesen Geschichten das Bestreben, die Dramatik der Handlungen abzuschwächen und dafür die Atmosphäre, in der sie sich vollziehen, die Stimmung, aus der sie entsprangen, mit ihren feinsten Nüancen zu zeichnen. Mitunter freilich hebt sich in scharfen Umrissen die Handlung selbst von der Schilderung ihres Drum und Dran ab, so in den Novellen „Jerusalem errettet“, „Die Flucht der van Spandows“, „Der Bürgermeister“. Fesselnd sind in diesem Buche die Schilderungen von Schicksalen und Seelenzuständen jüdischer Menschen, die Zweig uns gibt. Irgend etwas Ungreifbares, das dem zitternden Mondlicht gleicht, liegt auf den Erzählungen dieses hochbegabten jungen Dichters. i i . 1 Mara. Für iunge jüdische Wanderer. Auch der Krieg hat dem jüdischen Wanderbund Blau-Weiß nicht nachhaltig zu schaden vermocht. Allwöchentlich am Sonntag und an den Feiertagen wandern die Buben und Mädels ins Freie hinaus, erfüllen Brust und Herz mit Luft, Sonne und der Schönheit der Natur und geben sich dem Hochgefühl hin, im DrKlebs Joghurt Präparate unterdrücken die Bildung von Darmgiften, regeln unschädlich Verstopfung, Magenu. Darmkatarrh, erleichtern die Ältersbeschwerden. Glänzende Anerkennungen. Erhältlich in Apotheken u. Drogerien, wenn dort nicht zu haben, auch direkt zu beziehen Prospekte u. Proben kostenlos. Chem.'Bakt. Labor. Dr. E. Klebs, München, Schillerstr. 28 A iv

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