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Das jüdische Echo · 1916-11-24 · 47 (24.11.1916) · p. Seite 446

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
47 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
Seite 446 (sequence 6)
Language
German
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446 Das jüdische Echo Nr. 47 Dichtungen von Theodor Heigl, Rosenfeld. Zuckermann, Auerbach und zuletzt etwas Aufheiterndes von Scholem Alejchem. Die freiere Folge der nächsten Veranstaltungen kam persönlichen Wünschen einzelner Mitglieder entgegen. Besonders bemerkenswert ist, daß wir auch über die politischen und wirtschaftlichen Seiten der uns alle tief ergreifenden Ostjudenfrage Näheres erfuhren und daß dabei die Diskut'iergabe des Einzelnen hervorgelockt und gepflegt wurde. Bei alledem wurde Wissen verbreitet, ideale Gesinnung geweckt, das Verantwortlichkeits- und Gemeinschaftsgefühl in jüdisch-ethischem Sinne gehoben. Wir werden jeden Abend reifer, unsere Zeit mit ihren Fragen und Ereignissen zu begreifen. Wir gaben Rüstzeug für den Kampf der Geister und glauben damit, uns der Judenheit und dem Vaterlande mehr genützt zu haben als diejenigen, die stets behaupten: „Für Vereinstätigkeit, für Neuerungen im Vereinsleben, für künstlerische Genüsse sei die ernste Zeit nicht geschaffen“, und ihr Verschieben auf die Friedenszeit predigen. Von dem früheren Vereine haben wir eine Bibliothek. Die Hilfsmittel zu den Veranstaltungen sind denkbar einfach: Ein paar Bücher, worüber z. B. der Jüdische Verlag in Berlin (Sächsischestr. 8) bereitwilligste Auskunft erteilt, allwöchentlich oder in größeren Abständen ein billiges Lokal und willige, strebsame junge Mitglieder. Der Vorsitzende bestimmt diejenigen, die jeweils vorlesen und die Themata. Für den Vorsitzenden selbst erfordert die Vorbereitung bei richtige^ Wahl der Bücher 1—2 Stunden. Die u. a. von mir gebrauchten Werke lasse ich folgen und halte mich gerne bereit, etwaigen Interessenten nähere briefliche Auskunft zu erteilen. Theod. Z 1 o c i s t i, Von jüdisch-deutscher Sprach- und jüdisch-deutscher Literatur. Jüdischer Nationalkalender von 5676 von 0. Abeies und Ludwig Bato. „Vom alten Stam m“, Wjerke von Scholem Alejchem, Perez und Gorelik. Theodor Körners Werke. Adolf K o h u t, Theodor Körner und seine Dichttungen. Hugo Zuckermann: Gedichte. Einzelne Zeitschriften und Zeitungen, ein Werk über deutsche Literatur, ein deutsches und ein jüdisches Geschichtswerk. Welt-Echo Fortdauernder Mangel an Tefillin. Aus dem Büro der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums wird uns geschrieben : Der Mangel an Tefillin nimmt einen immer peinlicheren Charakter an. Von allen Seiten gelangen Gesuche von Gefangenenlagern, aber auch aus dem Publikum um Überlassung von Tefillin an uns heran, die wir nicht befriedigen können, da unsere gesamten Vorräte vergriffen, die Sendungen neuer Tefillin aus dem heiligen Lande seit längerer Zeit ausgeblieben sind und die Herstellung in Deutschland den größten Schwierigkeiten begegnet. Wir bitten wiederholt und dringend alle diejenigen, die über entbehrliche Tefillin verfügen, uns diese überlassen zu wollen. Die Tefillin werden vor ihrer Weitergabe natürlich nachgesehen und soweit möglich, in Stand gesetzt. Eine Erklärung der Jüdischen Assimilanten in Polen. Die Berliner „Neuen Jüdischen Monatshefte“ bringen in ihrer am 10. d. M. erschienenen Nummer einige bedeutsame Äußerungen zur polnischen Judenfrage. In einem Aufsatz von Dr. A. Friedemann „Wir und die Ostjuden“ wird nach einer ausführlichen und grundlegenden Darstellung der Materie ein Zusammengehen aller deutschen Juden auf Grund eines Mindestprogramms vorgeschlagen. Es wird darin verlangt: „Forderung unbedingter Gleichberechtigung aller Minoritäten, also auch der Juden, mit den Polen in der Verfassung, und ein in den Landesgrenzen festgelegter Schutz für ihre religiöse und kulturelle Eigenart, insoweit sie selbst deren Erhaltung wünschen. Abwehr jeden Zwanges zur Polonisierung und Vermeidung aller Germanisierungsmaßnahmen. Entschiedene Ablehnung aller Sondergesetze bezüglich der Einwanderung und besonders der Grenzsperre und eine nachdrückliche Aufklärung der Öffentlichkeit, sowie der einflußreichsten obersten Instanzen und des im Osten tätigen Beamtentums über alle einschlägigen Fragen. Schließlich eine umfassende Hilfstätigkeit zur Milderung des großen Elends und Studium der Wirtschaftsfragen, deren Lösung nach dem Friedensschlüsse erfolgen muß“. Eine im Anschluß an diesen Aufsatz veröffentlichte Erklärung der jüdischen Assimilanten, die von Vertretern aller jüdischen Richtungen Warschaus beifällig aufgenommen wurde, legt die Wünsche der polnischen Juden dar; sie stellt folgende grundsätzliche Forderungen auf: „... Wir sind deswegen der Meinung, daß der Gedanke eines verfassungsmäßigen und gesetzlich garantierten Obersten Nationalen Kulturrates grundsätzlich annehmbar ist, also eines Organes, welches die Erziehung und kulturelle Entwickelung der jüdischen Jugend auf der sprachlichen Selbstbestimmung und auf diesbezüglicher Matrikulierung der jüdischen Bevölkerung gründen wird... Es versteht sich von selbst, daß Juden in Polen ohne Unterschied von sprachlicher Selbstbestimmung volle bürgerliche Gleichberechtigung genießen werden, die in den Satzungen der Verfassung eine absolute Garantie findet.“ Die Zeitschrift selbst schließt ihre Ausführungen über das neue polnische Königreich mit folgenden Worten: „Wir hoffen und wünschen im Interesse der gut vaterländischen jüdischen Bevölkerung Polens, aber auch im Interesse des jungen Staates selber, daß sich dessen neue Leiter der großen Vergangenheit würdig erweisen und erfüllt von dem Gedanken wahren Liberalismus und wahrer Achtung vor der Eigenart und der Kultur der Minderheiten an die Lösung des Judenproblems herantreten werden.“ Der dringende Wunsch nach Anerkennung der sprachlichen und kulturellen Eigenart der Ostjuden in der neuen Verfassung des Königreichs kommt in diesen Kundgebungen in klaren und starken Worten zum Ausdruck. Die Liga der Fremdvölker Rußlands richtet folgenden Aufruf an das polnische Volk: Unser Hilferuf im Mai an den Präsidenten der Vereinigten Staaten ist ungehört verklungen. Vergebens warteten wir auf Antwort. Aber von anderer Seite ist soeben bewiesen worden, daß unter den Weltmächten Menschlichkeit und Gerechtigkeit noch leben, daß der Grundsatz nationaler Freiheit trotz Krieg und Elend auf Erden nicht verschwunden ist. An Dir, polnisches Volk, hat sich zuerst erwiesen, daß Treue gegen sich selbst, daß unentwegtes Festhalten am nationalen Recht

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