Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 45 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- Seite 424 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9102942-9138066--01115-9073941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Jüdische Echo Nr. 45 424 lasse, noch da Geschäfte machen werde, und daß kein Jude beim Durchzug durchs Land sich über Nacht aufhalten dürfe — außer am Sabbath —. Diese Bestimungen kehren ebenso in der Landesordnung wieder, die zwei Jahre später erlassen wurde. Wo innerhalb der bayerischen Herzogtümer damals noch Juden wohnten, wurden sie um jene Zeit vertrieben. Im 17. Jahrhundert werden dann einzelne Juden als sogen. Hoffaktoren zugelassen. Es sind das nur vermögendere Juden, die den Fürsten in ihren Geschäften dienlich sind. — Anfangs des 18. Jahrhunderts wohnten in München schon eine ganze Anzahl solcher Juden. Als Kurfürst Max Emanuel im Jahre 1715 den Befehl erläßt, sie auszutreiben, erklärten die Landstände, sie seien dazu nicht imstande, weil sie von den Juden erhebliche Vorschüsse erhalten hätten, gegen das Versprechen, ihnen bis zur Rückzahlung der Vorschüsse Schutz und Zollfreiheit zu gewähren. Der Kurfürst aber wiederholte sein Gebot und erklärte, er halte sich an solche ohne seine Zustimmung getroffenen Vereinbarungen nicht gebunden. Es scheint aber, daß der Kurfürst nichts durchsetzen konnte. Jedenfalls sehen wir, daß die Landfeinde im Jahre 1725 nun ihrerseits vom Kurfürsten die Ausschaffung der Juden fordern. Es kam in dem Jahre auch in München zu einem Tumult gegen die Juden. Diesmal scheint aber der Kurfürst weniger scharf gewesen zu sein, und das hatte wohl darin seine Gründe, daß der Kurfürst einzelnen Juden stark verschuldet war. Die Forderungen der Juden gegen ihn beliefen sich 1726 auf mehr als 3 Millionen Gulden. Der Hoffaktor Wertheimer allein hatte 267 000 Gulden beim Kurfürsten zu fordern. — Wir sehen, die wenigen Juden stellten eine bedeutende Kapitalmacht dar. Als „Hoffaktoren“ hatten sie ein besonders Patent, das sie von den drückenden Bestimmungen befreite, die für die durchs Land reisenden Juden damals noch bestanden. — Diese mußten während des ganzen 18. Jahrhunderts an der Grenze und an jeder Zoll-Station einen L e i b z o 11 bezahlen. In München zahlte jeder ankommende Jude 3 Gulden und für jeden Tag, den er in der Stadt blieb, noch 40 Kreuzer. Die Zollordnüngen des 18. Jahrh. behandelten die Juden gerade wie Waren. In einer bayerischen Mauthordnung vom Jahre 1769 stehen die Juden zwischen den „Huchen“ und den „Kälbern“. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der Juden in München zu. Der Geschichtsschreiber Lorenz v. Westenrieder klagt im Jahre 1788 bitter darüber. „Noch vor kurzem“, sagt er, „waren hier nur sehr wenige Juden, die in zweyen Häusern im Thal bescheiden und still beisammen lebten; allein seit kurzem wohnen sie in der ganzen Stadt zerstreut und ihre Anzahl hat sich sehr vermehrt“. Dabei war die Zahl wirklich nicht sehr bedeutend. Unter den 40 000 Einwohnern Münchens gab es 1788 124 Juden, (26 Hausväter 15 Weiber, 48 Kinder und 35 Domestiken), 1799 zählte man 31 Judenfamilien in München. est. Welt-Echo Drückeberger. Unter dieser Überschrift schreibt Hans Leu ß in der „W eit am Monta g“: „Allgemeine Urteile über Klassen, Gruppen, Rassen, Nationen sind gewiß immer Unsinn und höchstens als ein Notbehelf anzusehen, den wir manchmal nicht vermeiden können. Am meisten haben unter diesem gefährlichen Unfug die Juden zu leiden; gegen sie verallgemeinern die Menschen allzu gerne irgendeine üble Erfahrung, eine gute nie! Ich habe es erlebt, daß selbst germanische Unabkömmliche dreist miteinstimmten, wenn Von jüdischen die Rede war, und die besonders ausgeprägte Abneigung der Juden gegen den Heldentod von vornherein als eine Erfahrungstatsache gelten mußte. Man gilt als ein törichter Judenschwärmer, wenn man gegen dieses Vorurteil Zweifel äußert. Der Hinweis auf Ludwig Frank, den einzigen deutschen Reichstagsabgeordneten, der sein Leben dem Lande geopfert hat, und auf so viele andere tapfere Juden, wie den gefallenen Seminarlehrer Sänger, auf den Eliegerleutnant Frankl, auf die jüdischen Ritter des Kreuzes der ersten Klasse, auf die vielen jüdischen Kriegsfreiwilligen, — es hilft nichts, das müssen immer Einzelerscheinungen sein; die Verallgemeinerung aber, diese große menschliche Dummheit ist sofort am Werk, wenn von der „unabkömmlichen Konfession“ die Rede ist. Ganz ähnlich ergeht es einem bei den Unterhaltungen über den Erwerbssinn, über „Kriegswucher“, über das Reichwerden im Kriege und durch den Krieg. Obwohl die Juden weder Gemüse bauen, noch Aalfischerei treiben, kostet das Gemüse ein Heidengeld, und der Aal bei den Fischern 4—5 Mark das Pfund, 400 Prozent des Friedenspreises. Das Bankgeschäft blüht nicht gerade, aber die Eisenindustrie sammelt ungeheuere Reichtiimer, an denen Arier weit mehr beteiligt sind als Juden. Unter den Neureichen des Krieges, unter den Gerbern, Mehlhändlern, Kornhändlern, Kartoffelhändlern, die Geld verdient haben, sind die Juden und Arier sehr verschieden verteilt, aber alles in allem hat keiner den Verdienst verschmäht, und er ist in der Regel genommen worden mit denselben Mitteln und auf denselben Wegen wie vormals. — „business as usual“. Die Antipathien aber haften am jüdischen Erfolg, verallgemeinern sich über diesen zum Schelten auf die Juden, während es keinem Menschen einfällt, aus den arischen Gewinnsten uns Germanen einen Strick zu drehen. Beide Bezirke antisemitischen Vorurteils sind auf der Tagesordnung des Reichstagsausschusses Chem.-Bakt. Labor. Dr. E. Klebs, Präparate unterdrücken die Bildung von Darmgiften, regeln unschädlich Yerstopfung, Magenu. Darmkatarrh, erleichtern die Altersbeschwerden, ü 1ä nzende Anerkennungen. trhältlich in Apotheken u. Drogerien, wenn dort nicht zu haben, auch direkt zu beziehen Prospekte u. Proben kostenlos. München, Schillerstr. 28 A iv