Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 45 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- Seite 423 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 423 Bekanntmachung. Die Zwischenscheine für die 5% Schuldverschreibungen und 4%% SchatzairWeisungen der IV. Kriegsanleihe können vom 6. November d. Js. ab in die endgültigen Stücke mit Zinsscheinen umgetaiuscht werden. Der Umtausch findet bei der „Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“, Berlin W 8 Behrenstraße 22, statt. Außerdem übernehmen sämtliche Reichsbankanstalten mit Kasseneinrichtung bis zum 17. April 1917 die kostenfreie Vermittlung des Umtausches. Nach diesem Zeitpunkt können die Zwischenscheine nur noch unmittelbar bei der „Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“ in Berlin umgetauscht werden. Die Zwischenscheine sind mit Verzeichnissen, in die sie nach den Beträgen und innerhalb dieser nach der Nummernfolge geordnet einzutragen sind, während der Vormittagsdienststunden bei den genannten Stellen einzureichen. Für die 5% Reichsanleihe und für die 4Vst% Reichsschatzanweisungen sind besondere Nummernverzeichnisse auszufertigen; Formulare hierzu sind bei allen Reichsbankanstalten erhältlich. Firmen und Kassen haben die von ihnen eingereichten Zwischenscheine rechts oberhalb der Stücknummer mit ihrem Firmenstempel zu versehen. Von den Zwischenscheinen für die I. und III. Kriegsanleihe ist eine größere Anzahl noch immer nicht in die endgültigen Stücke mit den bereits seit 1. April 1915 und 1. Oktober d. Js. fällig gewesenen Zinsscheinen umgetauscht worden. Die Inhaber werden aufgefordert, diese Zwischenscheine in ihrem eigenen Interesse möglichst bald bei der „Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“, Berlin W 8 Behrenstraße 22, zum Umtausch einzureichen. Berlin, im November 1916. Reichsbank-Direktorium. Havenstein. v. Grimm. beraubt. König Rupprecht und Sigismund suchten ebenfalls auf alle mögliche Art Geld aus den Juden im Reich herauszupressen. So kam es, daß sie immer mehr verarmten. Als der bayerische Herzog Albrecht III. im Jahre 1432 eine Juden- Steuer ausschrieb zur Deckung der Kosten des Hussitenkrieges, mußte er nachher wehmütig bekennen; „Wir hätten gerne gute Hilfe von ihnen gehabt, da fanden wir solche Armut, daß wir nicht mehr als 200 fl. von ihnen aufbringen konnten.“ Mit den armen Juden wußte man nichts anzufangen; sie konnten nicht mehr nützlich sein. So vertrieb man im Jahre 1442 alle Juden aus München und vielen anderen Orten Oberbayerns. — Damit hatte die Münchener Judengemeinde ihr Ende erreicht. — Die Synagoge schenkte der Herzog seinem christlichen Leibarzt Dr. Hartlieb, die bald einen großen Ruf als Wallfahrtskapelle zur hl. Gruft erhielt. Die Kirche bestand bis zum Jahre 1803. Die Straße hat daher noch heute ihren Namen. — Auch ihre Toten ließen die Juden in München zurück. Wir haben eine Urkunde aus dem Jahre 1416, in der die Herzoge den Münchener Juden einen Friedhof am Moosacher Berg, d. i. in der Gegend der jetzigen äußeren Dachauerstraße, anweisen. Schon 26 Jahre später wurde der Friedhof geschlossen. Die Münchener Juden gingen in die Welt hinaus, sich eine neue Heimat zu suchen. Viele siedelten sich in den Landgemeinden an, in der Nähe von Augsburg in Kriegshaber, Pfersee, oder zogen nach den kleinen Landorten im Fränkischen, deren große Judengemeinden in jener Zeit entstanden, da die deutschen Fürsten und Städte ihre jüdischen Einwohner vertrieben, nachdem sie sie ausgeraubt hatten. Aber nicht alle blieben in deutschen Landen. Schon bei den früheren Verfolgungen, besonders in den Zeiten des schwarzen Todes, hatten viele deutsche Juden den Weg nach dem Osten eingeschlagen, nach Polen, wo man den Gehetzten und Verfolgten eine gastliche Aufnahme gewährte. Viele Tausende deutscher Juden sind im 13., 14. und 15. Jahrhundert in Polen eingewandert und haben dort Ruhe und sicheren Erwerb gefunden. Und der Jargon, die Sprache der polnischen Juden noch heute, er ist ja nichts anderes als die Fortentwicklung des mittelalterlichen Deutsch, das die Juden um München und Nürnberg, von Mainz oder Worms sprachen, als sie ihre deutschen Heimatstädte verließen. Gar viele der polnisch-jüdischen Familiennamen, wie Spiro (von Speyer), Halpern (von Heilbronn), erinnern noch heute an die Herkunft der Familien aus Deutschland. Wir hören nun lange nichts von den Juden in München. Über 100 Jahre später, im Jahre 1551, wird davon berichtet, daß man im Gefängnis im Falkenturm in München vier Juden eingesperrt und der Tortur unterworfen hatte. Damals eilte der hervorragendste Jude jener Zeit, Joselmann von Rosenheim, der den Titel „der gesamten Judenheit Befehlshaber“ führte, nach München, um — wie immer, wo es galt für seine Brüder einzutreten — den bedrängten Juden zu helfen. Es gelang ihm auch die vier Juden aus dem Gefängnis zu befreien; aber er mußte eine Urkunde unterzeichnen und mit seinem Eide bekräftigen, in der er sich u. a. verpflichtete dafür zu wirken, daß kein Jude sich in Ober- oder Niederbayern nieder-