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Das jüdische Echo · 1916-11-10 · 45 (10.11.1916) · p. Seite 419

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
45 (10.11.1916)
Date
1916-11-10
Page
Seite 419 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 419 Kopfe und dem Herzen als mit der Faust etwas geleistet, und wenn sich bei Kriegsausbruch Hunderte von Freiwilligen dem Roten Kreuz zur Verfügung stellten, geschah es nicht, weil die Nächstenliebe, der Wunsch zu helfen eine typisch jüdische Eigenschaft ist? Die ganze Judenzählerei kann oder sollte doch eigentlich nur den Zweck verfolgen, festzustellen, wie weit die Juden sich während des Krieges als ein für Deutschland nützliches Element erwiesen haben. Aber ist man wirklich so weit gekommen, den Grad der Nützlichkeit lediglich nach den militärischen Leistungen beurteilen zu wollen? Dabei ist diese Zählung im Heere noch keineswegs geeignet, die Leistungs- und Aufopferungsfähigkeit der jüdischen Gesamtheit zu illustrieren. Und vielen auch, die gingen, ist draußen die ehrliche, heilige Überzeugung gekommen, daß sie an anderer Stelle bedeutend Wichtigeres für Deutschland leisten können, als mit der Waffe in der Hand. Wir brauchen die Statistik nicht zu fürchten, aber wir protestieren dennoch gegen sie. Denn wie auch immer ihre Ergebnisse lauten werden — sie wird1 kein richtiges Bild der Sachlage gewähren; werden doch die Kreise, von denen die Judenzählung ausgeht, keinesfalls gewisse zur Beurteilung der Resultate unerläßliche Faktoren in Betracht ziehen: nämlich die körperliche Beschaffenheit der vorwiegend in Städten wohnenden und Stubenberufe ausübenden Juden; ihre besondere Eignung für eine Bureautätigkeit; ferner den Grad der angeborenen Neigung der Juden zum Kämpfen und Blutvergießen. Der Abgeordnete Dr. Ouarck sagte laut „Berl. Tagebl.“ vom 5. Nov. im Reichstag: „Im 18. Armeekorps beginnt die Judenstatistik mit den Worten: „Um den ungerechtfertigten Vorwürfen in der' Bevölkerung wegen Bevorzugung der Juden entgegentreten zu können.“ Das ist ganz etwas anderes, als was das Kriegsministerium uns als Zweck der Erhebung bezeichnet hat. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Im Bereich des 18. Armeekorps haben weiter die unteren Stellen die Juden, die sie bisher beschäftigt haben, für die Zeit der Statistik periodisch abgelöst. Statistisch würden also weniger Juden im Bureaudienst tätig erscheinen, als tatsächlich .beschäftigt waren. (Hört, hört!) Die unteren Militärbehörden kommen eben durch die Erhebung offenbar in Konflikt zwischen ihren statistischen und praktischen Pflichten. Sie wissen einerseits, daß die geschäftliche Begabung der Juden ihre Verwendung im Bureau vielfach empfiehlt, andererseits haben sie natürlich den Wunsch, nicht etwa die Juden als bevorzugte Drückeberger erscheinen zu lassen. Die konfessionelle Statistik bringt also weder richtige Zahlen, noch trifft sie die wirklichen Drückeberger jeder Konfession. (Sehr wahr!) Diesen müßte man mit ganz anderen Maßnahmen energisch zu Leibe gehen; dabei würde die Regierung der Unterstützung des ganzen Reichstags sicher sein.4 (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Reichstagsrede des Hbgeordneten Haas. Der Fortschrittler Ludwig Haas, der in Hauptmannsuniform, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse erschienen war, erwiderte in der Reichstagssitzung vom 3. November auf die Erklärung des Obersten v. Wriesberg, daß das Kriegsministerium die Zahl und Verwertung der Juden in der Armee feststellen lasse, mit folgenden Worten: „Ein Wort zu der Zählung der jüdischen Soldaten. Ich spreche dazu, weil ich Jude bin, und weil ich nicht wünsche, daß der Eindruck entsteht, als ob ich mich scheue, dazu zu sprechen. Der Erlaß des Kriegsministeriums hat in den weitesten Kreisen der deutschen Juden und weit darüber hinaus lebhaftes Befremden erweckt. Er hat Befremden erregt auch dort, wo man der Meinung ist, daß man jetzt die innere Geschlossenheit noch dringend notwendig habe. Es ist dringend notwendig, daß wir jetzt alle Volkskraft einheitlich und geschlossen zusammenfassen. Es ist erklärt worden, der Erlaß sei nicht böse gemeint gewesen, man habe Vorwürfe nachprüfen wollen auf Grund des statistischen Materials. Ich nehme die loyale Erklärung des Kriegsministeriums loyal auf. Aber ungeschickt war der Erlaß. Militärisch war der Erlaß gründlich verfehlt. Der Soldat braucht seine Ehre, und man darf ihm nicht seine Ehre nehmen. In welcher Lage befindet sich der jüdische Soldat, auch vorn im Schützengraben, wenn nun der Kompagnieschreiber mit dem Erlaß kommt? Der jüdische Kamerad fühlt sich bedrückt und gedrückt, außerdem untergräbt der Erlaß die Autorität jüdischer Vorgesetzter. Ich habe eine Fülle von Briefen bekommen, und es sind Briefe darunter, Tränen können einem kommen, und es geht durch die Briefe hindurch: Nun sind wir gezeichnet! Einige schreiben: „Nun hat man uns Offiziere zu Soldaten 2. Klasse gemacht.“ Die Statistik wird auch noch so dumm gemacht. Einer hat mir geschrieben: er sei dreimal verwundet gewesen, habe sich schon in den ersten Tagen des Krieges, als das Eiserne Kreuz noch etwas bedeutete, das Eiserne Kreuz erworben. Jetzt sei er Schreiber in einem Büro, weil er nicht mehr felddienstfähig ist, und nun schreibt er mir, er sei gezeichnet. Es gibt ja doch nach dem Kriege so unendlich viele gemeinsame Arbeit. Sie können in einzelnen Fragen stehen, wie Sie wollen, darüber sind wir uns alle klar: die Arbeit nach dem Kriege wird von uns allen miteinander geleistet werden müssen, und wir ertragen es jetzt und nach dem Kriege nicht, daß man mit aller Gewalt das deutsche Volk auseinanderreißt. Wie wirken denn diese Dinge im neutralen Ausland? Wir legen gewiß keinen großen Wert darauf, was man im Ausland über uns denkt, aber in der Zeit nach dem Kriege werden wir Weltpolitik treiben müssen. Aber das ist nicht möglich ohne Toleranz und das ist einer der Vorwürfe, der gegen uns immer wieder erhoben c.ui(UCii< i aooumoi cn. i i pioc uiiuyoi. München, Weinstraße 13, altes Polizeigeb. Stets Eingang von Neuheiten. — Umarbeitung sämtlicher Zutaten. Fassonieren. Preise billigst.

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