Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 43 (27.10.1916)
- Date
- 1916-10-27
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 399 discher und polnischer Sprache mit Aufsätzen, Liedern, Berichten und Abbildungen, die den gegenwärtigen Stand’ jder jüdischen Turn- und Sportbewegung in Polen veranschaulichen. — Am 14. Oktober wurde in Anwesenheit von etwa 150 jüdischen Frauen eine zionistische Frauen gruppe in Lodz gegründet. Die Verwaltung des Handwerkerklubs in Lodz hat beschlossen, einen Zelnfral-Gewer'berat zur Förderung der rechtlichen, kulturellen und’ professionellen Interessen der jüdischen Handwerker zu gründen. Dienstzwang in England. Die Frist für freiwillige Anmeldung zum Heeresdienst ist am 25. Oktober abgelaufen. Zur Zwangseinziehung in England. Als die Diskussion über die Zwangserziehung der russischen, in England lebenden Juden zum englischen Heer einsetzte, richtete, wie schon gemeldet worden ist, Herr Josef Co wen als Vorsitzender der English Zionist Federation einen Aufruf an die russischen Juden, sich freiwillig zum Heeresdienst zu melden. Dieser Aufruf fand in den zionistischen Kreisen vielseitige Mißbilligung und führte zu einer speziellen Konferenz der Vereinigungen, die der English Zionist Federation angeschlossen sind. Auf dieser Konferenz wurde zu der Frage der Rekrutierung und zu dem Aufruf, den Herr Josef Cowen unterzeichnet hat, Stellung genommen. Die Versammlung fand am Sonntag, den 17. September in Armfields statt und nahm die Resolution an: „daß die Konferenz nach einer Diskussion der gegenwärtigen Lage mit Hinsicht auf die Rekrutierung russischer Juden in die Britische Armee zur Tagesordnung übergeht mit dem Ausdrucke des Wunsches, daß der Council keine weitere Notiz davon nehme.“ Aus dieser Resolution geht hervor, daß die Konferenz den Standpunkt des Herrn Josef Cowen nicht einnimmt. Amerikanisches Hilfswerk. Die amerikanischjüdischen Hilfsgesellschaften haben vom 20. Jan. 1915 bis 15. August 1916 insgesamt 4 891 613 Dollar gesammelt. Davon sind für Rußland 1 800 000 Dollar, für Polen 1 454 500 Dollar, für Österreich- Ungarn 1 065 000 Dollar, für Palästina 403 788 Dollar verwendet worden. Die Paßfrage zwischen Amerika und Rußland hatte bekanntlich sr. Zt. dazu geführt, daß der Handelsvertrag zwischen den beiden Staaten seitens Amerikas nicht erneuert worden war, weil Amerika verlangt hatte, daß die russische Regierung allen amerikanischen Untertanen, auch denen jüdischer Konfession den Aufenthalt im Zarenreiche gestatten müsse. Nachdem nun durch russische Agenten die Stimmung in den Vereinigten Staaten nachdrücklich beeinflußt und’ die amerikanische Handelswelt immer wieder darauf hingewiesen worden ist, welche großen Vorteile ein solches Handelsrecht für sie bedeuten würde, scheint es, daß Amerika geneigt ist, die Interessen seiner jüdischen Bürger zu opfern und der Erneuerung eines Handelsvertrages auch dann zuzustimmen, wenn den amerikanischen Juden weiterhin der Aufenthalt in Rußland verwehrt wird. Gesundheitszustand in Palästina. Seit dein 25. Juni hat das jüdische Gesundheitsamt in Jerusalem drei Stationen eingerichtet, wo die Bevölkerung kostenlos gegen Cholera geimpft wird. Die Impfstation des Pasteur-Institutes stellte im Aufträge der Regierung für 30 000 Personen Impfstoff gegen Cholera her. Medikamente für Palästina auf einem amerikanischen Kriegsschiff. Der amerikanische Kreuzer „Desmoines“ ist von Barcelona nach Alexandrien beordert worden, um dort die vom Provisorischen Zionistischen Exekutivkomitee, New- York, deponierten medizinischen Hilfsmittel nach Jaffa zu bringen. Italienische Hilfe für rumänische Juden, In Florenz bereitet man einen Ausschuß zur Hilfeleistung für die rumänischen Juden vor. literarisches Echo Eine neue Unternehmung des Jüdischen Nationalfonds.*) Nachdem der Jüdische Nationalfonds mit der kleinen N.F.-Bibliothek, Broschüren und der ebenso unförmigen wie dünnen Gedenknummer für Wolffsohn Experimente in genügender Zahl gemacht hat, scheint er nunmehr für seine Veröffentlichungen die endgültige Form gefunden zu haben. Heft 1 der Mitteilungen des Hauptbüros des Jüdischen Nationalfonds, „Erez Israel“, dem in zwangloser Folge weitere nachfolgen werden, enthält wissenschaftliche Abhandlungen, zur Diskussion gestellte Vorschläge, bibliographische Nachweise, Berichte des Hauptbüros über geleistete Arbeit, Mitteilungen über Ankündigungen von geplanten Unternehmungen usw., dem Stoff und der Art nach so mannigfaltige Gegenstände, daß jeder Freund des J. N. F., ob er sich für die systematische Tätigkeit des Instituts oder für die allerorts zu leistende Kleinarbeit interessiert, daran Gefallen finden und daraus Anregung schöpfen wird. Die Freude, am Wachstum des Volksschatzes mitzuwirken, wird durch die intimeren Beziehungen, die durch derlei Publikationen zwischen Vertrauensmännern und Amt hergestellt werden, sicherlich zunehmen. Wer bisher nur aus einem dunkeln, aber richtigen Instinkte heraus sich für den J.N.F. ins Zeug legte, erhält jetzt die substanzielle Begründung seiner Sympathie. Je stärker sie wird, umso besser für die palästinensische Bewegung. Wir sagen absichtlich nicht zionistische. Denn unbestritten reichen die Leistungen des J.N.F. weit über die von manchen Außenstehenden für eng gehaltenen Grenzen zionistischer Zwecke hinaus. Diese von Zionisten ins Leben gerufene Institution erweist sich als Segen für das ganze palästinensische Judentum und hat daher auch seine Förderer jenseits der zionistischen Organisation. Was ihm innerhalb und außerhalb der gesinnungsgenössischen Kreise so viel Liebe zuwendet, ist m. E. nicht nur sein Wesen, sondern zum großen Teil auch der Respekt vor der reibungslos laufenden Maschine. Man muß anerkennend sagen: der J.N.F. ist die bestbegleitete, peinlichst überlegt ausgebaute Institution der zionistischen Schöpfungen. Nicht allein im Vollzug ihrer Pläne, ebenso im Organismus, der die Mittel schafft. Gewiß ist in letzterer Be- *) Erez Israel, Mitteilungen des Hauptbüros des Jüdischen Nationalfonds. Heft 1, Sept. 1916. Groß-Oktav, 96 Seiten. Preis 1 Mark. Zu beziehen durch den Jüdischen Verlag, Berlin W. 15.