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Das jüdische Echo · 1916-10-27 · 43 (27.10.1916) · p. Seite 398

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
43 (27.10.1916)
Date
1916-10-27
Page
Seite 398 (sequence 6)
Language
German
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398 Das Jüdische Echo Nr. 43 Westen hergenommen, von Frankreich und von den Städten am Rhein. Dort hatten schon in den früheren Jahrhunderten Judenansiedelungen bestanden und1 es hatten die Juden als Kaufleute und Vermittler des Handels mit dem fernen Osten eine angesehene, auch rechtlich gesicherte Stellung eingenommen. Mit dem ersten Kreuzzug vom Jahre 1096 war zum ersten Male eine große Judenverfolgung in Deutschland vorgekommen und 50 Jahre später hatte der zweite Kreuzzug< Verderben gebracht über viele deutsche Judengemeinden. Von da ab war es abwärts gegangen mit der rechtlichen Sicherheit und der sozialen Stellung der Juden. est. (Fortsetzung folgt.) Welt-Echo Kriegstagung des Kartells Jüdischer Verbindungen. Das Kartell jüdischer Verbindungen hatte seine Angehörigen für den 1. und 2. Oktober zu einer Kriegstagung nach Berlin einberufen. Bekanntlich hatten sich kurz vor Kriegsausbruch die im Bund Jüdischer Korperationen zusammengeschlossenen Vereine Jüdischer Studenten und die Korporationen des Kartells Zionistischer Verbindungen zu einem Verbände, dem Kartell Jüdischer Verbindungen (K.J.V.) vereinigt. Naturgemäß wird eine Jugendorganisation, wie sie ein studentischer Verband darstellt, vom Kriege besonders schwer betroffen, da der weitaus größte Teil der Mitglieder und der als Nachwuchs in Betracht kommenden Keilfüchse im Felde weilt. Aus dem vom Präsidium des K. J. V. erstatteten Berichte war zu entnehmen, daß trotz aller äußeren Schwierigkeiten die Arbeit des Kartells fortging, daß während des Krieges etwa 100 Füchse aktiv wurden und daß die Gesamtzahl der Mitglieder jetzt etwa 950 beträgt. Die Abhaltung eines Kartelltages ist, solange der Krieg dauert, nicht möglich, und die Kriegstagung war lediglich dazu bestimmt, eine Aussprache über die im K. J. V. aktuellen Probleme und die Richtlinien der künftigen Arbeit herbeizuführen und durch das persönliche Zusammentreffen vieler K.J.Ver den bundesbrüderlichen Zusammenhang zu stärken. Der Umstand, daß etwa 200 Bundesbrüder, darunter zahlreiche aus dem Felde erschienen waren, bewies das Bedürfnis einer solchen Tagung. Es kam auf dem K.J.Ver-Tage zunächst zu einer lebhaften Diskussion über die Frage, wie wir unsern Nationalismus im üaluth konkreter gestalten können. Die Lösungsversuche bewegten sich vor allem nach der Richtung, daß wir danach streben müssen, den Tatsachen des jüdischen Lebens näher zu kommen. Als solche jüdischen Tatsachen kommen neben dem jüdischen Lande Palästina das jüdische Volk, die jüdische Sprache, und die jüdische Geschichte in Betracht. Ferner wurde sowohl im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit ostjüdischen Studenten wie auch auf den aus den Blau-Weiß-Biinden hervorgegangenen Nachwuchs die Frage einer Reform der Korporationsformen erörtert. Die weitere Klärung dieser Fragen blieb der Diskussion in der internen Zeitschrift, dem „Jüdischen Studenten“, Vorbehalten. Zu der Ostjudenfrage wurde mit folgender Resolution Stellung genommen: Wir erhoffen vom Frieden, daß er den Juden des Ostens die Balm zu freier Entwicklung ihres nationalen Lebens öffnen wird. In dem Bewußtsein der nationalen Einheit des jüdischen Volkes bekämpfen wir jeden Versuch, gesetzliche oder geistige Scheidewände zwischen Ost- und Westjuden zu errichten. Wir erwarten vielmehr von der möglichst innigen Berührung mit dem östlichen eine Belebung und Befruchtung des westlichen Judentums.“ Neben den Verhandlungen war Zeit und Gelegenheit zu geselligem Beisammensein in kleinerem und größerem Kreis. Die Veranstaltung von Festlichkeiten verbot der Schmerz um die 44 gefallenen Bundesbrüder und die Rücksicht auf die im Felde stehenden. Der Jüdische Nationalverein fiir Österreich hielt am 17. Oktober seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach einem inhaltsreichen Bericht des Herrn Oberingenieur Rob. Stricker über die Schritte, welche die Organisation während des Kriegsjahres für die Juden des besetzten Gebietes z. T. mit Erfolg unternahm, wurde man sich darüber einig, daß der Verein als einzige nationale politische Vertretung der österr. Judenschaft nur dann an Einfluß gewinnen werde, wenn er sich auf eine große Zahl von Mitgliedern stützen könne. Daß dies heute noch nicht der Fall ist, liegt m. E. nur an dem Mangel einer kontinuierlichen Werbearbeit. Systematische von Unterbrechungen freie Propaganda wird auch dazu führen, daß in der national gesinnten Judenschaft Aussprache und Klarheit in den programmatischen Zielen eintritt, die noch in vielen Punkten vermißt wird. Es wurden zwölf Herren in den Vorstand gewählt, von denen sechs ihren Wohnsitz in Wien haben. Die Wahl des Präsidenten ist Sache der konstituierenden Sitzung der gewählten Personen. Herr Dr. Hermann Kadi sch brachte folgende, einhellig begrüßte Resolution ein: „Getreu dem Krakauer Programm erklärte die Generalversammung an den Zielen der Erhaltung und Erneuerung Österreichs festzuhalten, und unerschütterlich an der Forderung nach Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nation. Der Jüdische Nationalverein wolle alle Bestrebungen unterstützen, die auf Herstellung des Völkerfriedens und eine großzügige Wirtschaftspolitik gerichtet seien". Oberrabbiner Bloch aus der Haft entlassen. Der Amsterdamer Oberrabbiner Bloch, der wegen einiger Äußerungen am Geburtstage König Alberts, die sich gegen Deutschland richteten, in Haft genommen wurde, befindet sich nunmehr wieder auf freiem Fuße. Ein jüdischer Polizeichef im besetzten Gebiet Als Polizeichef der Stadt Hrubischow ist ein Jude namens Dr. Frei ernannt worden. I^,/tur?rbeit ini 0sten- Am 15. Oktober fand m Wlozlawek ein J u b i 1, ä u m s f e s t des j ii - ci1 sc h e n I u r n - u n d Sportvereins statt, an dem 800 Personen, darunter die Vertreter fast sämtlicher polnischer Turnvereine und anderer jüdischer Kulturvereine teilnahmen. Unter en zahlreich eingelaufenen Begrüßungen zu diesem rest befanden sich auch solche aus der deutschen Militärverwaltung Polens. Zum Fest erschien auch ein besonderes Jubiläumsblatt in jii-

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