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Das jüdische Echo · 1916-10-27 · 43 (27.10.1916) · p. Seite 396

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
43 (27.10.1916)
Date
1916-10-27
Page
Seite 396 (sequence 4)
Language
German
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396 Das Jfidische Echo Nr. 43 Der amerikanisch-jüdische Kongreß. Der vorbereitenden Konferenz in Philadelphia war bekanntlich ein Ü b e r e i n k o in m e n zwischen den beiden Gruppen, die in der KougreBfrage als Gegner auftraten, zur Annahme unterbreitet worden. Dieser Antrag ist nunmehr abgelehnt worden. In der das amerikanische Judentum tief bewegenden Frage der Abhaltung eines allgemeinen jüdischen Kongresses dieses Landes, der eine legitime Vertretung der Juden Amerikas ins Leben rufen soll, zwecks Verteidigung der Rechte der Juden in den kriegführenden Ländern, stehen sich bekanntlich zwei Strömungen gegenüber: 1. die Anhänger des Kongreßgedankens, gruppiert um das Organisationskomitee für einen jüdischen Kongreß und 2. die Gegner dieses Gedankens, die ihm den Plan einer von den Reichsorganisatronen beschickten vertraulichen Konferenz entgegenstellen. Die Seele des Widerstandes ist das American Jewish Committee, in dessen Schlepptau auch das aus der Arbeiter-Konvention im Septemoer 1915 hervorgegangene nationale Arbeiter-Komitee geraten ist. Das Organisationskomitee für die Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongresses in den Vereinigten Staaten wurde in der Vorkonferenz jüdischer Organisationen aller Richtungen abgehalten in Philadelphia am 26. und 27. März d. J., eingesetzt. Die Mitgliederzahl der an der Philadelphiaer Vorkonferenz beteiligten Organisationen wird mit einer Million beziffert. Die Exekutive des Organisationskomitees hat zwar den Auftrag bekommen, mit den jüdischen Organisationen zu verhandeln, die an der Konferenz nicht beteiligt waren, aber die Grundlage der angestrebten Verständigung müßte die Plattform der Vorkonferenz bleiben, deren wesentliche Punkte folgende sind: Der Kongreß soll womöglich aus direkten allgemeinen Wahlen mit gleichem Stimmrecht hervorgehen. Er soll nicht nur bürgerliche Gleichberechtigung, sondern nationale Rechte für die jüdischen Minderheiten in den kriegführenden Ländern verlangen. Die Frage der jüdischen Kolonisation in Palästina soll in allen ihren Phasen zur Verhandlung kommen. Die Tagesordnung des Kongresses umfaßt die Fragen der jüdischen Einwanderung nach Amerika und der konstruktiven Hilfsarbeit für die Kriegsopfer. Nachdem die Kongreßgegner Anfang Juli d. J. in einer sogenannten Konferenz der Reiclisorgani- GUNZEN HAUSEN! - — —- Sonntag den 29. Oktober im HOTEL ZUR POST: Vortrag von Helene Hanna Cohn über: * Palästina Im Weltkriege, i ■ Beginn 6 Uhr. Gäste willkommen. sationen gleichfalls eine Exekutive schufen, wurden am 17. Juli von beiden Exekutiven Subkommissionen eingesetzt. Nach Verhandlungen^ von etwa einem Monat wurde das entworfene Kompromiß dem Organisationskomitee des jüdischen Kongresses zur Genehmigung vorgelegt. Das Kompromiß ist als ein diplomatischer Sieg der Kongreßgegner anzuschen. In dem Entwurf werden die Juden Amerikas aufgefordert, „Vertreter zu einem amerikanischen jüdischen Kongreß zu erwählen, der sich ausschließlich zu dem Zwecke versammeln soll, um die Methoden zu bestimmen, durch die man mit Hilfe der Juden der ganzen Welt für die Juden aller Länder volle Rechte erlangen und alle gesetzlichen Beschränkungen gegen sie abschaffen kann. Es wird verstanden, daß der Ausdruck „volle Rechte“ folgendes einscließt: 1. bürgerliche, religiöse und politische Rechte und überdies 2. in den Ländern, wo verschiedene Völkerschaften besondere Gruppenrechtc haben oder sie zu besitzen berechtigt sind, für die Juden dieselben Rechte zu erreichen, falls sie es wünschen, nachdem der Kongreß bestimmen wird, daß dies der Fall ist. 3. Die Versicherung und Verteidigung der jüdischen Rechte in Palästina.“ Anstoß in den demokratisch und national gesinnten Kreisen errregten schon Einzelheiten, wie die Aufnahme einer gleichen Anzahl von Vertretern der Konferenz der Reichsorganisation in die 70-gliederige Kongreß-Exekutive, der Verzicht auf die Abhaltung des Kongresses noch im Jahre 1916 u. a. m., die allerdings den Philadelphiaer Beschlüssen widersprechen. Schwerwiegender ist, daß nach diesem Kompromiß die Forderung der nationalen Rechte fallen gelassen und durch die dehnbare Formel der Gruppenrechte ersetzt wurde. Dann die allgemeine und sehr deutungsfähige Fassung des Punktes über Palästina, der nicht klar ausspricht, daß es sich nicht bloß um die jetzt in Palästina wohnenden Juden handelt, sondern um die Fieiheit der Einwanderung, Ansiedlung und nationalen Entwicklung. Schließlich die Ausschaltung der Frage der Emigration und der wirtschaftlichen Wiederaufbauarbeit nach dem Kriege, sowie die den Konferenzorganisationen zugestandene Möglichkeit, ihre Delegierten nach eigenem Ermessen wählen zu lassen. — Der Kompromiß hat auch in weiten Kreisen Erbitterung hiervorgrufen. Man sah darin einen Verzicht auf nationale und demokratische Tendenz des Kongresses. Nachdem nun der Kompromiß abgelehnt worden ist, sind zwischen den beiden in der Kongreßfrage uneinigen Lagern neue Verhandlungen eingeleitet worden, durch die man doch noch zu einer Einigung zu gelangen hofft. Äus der Geschichte der Juden in München. Als vor einigen Jahren das neue schöne Rathaus am Marienplatz hier erbaut wurde, hat mau unter den vielen Figuren, die man zum Schmuck des Baues anbrachte, auf der Nordseite des Hauses nach der Landschaftsstraße zu einen mittelalterlichen Juden mit einem Geldbeutel in der Hand abgebildet. Das soll ein Stückchen Stadtgeschichte verkörpern. Denn eben dort an der Stelle, wo heute der steinerne Jude zu uns herabschaut, da hatte vor sechs- bis siebenhundert Jahren die Judengemeinde Münchens ihre Wohnung genommen. Zwischen der jetzigen Land-

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