Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 42 (20.10.1916)
- Date
- 1916-10-20
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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388 Das Jüdische Echo Nr. 42 Menschen ist, der vor kurzem sein literarisches Jubiläum gefeiert hat: Ben-Awigdor. Es geschah kurz nachdem die romantische Richtung des französischen Romanes in der hebräischen Literatur unter dem Einfluse Smolenskins und Mapu's vorherrschte, um kurz darauf abzuwirtschaften, daß auf dem bescheidenen literarischen Literatur unter dem Einflüsse Smoloiiskis neuen Richtung bemerkbar machten. Das erste kleine realistische Werkchen war eigentlich bloß eine kleine hübsche, ziemlich mittelmäßige Novelle von dem damals noch ganz unbekannten Schriftsteller Ben-Awigdor. Wäre dieselbe kleine Skizze mit dem nicht vielsagenden Titel „Lea die Fischerfrau“ vereinzelt erschienen, sie wäre unbemerkt und ohne jeden Einfluß auf die Richtung der damaligen hebräischen Literatur geblieben. Allein mit ihr tauchte ein ganzer Schwarm von derartigen Miniatur-Schöpfungen auf, die mit der bisherigen romantischen Richtung zu brechen versuchten und die sogleich das noch sehr beeinflußbare Publikum auf neue Bahnen verwies. „Lea die Fischerfrau“ war keineswegs eine rein idyllische Schöpfung im Genre eines Joseph Israels, ein im Schoße der Natur aufgewachsenes Wesen, das ein beschauliches Dasein führt und zu künstlerischen Intuitionen den Stoff darbietet. Die jüdische Fischerfrau Ben-Awigdors war eine der armseligen, mitleiderregenden Gestalten, denen unsre Soldaten heute im östlichen Ghetto zu begegnen öfters die Gelegenheit haben. Eine alltägliche elende Erscheinung der unerfreulichen jüdischen Marktfrau, die an sich in einem Künstler mehr Mitleid als künstlerisches Interesse erwecken dürfte. Aber unter der Feder des damals noch jugendlichen Dichters gewann auch diese armselige Gestalt an Interesse, ja sogar an Sympathie! Und diese erste kleine realistische Skizze sollte den Reigen einer ganzen Reihe realistischer Schilderungen aus dem jüdischen Leben, aus der jüdischen Wirklichkeit eröffnen, und diese realistische Richtung wollte durchaus gleich „Schule machen“, indem ihr Urheber sich gleichzeitig als Verlagsunternehmer entpuppte und eine ganze Anzahl alter und neuer literarischer Namen hervorholte, die alle in derselben Richtung weiter schaffen sollten. Um aber „Schule zu machen“, mußte alles neu geschaffen und rein verlags-technisch ausgestattet werden, wofür der damalige realistische Dichter auch ein ganz „reales Kapital“ von — 10 Rubeln in bar besaß .... Es zeugt einerseits von der großen Lebenskraft der neu-hebräischen Literatur, daß sich aus solchen primitiven Mitteln ein so modernes und auch finanziell befriedigendes Unternehmen wie der bekannte, von Ben-Awigdor begründete Verlag „Tuschiah“ geworden ist, schaffen ließ. Unter seiner Leitung, sind, wie bereits erwähnt, mehrere hundert Werke auf den verschiedensten Gebieten der Literatur, vornehmlich der Belletristik erschienen. Auch sind im selben Verlage fast sämtliche neu-hebräischen Lehrbücher, Wörterbücher, Jugendschritten, Chrestomatien erschienen, deren Zahl auch einige Hundert erreichen dürfte. Erst in den allerletzten Jahren fand die Tätigkeit des „Tuschiah“-Verlags eine Nachahmung und Weiterbildung in dem später begründeten Odessaer Verlag „Moriah“, an dessen Spitze einer unserer größten jüdischen Dichter der Neuzeit steht: Ch. N. Bjalik. Eine derartige erfolgreiche und mühevolle literarisch - verlegerische Doppeltätigkeit wie die eines Ben-Awigdor dürfte sicherlich als eine auHereewölmliclie Krsclicimim: auch unter anderen viel einfacheren Umständen aniiesehen werden, KcschweiKC denn in unserer mit noch sehr unzulanKlichen Mitteln arbeitenden neuhel.riiischcn Literatur. Motte diese ersprießhehe Tätigkeit zum Wöhle unserer nationalen Literatur weiter im selben Sinne und unter leichteren Bedingungen fortwirken. Literarisches Echo Ein Rück-, Rund- und Ausblick. Jüdischer Nationalkalender auf das Jahr 5677, 2. Jahrg., herausgegeben von Otto Abel es und Ludwig Batö, Wien 1916, Verlag „Jüdische Zeitung“. Wenn es für bayerische Juden keinen andern Grund gäbe, den neuen Volkskalender zu lesen, so sollten sie dies allein schon um eines sehr merkwürdigen Faksimile willen tun, das er enthält, den Brief, den Theodor Herzl sr. Zt. an den Münchener Kultusvorstand geschrieben hat, um zu erfahren, ob dieser sich wirklich weigern werde, das gewaltige Ereignis des 1. Zionistenkongresses in München sich vollziehen zu lassen. Man weiß, er h a t sich geweigert, aber der Zionismus — nun daß er davon nicht getötet worden ist, das ersieht man aus dem Inhalt des liebevoll zusammengestellten Büchleins. Wer sich über den Stand der nationaljüdischen Bewegung, über wichtige Phasen ihrer Vergangenheit, über die Beziehungen des Zionismus zur Um- und Mitwelt, und endlich über Ziele und Wege der zionistischen Organisation in der nahen Zukunft unterrichten will, der greife zu diesem Kalender. Ohne irgendwie anspruchsvoll aufzutreten, bittet er doch eine Fülle interessanten und anregenden Stoffes, und bietet ihn noch dazu umrahmt von geschmackvollen Beigaben und Details. Wertvoll für alle, denen die nationale Bewegung nahesteht, ist allein schon der hübsch ausgestattete Kalender mit seinen nationalen Gedenktagen. Ludwig B a t ö , Otto A b e 1 e s und Adolf Stand geben wertvolle historische Aufschlüsse. VEREIN BNE JEHUDA | MÜNCHEN SAMSTAG, 21. OKTOBER 1916 IM ROKOKOSAALE DES ALTEN HÄCKER BRÄU HAUS ES, ECKE SENDLINGER- U. HÄCKENSTR. SIMCHAS- TOIRE-ABEND ZU DEM SIE HIERMIT FRFUND- LICHST EINGELADEN WERDEN. REICHHALTIGES PROGRAMM EINTRITT 40 PFG. :: BEGINN V29 UHR SAALERÖFFNUNG 8 UHR ■;»