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Das jüdische Echo · 1916-10-20 · 42 (20.10.1916) · p. Seite 387

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
42 (20.10.1916)
Date
1916-10-20
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 387 Das Jüdische Echo stände. Wenn inan immer und überall so offen wäre und in den allgemeinen Redensarten die konkreten Forderungen, an die man denkt, hervorhübe, so würde man schnell erfahren, daß die in unseren Tagen als innerpolitisches Kriegsziel so oft verherrlichte „völlige Durchführung der staatsbürgerlichen Gleichheit“ tatsächlich nichts anderes bedeutet, als daß Juden und Sozialdemokraten, die jetzt daheim obenauf sind, auch fernerhin und dauernd das Heft in der Hand behalten.“ Bemerkenswert an diesen Ausführungen ist schon, daß die Bethmannsche Formel von der freien Bahn für den Tüchtigen als „völlig nichtssagende rhetorische Wendung“ abgetan wird; noch bemerkenswerter, daß die „Deutsche Tageszeitung“ es für unfaßbar hält, daß auch für die Tüchtigen aus dem Arbeiterstande und dem Judentum freie Bahn geschaffen werden soll. Wir halten es umgekehrt für eine ganz selbstverständliche Konsequenz, daß gerade der breiten arbeitenden Masse ohne Rücksicht auf die Konfession die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg geboten werden muß. Aber die „Deutsche Tageszeitung“ hat allerdings vom Geist der neuen Zeit keinen Hauch verspürt, wie ihr im Kriege doppelt ungehöriger Ausfall gegen „Juden und Sozialdemokraten“ beweist. Wir wollen nicht die Gegenfrage stellen, ob denn das Deutsche Reich nur für die Herrschaften der „Deutschen Tageszeitung“ da ist. Sie scheinen es noch immer zu glauben . . . Die „Leipziger Illustrierte“ und die Juden. Die „Leipziger Illustrierte Zeitung“, die schon mehrmals ihre antisemitische Gesinnung ausgesprochen hat, brachte kürzlich ein Bild, das eine Totenfeier in einem jüdischen Hause darstellt. Die Erläuterungen zu diesem Bilde zeigen so viele Irrtiimer, daß sich der Schreiber kaum eingehend mit der Sache beschäftigt haben kann. Es heißt da, daß bei den Juden anläßlich eines Todesfalles in der Eamilie deren Mitglieder täglich dreimal zum Gebete sich versammeln. Stimmt nicht, sondern nur zweimal. Ferner wird gesagt, daß die verheirateten Männer ein üebettuch. anlegen, die unverehelichten nicht. Auch falsch. Und dann wird erwähnt, daß sich die Juden beim Beten „kleine Holzklötzchen“ auf den Kopf legen. Zum Lachen falsch. Und Leute mit so oberflächlichen Kenntnissen des jüdischen Wesens und der jüdischen Sitten stellen sich in aller Öffentlichkeit hin und nehmen laut und beleidigend gegen die Juden in Deutschland das Wort. Dr. Magnes in Lodz. In Lodz traf der Abgesandte amerikanisch-jüdischer Hilfsgesellschaften, Dr. Magnes, ein, um die Verteilung der amerikanischen Geldspenden unter die arme jüdische Bevölkerung vorzunehmen. Rußland und die galizischen Juden. Die Russen haben aus Ostgalizien im vergangenen Jahre etwa 35—40 000 Personen der dortigen Bevölkerung nach Sibirien verschleppt, darunter etwa 25 000 Juden. Dieselben sind in der Hauptsache im westsibirischen Steppengebiet (Gouvernement Omsk) untergebracht worden. Die Not unter diesen Juden ist außerordentlich groß. Deshalb bemüht sich jetzt, nach galizischen Blättern, die österreichische Regierung durch Vermittlung amerikanischer Konsuln die Leiden dieser Unglücklichen zu lindern. Ein Jubiläum der neu-hebräischen Literatur. Von M. G o n z e r. Man kann sich die modern-jüdische Bewegung ohne die neu-hebräische Literatur kaum vorstellen. Ohne jemals eine Partei-Literatur im engeren Sinne gewesen zu sein, wurde und blieb die neuhebräische Literatur des Ostens die lebendigste Wortführerin des jüdisch - nationalen Wiedergeburtsgedanken. Vom Osten her kamen die Ausstrahlungen dieser literarischen Strömung nach dem jüdischen Westen herüber und verpflanzten diese Gedankengänge hierher, bis sie zu einer großen neu-jüdischen Bewegung wurden, in der Ost und West im Judentum innig verschmelzen. Die literarischen Schöpfungen des neu-erwachten Ostens wirkten im geheimen befruchtend auf die Ideenwelt der entwurzelten west - jüdischen Jugend, und es vollzog sich im Stillen einer der merkwürdigsten Naturprozesse — die Kraftübertragung von einem Zentrum nach dem andern. Die moderne west-jüdische Literatur, soweit sie nicht ausgesprochen den Stempel der Partei trägt, ist in ihrem Innern tief durchdrungen und beeinflußt vom Geiste der zu neuem Leben erwachten hebräischen Literatur des Ost-Judentums. Die Namen eines Bjalik, Perez, Gordon, Smolenski, Frischmann, Brainin und anderer, sind und bleiben noch immer die Endsummen eines geistigen Vermögens, mit dem man stets zn rechnen hat, sobald man über neues Judentum zu sprechen anfängt. Die Entwicklungsgeschichte der neuen hebräischen Literatur ist bis zum heutigen Tage weder in deutscher, noch in hebräischer Sprache in erschöpfender Weise dargestellt worden. Viel weniger aber ist der Werdegang der neu-hebräischen Literatur im letzten Vierteljahrhundert, In dem sie sich zu ihrer völligen Blüte entwickelt hat, in weiteren jüdischen Kreisen bekannt. Merkwürdig und eigenartig ist es, daß dieser ganze herrliche, beinahe gigantische Bau der neu-hebräischen Literatur in seiner materiellen Verwirklichung, fast durchaus das Werk einer einzelnen P e r s o n ist, deren Name in interessierten Kreisen wohl bekannt, im großen und ganzen aber hinter seinem Werke zurückgetreten ist. Es dürften viele, die der jüdischen Literatur nahestehen, den Namen des Warschauer neu-hebräischen Verlages „Tuschiah“ kennen, aber wenige wissen, daß dieser Verlag fast der einzige ist, dem die moderne hebräische Literatur ihr Erscheinen zu verdanken hat, der einzige Verlag bei dem im Verlauf eines Vierteljahrhunderts beinahe alle neu-hebräischen Werke erschienen sind, und daß das alles fast ausschließlich das Werk eines einzelnen B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :; Telephon 24540 Inhaber; Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reinecke, Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirekior Gustav Mahler Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos!

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