Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 42 (20.10.1916)
- Date
- 1916-10-20
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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386 Das Jüdische Echo Nr. 42 Einweihung des Blau-Weiß-Heims in Hrgelsried. Von Arnold Marie. Am Sonntag der Sukkothwoche erlebte ich einen der schönsten Tage meines Lebens. Ich war zum ersten Male im „Blau-Weiß“. Die Einweihungsfeier des eigenen Heims in Form einer Trefffahrt. Strahlend blauer Himmel den ganzen Tag, hie und da eine kleine weiße Wolke irgendwo. So ließ der Herr den Himmel erglänzen in den Farben des „Blau-Weiß“. Farben der Freude, des Lichts, der Zukunft. Trefffahrt! Der Eindruck Var überwältigend. Ungefähr 200 Kinder waren von allen Seiten, jüdische Lieder singend, in verschiedenen Zügen eingetroffen. Als wären die B’ne jisroel aus dem Goluth nach Erez jisroel gekommen. Von allen Seiten ertönte frohes, glückliches, sorgloses „Schalom!“ Welch ein Kontrast zwischen hier und dem brennenden Europa! Diese junge Generation schreibt eben auf das Panier ihrer Jugend „S c h a 1 o m“. Eine Gruppe, die schon früher an Ort und Stelle war, hatte eine Sukka gebaut. Vier Pfähle wurden eingerammt, eine Zeltbahn darumgelegt, oben wurden kreuz und quer Stricke gespannt, frisches, saftiges Laub darüber gelegt und die Sukka war fertig. So konnten die Ankommenden gleich in der Sukka essen. Andere, die keinen Platz finden konnten, es waren natürlich viele, lagerten in der Sonne und ließen den Himmel ihr Zelt sein. Später teilten sich die Gruppen — was der Gemütlichkeit halber nötig war —, die Einen spielten dies, die Andern jenes, wieder Andere sangen zur Laute, und immer machte das Ganze den Eindruck der Masse. Ich stand auf der Höhe des Blau-Weiß-Hauses, von dessen Giebel die Mogen-Dovid-geschmückte Fahne wehte und war trunken vom Anblick der Kraft, die da unten sich entfalten wollte. Die große, schöne Waldwiese wurde weit und groß, erschien mir wie ein palästinensisches Gefilde und die Gruppen der Knaben und Mädchen gleich blühenden Menschensiedlungen darin. Später setzten sich alle „Blau- Weiße“ in einen ganz großen Kreis zusammen und einer der Führer hielt die Festrede. Es waren schmucklose, aber aus dem Vollgefühl seines bewußten Judentums. heraus monumentale Worte und während er vom Wesen des „Blau-Weiß“ sprach, da erhob sich — plötzlich — ein starker Sturm, der eine mächtige Buchengruppe gegen den Kreis hinwehte und hunderte und aberhunderte Goldblätter über die Kinderschar regnen ließ. Es war wie ein Gruß vom Herrgott selbst. Dr. Adolf Fränkel rief daraufhin zum Minchagebet, und viele eilten, den Herrn zu preisen. Die nächsten Stunden wurden mit Spiel, ausgefüllt, und als die Sonne schlafen Cognac München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (Hotel Königshof) gegangen war, setzte sich wieder Alles zusammen, wie ein Zelt war der tiefblaue, sternübergossene Himmel, und die Lieder schallten hinaus in sehnsuchtsvoller Melodie. Heilige Stimmung jag über Allem. Endlich ging es zum Bahnhof, und da es noch Zeit war bis zur Abfahrt des Zuges, rief Dozent Fränkel zum Maariw. — Uie Jungens standen da und ließen sich vorbeten. Im Osten stand der Mond. Zum Schluß sagten zwei kleine Buben Kadisch. Wohl, nach dem alten Judentum, das starb, denn dieses, das junge bringt Leben! Das weiß ich seit gestern. Schalom! Welt-Echo „Juden und Sozialdemokraten“. Die „Deutsche Tageszeitung“ ist entrüstet darüber, daß am Sonntag in Frankfurt a. M. eine sozialdemokratische Massenkundgebung veranstaltet wurde, bei der sechs Redner über das Thema „Krieg und Frieden“ sprachen. Man wird ihre Entrüstung verstehen, wenn man hört, daß einer der sechs Redner, .der Reichtagsobgeordnete Dr. Quarck, unter anderem das Wort prägte: „Der Weltkrieg ist ein großer Demokrat“ und hinzufügte, „Während früher in Preußen Sozialisten kaum Nachtwächter werden durften, hat er uns die Beförderung von Sozialdemokraten zu Offizieren und die Mitregierung der Gewerkschaften in städtischen und staatlichen Wirtschaftsangelegenheiten gebracht.“ Dazu schreibt das agrarische Blatt: „In diesem hochinteressanten Satze zeigt sich ofiener denn je, wie die Sozialdemokratie selbst die Vorgänge des gegenwärtigen Weltgeschehens immer wieder in den engen Gesichtswinkel der Parteibetrachtung hineinpreßt. So weiß man auch der an sich völlig nichtssagenden rhetorischen Wendung, daß dem Tüchtigen freie Bahn geschaffen werden soll, sofort den programmatischen Inhalt zu geben: Den Tüchtigen aus dem Arbeiter- Nachweis für die Umsatzsteuer Bücher zu 100 200 300 400 Selten kosten Mk. 2.25 5.- 6.50 8.- Vorrätig bei: Majer & Finckh B. Heller Geschäftsbücher-Fabrik Buchdruckerei Augustenstrahe 54 Herzog Maxstr. 4 Telefon 7108 München Telefon 53099 54899^9