Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 42 (20.10.1916)
- Date
- 1916-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis; Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag ides ״Jüdischen Echo“ : München, Her- Izog Maxstr 4 — Redaktion: Helene [Hanna Cohn, München, mw/mmm Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Hnzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag des ״Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 42 München / 3. Jahrgang 20. Oktober 1916 ל? <-<י -<י\7 Wilhelm Wachtel: Heimatlos. (Aus dem Jüd. Nationalkalender 5677, Wien.) Der Feststrauß als Symbol der nationalen Einheit. Zum Abschluß des Sukkoth-Festes. In einer Zeit, da die Zerrissenheit des jüdischen Volkes besonders stark hervortritt, da die Ansichten über Wert und Bedeutung: der verschiedenen Richtungen im Judentum so weit auseinandergehen, dürfte folgende auf den Feststrauß beziigliche klassisch zu nemiiende Stelle aus dem Talmud sehr beherzigenswert sein. Der Midrasch R. erblickt nämlich im Feststrauß (der bekanntlich aus Esrog, Lulaw, Myrthe und Bachweide zusammengesetzt ist) ein Symbol iur die Hauptkategorien, aus welchen sich das jiidisehe Volk zusammensetzt. Dem Esrog, der sich durch Geschmack wie Wohlgeruch auszeichnet, entsprechen diejenigen Juden, die sich durch תורה und מעשים טובים (gesetzliche und gute Werke) hervortun. Dem Lulaw (Palmenzweig), dessen Frucht (Datteln) zwar gut schmeckt, aber ohne Wolligerucli ist, ähneln die Juden, welche zwar Thorakenntnisse besitzen, jedoch gute Werke nicht aufzu weisen haben. Die Myrthe zeichnet sich bekanntlich durch Wohlgeruch aus ohne einen Geschmack zu besitzen; so gibt es auch Juden, welche zwar gute Werke ausüben ohne aber über Thorakenntnisse zu verfügen. Endlich ergänzt noch die B a c 11 w e i d e den Feststrauß, welche eine Pflanze ohne Geschmack und ohne Wohlgeruch darstellt. Sie symbolisiert diejenigen Juden, welche sich weder durch Kenntnisse der Thora noch durch Ausübung milder Werke betätigen. Sollte diese minderwertige Klasse als dem Judentum verloren betrachtet werden, fragt der Midrasch? Nein lautet die Antwort; alle diese Klassen haben sich eng zu verbinden und Zusammenhalten; nur dadurch ward der Bestand des Judentums erst gesichert. Diese Lehre des Midrasch wollen wir auch am Ende unseres Festes beherzigen und danach haudein. J. Fräukel.