Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 41 (13.10.1916)
- Date
- 1916-10-13
- Page
- Seite 381 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 381 1. Informationen und Material bezüglich der gegenwärtigen Lage in Palästina und bezüglich der Arbeitsmöglichkeiten nach dem Krieg zu sammeln, dieses Material zu bearbeiten und es in weiten Kreisen zu verbreiten. 2. Pioniergruppen zu organisieren, die nach Palästina einwandern werden. 3. Ein bestimmtes Programm für die Vorbereitung der Pioniere zu ihrem Beruf auszuarbeiten. Anmerkung: Als eines der wichtigsten Mittel zur Erreichung dieser Aufgabe wird betrachtet, daß das Zentralkomitee mit Firmen in Czenstochau und Czenstoniew in Verbindung tritt. 4. Ein Programm auszuarbeiten für einen zentralen Fond zur Unterstützung und Ausbildung der Pioniere. 5. Zwecks einer ausgedehnten geeigneten Propaganda populäre Literatur über Palästina und besonders ein populäres Lehrbuch der Geographie Palästinas herauszugeben. 6. Einen Blumentag zu organisieren, dessen Einnahmen den Kriegsnotleidenden in Palästina zukommen sollen. 7. Ein Programm auszuarbeiten für öffentliche Volksversammlungen, die palästinensischen Themen gewidmet sind und auf denen Resolutionen über das Verhältnis des jüdischen Volkes zu Palästina gefaßt werden sollen. 8. Dahin zu wirken, daß in den Lehrplan aller hebräischen Schulen als Unterrichtsgegenstand die Geschichte und Geographie Palästinas in Vergangenheit und Gegenwart aufgenommen werde. Verschiedene Resolutionen. 4. Die Konferenz verpflichtet das Zentralkomitee, die jüdischen Turngruppen in den Städten Polens zu einer einheitlichen Landesorganisation zu vereinigen, damit die Arbeit nach einem einheitlichen System durchgeführt werden kann. 5. Die Konferenz drückt dem Zentralkomitee den Wunsch aus, daß es sich mit der Ausarbeitung eines Programms für die nationale Selbstausbildung der Jugend befasse. 6 .Die Konferenz weist auf die große Bedeutung der jüdischen Frau für die nationale Bewegung hin und schlägt vor: a) für die Lokalkomitees: lokale zionistische Erauenvereine zu gründen; b) für das Zentralkomitee: in allen Städten Polens einen jüdischen Frauentag zu veranstalten, an dem Versammlungen und Meetings abgehalten werden sollen, die der jüdischen Frau und ihrer Aufgabe in der nationalen Bewegung gewidmet sind. Die Versammlung billigte die Politik der Zionisten während der Gemeindewahlen und sprach den zionistischen Ratmännern ihr Vertrauen aus. In das Zentralkomitee der polnischen Landesorganisation wurden gewählt die Herren: Farbstein, Olschwanger, Dr. Kluinel, Seidschik, Lewin, Dzialoschinsky und Nissenbaum aus Warschau, aus Lodz die Herren Dr. Brande und Hurwitz, ferner die Herren Sandstein aus Gzenstochau, Perlmutter aus Mlawa, Hartglas aus Schedlitz und Silensky aus Tomaschow. Mit dem Gesang der „Hatikwah“ und chassidischen Tänzen endete die Veranstaltung, die — dank den veränderten Verhältnissen — großzügiger und öffentlicher vor sich gehen durfte als je zuvor eine zionistische Tagung in Polen. Welt-Echo Die Berücksichtigung religöser Bedenken bei der Reichsversicherung für Angestellte. Vielfach hatte es sich als schwere Härte erwiesen, daß orthodox gesinnte Angestelte, die sich einem Heilverfahren in einem nichtrituellen Sanatorium^ unterziehen sollten, vom Direktorium der Reichsversicherungsanstalt damit vor die Wahl gestellt wurden, entweder auf die ihnen gesetzlich gewährleisteten Versicherungsvorteile zu verzichten oder sich einer schweren religiösen Verfehlung schuldig zu machen. Ein rituell geführtes Sanatorium sieht der Reichsversicherungsanstalt nämlich nicht zur Verfügung. Neuerdings hat das Direktorium nunmehr, wie uns aus dem Büro der „Freien Vereinigungen für die Interessen des orthodoxen Judentums“ mitgeteilt wird, dankenswerter Weise eine mildere Praxis eintrete n lassen. Es hat einer Versicherten auf ihren Antrag „ausnahmsweise“ statt der Sanatoriumsbehandlung einen angemessenen Zuschuß zu den Kosten eines von ihr selbständig durchzuführenden Heilverfahrens in einem Badeorte bewilligt, wobei natürlich für ärztliche Kontrolle gesorgt wird. Nachdem somit die Möglichkeit und gesetzliche Zulässigkeit dieses Entgegenkommens erwiesen ist, darf man hoffen, daß in Zukunft in allen ähnlichen Fällen dieser gerechte Ausweg zur Vermeidung von Gewissensdruck beschritten werden wird. Orthodoxe Strömungen in der jüdischen Jugend Polens. In der jüdischen jungen Arbeiterbevölkerung Polens läßt sich eine bemerkenswerte neue Strömung feststellen. Bis vor kurzer Zeit stand idie organisie/rte jüdische Arbeiterschaft Polens fast ausschließlich unter der Kontrolle des sozialistischen „Bund“. Jetzt hat der „Bund“ durch eine neue Organisation „Zeire Jehuda“, die auf streng religiöser Grundlage beruht, einen ernsthaften Nebenbuhler erhalten. Auch diese Organisation schützt die Berufsinteressen ihrer Mitglieder, will aber gleichzeitig Abendklassen zum Studium von Bibel und Talmud errichten und den Tendenzen des „Bund“ in religiösen Dingen entgegenarbeiten. Maxim Gorki gegen die Verleumdung der Juden. Die russische Zeitschrift „Nowy Kolos“ veröffentlicht einen Aufsatz von Maxim Gorki, in dem dieser sich gegen das Treiben der Schwarzen Hundert wendet. Er schreibt: „Unser Volk .... ist gereizt durch die Mißwirtschaft im Staate. In den letzten Jahren sind dem Volke drei Milliarden an Steuern erpreßt worden. Dafür durfte es eine aufs beste ausgerüstete Armee erwarten. Es stellte sich aber heraus, daß alles noch schlimmer als schlecht steht: daß die nächsten Mitarbeiter des Kriegsministers ■ Suchomlinow Spione und Verräter waren, nämlich Massojedow, Altschiler u. a., lauter — Nichtjuden. Das Volk will wissen, wer an dem Kriegsunglück schuld ist. Da zeigt man unaufhörlich auf den Juden: „Der ist es!“ Gorki deutet im folgenden an, daß man sich in Rußland auf gewaltige Pogrome gefaßt macht. Tod des Colonel Du Paty de Clam. Die kürzlich erschienene Zeitungsmeldung vom Tode des Colonel Du Paty de Clam ruft die Erinnerung an den Dreyfus-Prozeß zurück. Der Verstorbene stand bekanntlich an der Spitze der Verschwörung, die sich gegen den Hauptmann Dreyfus richtete.