Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 41 (13.10.1916)
- Date
- 1916-10-13
- Page
- Seite 380 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Das Jüdische Echo Nr. 41 Soziologische und politische Feststellungen. Obwohl das Schicksal der an den Osten Deutschlands grenzenden Gebiete noch unsicher ist, so läßt sich doch wohl schon mit einiger Gewißheit sagen, daß Deutschland in irgend einer Form auf die politischen Zustände und Wirkunggen jener Länder dauernden Einfluß behalten wird. Damit unterliegen die Schicksale eines großen Teiles der ostjüdischen Millionenmasse seiner Einwirkung .... Mit dieser Wirkung verändert die nationale Auffassung in starkem Masse die Stellung der deutschen Juden zur Politik: das Judentum, das bisher als Ganzes für die deutsche Politik eine tote Kraft bedeutete, wird jetzt ein lebendiges Gut, das mit seinen Fähigkeiten teilnimmt und sie in Dienst stellt . . . Dazu gehört freilich, daß die deutschen Juden sich die nationale Auffassung des Judentums zu eigen machen. In Galizien bilden die Juden die drittgrößte nationale Gruppe, desgleichen in der Bukowina, während sie in Wien nach den Deutschen an erster Stelle stehen. Bedenke man doch, daß die Juden in Österreich die fünftgrößte nationale Gruppe bilden. In der Bukowina haben die Juden .... es zuwege gebracht, daß die deutsche Sprache die offizielle des Landes ist, daß in diesem klassischen Lande der deutschen Minorität eine deutsche Universität gegründet worden ist. Wenden wir uns zur Farm- und Kolonisationsbewegung in Amerika, so müssen wir sie als natürliche Fortsetzung des Strebens nach Erde unter den russischen Juden in der alten Heimat betrachten. Zur allgemeinen Überraschung hat die in Rußland am Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommene Volkszählung die erstaunliche Tatsache erwiesen, daß, trotz aller gesetzlichen Beschränkungen und behördlichen Willkür, ungefähr 200 000 Juden in geschlossenen jüdischen Kolonien und zerstreut, unter den russischen Bauern oder auf vorstädtischen Grundstücken, ganz oder teilweise von der Landwirtschaft lebten. In Argentinien hat bis vor dem Kriege die Zahl der in den Kolonien der Ica lebenden Kolonisten, Arbeiter und Handwerker die Ziffer von 26 000 Seelen überstiegen. Den Verhältnissen des Landes entsprechend, treiben da die Kolonisten extensiven Ackerbau und eine weitausgedehnte Viehzucht. Wenn im Anfang der jüdische Landwirt geneigt ist, den Boden als Spekulationsgebiet zu betrachten, .... so kommt doch ein Zeitpunkt, wo auch der jüdische Bauer, wie jeder andere, im Boden vor allem das Produktionsmittel erblickt. Wissenschaftliche Feststellungen. Historische. Der jüdische Mythos . . . . verband sie gegen ihren eigenen Wiilen mit eben ‘demselben Volkstum, dem sie in Begriff waren, den Rücken zu kehren. Philosophische. In denen alsdann das Volk lebendig ist, diese sind der Rest, dem der Prophet die Rückkehr kündet. Kolonisatorische. Bei einer guten Betrachtung der einzelnen Landesteile Palästinas nd h e? besonderen Verhältnisse tur die Zwecke Mischer Kolonisation glaube ich sagen zu dure ..dal.) man das Bai odsclie Maximalprojcramm (Einwanderung von sechs Millionen Ostjuden. D. Red) für Zwecke des Anfangs auf ein Zehntel und’selbst auf ein Hundertstel seines Ausmaßes wird reduzieren dürfen, ohne an den Grundlagen Anmerkung der Redaktion. Heft 6 des „Juden“ ist an sich schon ein Prograinm, indem cs fast ausschließlich dem Schöpfer desjenigen Zionismus, der aus Palästina ein geistiges Zentrum für das jüdische Volk machen will, gewidmet ist. Wir konnten einzelnes aus dieser Nummer nicht mehr herausgreifen. Zionistische Konferenz in Warschau. An der Konferenz, die vom 13.—15. September stattfand, nahmen Delegierte aus 25 Städten teil. Den Vorsitz führte Dr. R o s e n b 1 a 11 aus Lodz. Zur Erörterung kamen Fragen der Erziehung, der Sprache, der Palästina-Arbeit, des Turnens und Sports und der Presse. Die Konferenz brachte den Dichtern Bialik und Acliad Haam ihre Huldigung dar. Unter den angenommenen Beschlüssen waren die folgenden: 1. Neben dem Zentralkomitee wird ein Kuratorium gegründet, durch das alle Schulangelegenheiten, Abendkurse usw., die unter dem Einfluß der Zionisten des Landes stehen, geordnet werden. 2. Die Unterrichtssprache in diesen Schulen für alle Unterrichtsfächer ist die hebräische. Anmerkung. Wo es aus bestimmten Gründen unmöglich ist, diesen. Beschluß vollauf durchzuführen, soll die Unterrichtssprache für die allgemeinen Fächer jidisch sein. 3. Das Kuratorium arbeitet einen einheitlichen Lehrplan für alle Schulen des Landes aus. 4. Das Kuratorium hat einen Instrukteur zu ernennen, der von Zeit zu Zeit die Schulen des Landes besucht. 5. Das Zentralkomitee muß sofort die Vorbereitungen zur Gründung eines hebräischen Lehrerseminars für hebräische und allgemeine Unterrichtsgegenstände in Angriff nehmen. Die Unterrichtssprache dieses Instituts ist die hebräische. 6. Das Zentralkomitee muß nationale Jugendliteratur herausgeben. 7. Das Zentralkomitee muß Schritte tun, daß in allen Schulen, in denen eine bestimmte Zahl jüdischer Schüler ist, einige Stunden für die hebräische Sprache verwendet werden. 8. Überall wo es möglich ist, muß dafür gesorgt werden, daß eine besondere Kommission für hebräische Schulangelegenheiten geschaffen wird. Wo dieses unmöglich ist, muß dafür gesorgt werden, daß $in zionistischer Vertreter in die Kommission gewählt wird, die die Schule des betrefleuden Ortes beaufsichtigt, oder wenigstens ein hebräisches Lokal-Kuratorium gegründet wird. 9. Die Zentralleitung soll sich an alle Turnveieine wenden, um aus ihrer Mitte Turnlehrer für die hebräischen Schulen zu erhalten. Resolutionen über die Palästinaa r b e i t. Das Zentralkomitee hat ein Palästinabüro zu gründen. Die Aufgaben des Büros sind: