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Das jüdische Echo · 1916-10-13 · 41 (13.10.1916) · p. Seite 377

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
41 (13.10.1916)
Date
1916-10-13
Page
Seite 377 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 377 Ein weißer Rabe. Wir hören m diesen Tagen nicht viele freundschaftliche Worte über die Juden. Umso bemerkenswerter ist ein Artikel, den Herr Gustav Adolf in der von ihm herausgegebenen Zeitung „Das deutsche Blatt“ veröffentlicht. Der gutgemeinte Aufsatz lautet: Gerechtigkeit den deutschen Juden ist Deutschlands Nutzen. Es ist eine unbedingte Notwendigkeit und ein Akt zwingender Klugheit, wenn man endlich unseren jüdischen Mitbürgern in allen Funkten volle Gleichberechtigung gewährt. Seither stand die Gleichberechtigung auf dem Papier, aber wer kennt einen jüdischen Staatsanwalt, einen jüdischen Landgerichtsdirektor, einen jüdischen Herrn in höherer Poststellung? Wer kennt einen jüdischen Obersten oder gar General? Alle diese Posten und noch viele andere sind bis auf den heutigen Tag den jüdischen Mitbürgern verschlossen. Unser hochherzig denkender Kaiser hat einmal vor heute dreiundzwanzig Jahren in kluger Erkenntnis des Nutzens und der riesigen Brauchbarkeit der Juden geäußert: „Der Jude ist im deutschen Volke das Salz des Brotes.“ Was die edeldenkende Majestät damit sagen wollte, liegt klar auf der Hand. Der große Mann hat wie sein großer Ahnherr Friedrich der Große erkannt, daß der Jude ein sehr nützliches Glied des Staates ist. Wenn man ehrlich sein will, so muß man unbestritten zugeben, daß Deutschland einen großen Teil seines Riesenvermögens, seiner heutigen Leistungsfähigkeit den Juden verdankt. Die Statistik beweist unumstößlich, daß etwa ein Drittel Nationalvermögens heute in den Händen der Juden ist. Das ist eine Leistung, die die der übrigen Bevölkerung um etwa das 145fache übersteigt. Solche Tatsachen sprechen Bände. Treu und rechtschaffen hilft der Jude, wo immer er nur kann. Jüdische Wohltätigkeit ist anerkannt und nicht wegzuleugnen. Die Söhne unserer jüdischen Mitbürger kämpfen genau so an der Front wie alle anderen Deutschen. Zu vielen Tausenden haben sie den Heldentod für Deutschlands Wohl erlitten. Dank und Ehre diesen Braven. Ein Blick in die Zeichnungslisten der verschiedenen Kriegsanleihen zeigt, daß jüdisches Vermögen in vielen Milliarden Mark dem Vaterland zur Verfügung gestellt wird. Der Jude beweist dadurch, daß er sein deutsches Vaterland genau so liebt wie jeder andere Deutsche. Man hat, offen gesagt, während des Krieges vielen Juden vorgeworfen, sie würden wuchern. Das trifft nicht zu, denn die Verurteilungen wegen Wuchers zeigen, daß nur 2V-« Prozent aller Wucherfälle auf jüdisches Konto zu setzen sind. Dabei darf man nicht außer acht lassen, daß dem Juden meist nur Handelsgeschäfte zugänglich sind und er deshalb viel eher in die Versuchung gebracht werden könnte als andere Staatsbürger. Der christliche Bürger wuchert viel schlimmer als der Jude. Und wuchert der Christ dem Juden gegenüber nicht in der grausamsten Weise, indem er alle Rechte und alle guten Stellen im Staat für sich beansprucht, während er dem Juden möglichst nichts zukommen lassen möchte? Würde man die Juden zu allen Stellungen zulassen, so würden zehntausende vornehm und edel denkende Juden mit Freuden dem Staate, dienen und sich dem Handel, auf den sie angewiesen sind, entfremden. Warum sollte ein jüdischer Richter oder Staatsanwalt weniger leisten können als ein christlicher? Ich bin überzeugt, daß gerade der Jude, weil er gern beobachtet würde, mit Stolz seinen Posten streng gerecht ausfüllen würde. Warum sollte ein Soldat einem jüdischen Offizier nicht genau so folgen und gern gehorchen können wie einem christlichen. Gerade in diesem Kriege hat man gelernt, jüdische Reserveoffiziere zu schätzen. An ihrer Pflichterfüllung ist aber auch nicht ein klein Teilchen Unterschied von der Pflichterfüllung der christlichen Offiziere. Die große Zeit, die wir durchleben, ist geeignet, bei nur einigem guten Willen alle Unterschiede der vergangenen Zeiten zu verwischen. ' Man handle gerecht und vorurteilsfrei, undrdann wird das Vaterland aus dieser-Saat nie geahnten Nutzen ziehen. , - Seither war der Jude froh, ein Deutscher sein zu können; behandeln wir ihn so, wie.er.esin Wirklichkeit als ehrlicher Deutscher verdient, .so wird er glücklich sein, Deutscher zu sein; Er wird mit Lust und Liebe dem Vaterlande dienen und durch seinen unbestrittenen Fleiß, seine hohe Intelligenz dem Deutschen Reiche zu einem Wohlstand verhelfen, der Staunen erregen muß. ,V , Nur kurzsichtige und unkluge Menschen, nur undankbare und ungerechte Menschen, nur solche, welche nicht sehen wollen und boshaft im Herzen fühlen, können versuchen, meinen ehrlichen Worten zu widersprechen. Deutsche Brüder, ich sage euch, wer sich meine auf jahrzehntelange Erfahrungen aufgebaute Überzeugung aneignet, der nutzt dem Vaterlande mehr, als er ahnen kann. Die Gleichberechtigung der Juden auf allen Gebieten wird unser Ansehen und Deutschlands Reichtum in ungeahnter Weise heben. Wer durchaus nicht verstehen will, wer durchaus auch fernerhin Ungerechtigkeit gegen die deutschen Juden gutheißt, der kann eben sein Vaterland niemals ernstlich geliebt haben. Eine neue jüdische Zeitschrift. War das notwendig? Ich glaube, ja. Wir haben allerdings schon eine ganze Reihe jüdischer Zeitschriften in Deutschland, aber diese'sind entweder lokalen Bedürfnissen angepaßt, oder sie sind die Vertreter einer bestimmten Richtung im Judentum, die andere Richtungen ausschließt. Eine Ausnahme bildet freilich die nunmehr seit einem halben Jahr von Martin Buber herausgegebene Zeitschrift „Der Jude“. Aber auch bei ihr sind in fast allen Beiträgen gewisse, gemeinsame Tendenzen in der Auffassung von Bedeutung und Aufgabe des Judentums erkennbar. Müssen es auch sein, denn vom „Juden“ erhofft die junge Generation der Nationalges,hinten diö Zusammenfügung von Teilen der Erkenntnis zu einem fest umrjssenen Gedankensystem. Um seine hohe erzieherische Aufgabe zu erfüllen, wendet sich „Der Jude“ in erster Linie nach innen, spricht vor allem zu denen, die gern hören wollen, und sprichtzu ihnen in einer so ernsten, gehaltreichen Sprache, daß solche, die der jüdischen Renaissancebewe-

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