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Das jüdische Echo · 1916-10-06 · 40 (6.10.1916) · p. Seite 370

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
40 (6.10.1916)
Date
1916-10-06
Page
Seite 370 (sequence 4)
Language
German
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370 Das Jüdische Echo Nr. 40 finden die innige Sehnsucht nach Neuerweckung des jüdischen Geistes, wobei freilich die Meinungen, ob dies schon in der Diasprora geschehen kann oder ob hierzu ein Zentrum in Palästina notwendig ist, auseinandergehen. Wir finden den lebhaften Wunsch, die Ostjuden zu ergründen, sich mit ihnen eins zu fühlen, und Westeuropa aus dem Born ihres Geisteslebens zu tränken. Diese Werte finden wir in meisten Anregungen, ohne daß sie durch Namen, durch die Bezeichnung bestimmter nationaler oder religiöser Sekten abgestempelt würden. Namen finden wir nur an wenigen Stellen angegeben; sie heißen: Tempel, Zionismus, Chassidismus. Noch kann und soll nicht entschieden werden, ob dies die Losungsworte sein werden, die den Stimmenchor des „Juden“ auf die Dauer übertönen werden. Die Juden im russischen Okkupationsgebiet. Die „Frankfurter Zeitung“ schreibt; „Schon vor dem Durchbruch von Gorlice und Tarnow, der die in wenigen Wochen durchzuführende Räumung des von den Russen besetzten Teils von Galizien erzwang, machte sich in der russischen fortschrittlichen Presse eine lebhafte Bewegung gegen die Verwaltung des Okkupationsgebietes geltend, die dorthin die schlimmsten Mißbräuche der russischen Bureaukratie übertragen hatte. Auch in englischen Zeitungen bemerkte man den Widerhall dieser Klagen, die nur zu begründet waren. Die Räumung Galiziens entzog dann diesen Erörterungen den Boden der unmittelbaren politischen Aktualität, sie wurden aber noch einige Zeit fortgeführt. Gewiß, es ist kein Zufall, daß nach der abermaligen Besetzung einiger Teile Ostgaliziens in diesem Sommer nicht mehr Graf Bobrinski, der in Lemberg als Statthalter des Zaren wirtschaftete, in sein friihrers Amt eingesetzt wurde. Man schien in Petersburg entschlossen zu sein, die Mißstände der ersten Okkupation zu vermeiden und die liberalen Blätter machten kein Hehl aus ihrer Befriedigung darüber, weil sie vor den westlichen Verbündeten Rußlands gerne die Rolle des Kulturträgers spielen möchten. Wie es jiun aber während der zweiten Besetzung in Galizien unter russischer Herrschaft aussieht, geht aus einem Berichte des russischen Semstwobundes hervor, dessen Hilfswerk in größtem Stil organisiert is^ und dessen amtliche Mitteilungen, die jede politische Polemik vermeiden, sich von jeher durch strenge Sachlichkeit ausgezeichnet haben. Wir entnehmen diesem Berichte, der uns von den „Jüdischen Nachrichten“ zur Verfügung gestellt wird, folgende Einzelheiten über die Lage der | CKgf. ‘Bayer. ‘Porzeffan* a ‘TJlanufakiur ‘Rympkenbarg y 9fauptnieder[age Q7{ünchen: Odeonsp/afj 1 ® (Kunstu. ßuxusgegenstände, Fafeß, ‘Dessert«, - y ‘Kaffeeu, Feegeschirre, Figuren, Gruppen eic. 9 nach alten ‘Kymphenburger Origina[•‘Modellen. ® * Außerdem neue Formen und Flodeffe nach <Snia © jjj würfen erster Fflünchner iKunst [er. Juden im russischen Okkupationsgebiete, aus denen auch scharfe Lichter auf die dort herrschenden allgemeinen Zustände fallen. Die materielle Lage der Juden, sowohl der ansässigen wie der aus ihren früheren Wohnsitzen vertriebenen, hat sich sehr verschlechtert. Der Handel ist von jüdischen allmählich in andere Hände übergegangen, die Steuerlasten sind bedrückend, vor allem aber hat das unbedingte Verbot der Bewegungsfreiheit, das die Juden verhindert' ihre Waren in Handelsstädten einzukaufen, den ' jüdischen Handel ruiniert. (Aus dieser Bemerkung geht hervor, daß die Verordnungen Bobrinskis, wonach Ikein galizischer Jude seinen Wohnort verlassen darf, noch jetzt in Kraft sind.) Alle jüdischen Teehäuser wurden geschlossen und die Eröffnung neuer verboten, wodurch ein bedeutender Gewerbezweig vernichtet wurde. Die Lage der Handwerker ist jämmerlich. In einer Stadt verboten die Militärbehörden den Juden den Handel mit Brot, weil sie sich geweigert hatten. am Sabbat Handel zu treiben. Der Semstwobund unterhält überall in Galizien Speisehallen, deren Leiter und Angestellte aber den Militärbehörden unterstehen. Da sie sich den Juden gegenüber offen feindlich verhalten, bleiben die Juden, auch wenn sie das Recht zur Benützung dieser Wohlfahrtseinrichtungen hätten, ihnen fern. Die Speisehallen dürfen nämlich nur von der arbeitsunfähigen Bevölkerung benützt werden. Tatsächlich wenden sich aber nur solche Juden an sie, die unmittelbar vor dem Verhungern stehen. Der Bericht fügt bei, daß gegenwärtig beabsichtigt sei (von wem, wird nicht gesagt), die Speisehallen ganz zu schließen und den notleidenden Greisen und Kindern dafür eine tägliche Geldunterstützung von 15 bis 18 Kopeken zu gewähren. Die Juden werden zwar überall zur arbeitsfähigen Bevölkerung gezählt, die keine Unterstützung erhält, tatsächlich sind sie aber von den meisten Arbeiten ausgeschlossen. Man zwingt sic, wie der Bericht bemerkt, nach wie vor ohne Rücksicht auf Alter, Stand und Gesundheit zu Arbeiten auf den Landstraßen, Eisenbahnen, zur Straßen- und Kloakenreinigung; aber diese Arbeiten werden nicht bezahlt. Bei solchen Arbeiten, für die ein Lohn gewährt wird, lehnt man die massenhaft sich anbietenden Juden einfach ab. Der Semstwobund hat an einigen Orten Arbeitsstellen für Frauen errichtet, in denen auch Jüdinnen beschäftigt werden, doch droht wegen Mangels an Rohstoffen die Schließung der Werkstätten. Alle dem Semstwobund zugehenden Berichte bestätigen, daß die Juden keine Arbeit scheuen, um ihr Leben zu verdienen. Der Bund ist aber „aus Gründen rein örtlicher Natur“ (d. h. wegen des Antisemitismus der ansässigen, polnischen und ukrainischen Bevölkerung) nicht in der Lage, den Juden Arbeit zu verschaffen. Oer Semstwobund hat in Galizien eine große Zahl sogenannter Konsumgeschäfte zum billigen verkaufe von Lebensmitteln errichtet, die Verwalter sind überall Polen oder Ruthenen. Die Juden sind größtenteils von der Benützung dieser Gewährung . ausgfeschlossen. Einige Verwalter weigerten sich überhaupt, an Juden Waren zu verkaufen, andere verhinderten durch Schikanen, z. B. durch den Verkauf aller wuchtigen Lebensinittel nur am Samstag, die Juden am Einkauf. An einigen Orten trafen auch die Behörden derartige Maßnahmen; in Tarnopol, wro der Semstwmbund ein eigenes Konsumgeschäft für die Ju-

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