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Das jüdische Echo · 1916-10-06 · 40 (6.10.1916) · p. Seite 369

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
40 (6.10.1916)
Date
1916-10-06
Page
Seite 369 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 369 nisch muß sie auch das Streben der Juden nach Wiederherstellung ihres Selbstbestimmungsrechts innerhalb dieses Landes von neuem erwecken. Dieses muß die Forderung der deutschen Juden sein: nicht Absperrung der Grenze gegen die polnischen Juden, sondern Öffnen der polnischen Grenze für die deutschen. Politische Feststellungen. Es ist darum ganz ausgeschlossen, daß ein geöffnetes Deutschland den wanderungsbereiten östlichen Massen jemals einen ähnlich wirkenden und wirksamen Anreiz gewähren kann (wie Amerika. D. Red.). Den östlichen Juden fehlt hierzulande das starke anziehende, zusammenhängende Zentrum. Was hiernach von dem Gerede einer Ostjudengefahr als möglicher Tatsachenkern verbleibt, ist zu gering und nebensächlich, als daß es hier weiter auf seine Bedeutung untersucht zu werden braucht. Das polnische Volk hat . . . nicht aufgehört, ein Volk zu sein, auch nachdem der polnische Staatzugrunde gegangen war. Ebenso hat die jüdische Nationalität ihren nationalen Charakter auch nach der Aufhebung der jüdischen Autonomie nicht verloren. Die jüdische Besiedlung Palästinas liegt in so eminentem Sinne im Interesse der Türkei selbst, daß auf die Dauer — das zionistische Werk rechnet nicht mit Jahren, sondern mit Jahrzehnten — kein ernsthafter Widerstand gegen sie zu erwarten ist. Wissenschaftliche Feststellungen. Philologische. Hier soll ... die Daseinsberechtigung des Jiddischen als einer eigenen Sprache neben dem Deutschen erwiesen werden. Historische. So geschah es, daß die jüdische Emanzipation in Westeuropa unter dem Zeichen der Assimilation stand. Nicht die innere Natur der Emanzipation verursachte diese Vernachlässigung national - jüdischer Forderungen, sondern die völlige Entjudetheit der zu Emanzipierenden. Andererseits ist es freilich klar, daß eine befriedigende Neureglung der jüdischen Gemeindefragen (in Rußland. D. Red.) nur im Rahmen einer neuen rechtlichen Staatsordnung denkbar ist. Kolonisatorische. Die zionistische Organisation, die eine anerkennenswerte Vorarbeit geleistet hat, steht erst vor ihrer eigentlichen Aufgabe: Eine planmäßige Ansiedlungstätigkeit größeren Stils zu entwickeln. Selbst bei einem bescheidenen Umfang der Kolonisationstätigkeit würde dies mehrere Millionen im Jahre erfordern, was allerdings die zionistische Organisation... vor keine Aufgabe stellen würde, der sie nicht bei Anpassung aller Kräfte gewachsen wäre. Kunstkritische. Wenn Volkslieder vor allem Lieder und nicht Gedichte sind, so sind es die jüdischen auf eine noch ganz besondere Art. Die Melodien sind hier schlechthin die Hauptsache. Soziologische. In den Judenstädten von Warschau, Lodz, Wilna lebt mehr als ein Viertel des jüdischen Volkes in Polen in einem menschenunwürdigen Zustande. Häuser gibt es mit mehr als tausend Bewohnern und darin Höfe, auf denen jeweils mehr als zweihundert Kinder vegetieren. Keller sind dort, die liegen hinter und unter einem Keller, und auf einem Raum von acht Metern im Geviert schlafen auf Lumpen und Säcken ebensoviele Menschen, Männer und Frauen; die haben diese Lumpen für acht Stunden als Bett gemietet und warten — bar der Kleider — auf die nächste Schicht, die nach ihnen die Betten mietet und ihnen die Kleider leiht zum Betteln. In Rußland wandten sich 200 000 Juden der Landwirtschaft zu und in verschiedenen Teilen Amerikas wuchs im Verlauf der letzten Generation die Zahl der Kolonisten und Farmer bis zu 75 000 an. Die große Zahl der „Lediggeher“ und „Sterngucker“ ging zum jüdischen Handwerk und zur Fabrikation über. Es ist leicht möglich, daß die Kraft der amerikanischen Judenheit darin liegt, daß dort der Prozeß des Übergangs aus der Vermittlerei zur Arbeit viel schneller vor sich ging. Als jüdische Siedlung bezeichne ich eine Ansiedlung von Studenten und Frauen in den mit jüdischem Proletariat bevölkerten Straßen und Stadtteilen der deutschen, österreichischen (und später polnischen) Großstädte zum Zweck sozialer Arbeit. (Eine Fortsetzung der „Inhaltsangabe“ folgt in der nächsten Nummer.) Ohne, wie eingangs betont, schon heute die Rolle bestimmen zu können, die „Der Jude“ in der Entwicklung des Judentums spielen wird, lassen sich doch in der obigen „Inhaltsangabe1 gewisse gemeinsame Züge erkennen, die sich über kurz oder lang zu einem vollkommenen Gedankensystem zusammenschließen dürften. Wir finden in der Mehrzahl der Äußerungen, die — es sei nochmals betont — den Kern jedes einzelnen Artikels wiederzugeben bestrebt sind — die Voraussetzung eines nationalen Zusammenhanges der Juden, finden das Streben, ihre völkische Eigenart zu kennzeichnen. Wir finden den Willen zu einem völkischen Zusammenschluß, B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler. Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos

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