Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 39 (29.9.1916)
- Date
- 1916-09-29
- Page
- Seite 361 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 Das* Jüdische Echo 361 Zeit. Ein Jahr nach dem Friedensschluß wird die „Exekutive“, die der Kongreß wählen wird, den Kongreß wieder einberufen und ihm über die Erfolge ihrer Tätigkeit Bericht erstatten. Darauf wird der Kongreß sich auf lösen; ein ständiger jüdischer Kongreß wird also laut diesem Abkommen nicht konstituiert. Die neue Körperschaft, in die sowohl das Kongreß-Komitee wie die Konferenz nationaler (d. i. gesamtamerikanisch-jüdischer) Organisationen eintreten werden, wird den alten Namen der Kongressisten „Kongreß-Exekutiv-Committee“ führen. Der Kongreß wird einen ausschließlich politischen Charakter haben; ökonomische Fragen sollen nicht behandelt werden. Die jüdische Wanderungsfrage in allen ihren Formen sowie die Frage des Wiederaufbaus nach der Zerstörung auf ökonomischem Gebiete sind ausgeschlossen. Ausgeschlossen sind ferner alle allgemein abstrakten und theoretischen Fragen betr. des jüdischen Glaubens und jüdischer Anschauungen. Der Kongreß wird ausschließlich einberufen, um den entrechteten Juden volle bürgerliche, politische und religiöse Rechte in allen Ländern zu verschaffen. Unter „allen Ländern“ ist auch Palästina zu verstehen. Der Kongreß soll des weiteren suchen, den Juden nationale Rechte zu verschaffen. Im Übereitikomsmen werden die nationalen Rechte nicht mit diesem Namen bezeichnet, sondern mit dem Ausdruck „Gruppenrechte“. Sie sollen den Juden in den Ländern gewährleistet werden, wo andere Nationalitäten solche besitzen oder besitzen sollten, und zwar nur dann, wenn die Juden der betreffenden Länder es wünschen. Aber keine andere Autorität als der Kongreß selbst kann darüber entscheiden, ob die betreffenden Juden diese Rechte wünschen oder nicht. Das neue „Kongreß-Exekutiv-Committee“ soll aus 140 Mitgliedern bestehen, — den 70 jetzigen Mitgliedern des Kongreß-Komitees und 70 Mitgliedern der „Konferenz der nationalen (d. i. gesamtamerikanisch-jüdischen) Organisationen. Die Seelsorge im deutschen Heere. Der Verband der deutschen Juden hatte sich seinerzeit an das Kriegsministerium mit dem Anerbieten gewandt, diesem 1. ein Verzeichnis der für den betr. Armeekorpsbezirk iausgewähflten Seelsorger unter Angabe des jedem einzelnen angewiesenen Seelsorgebezirks, 2. die Stelle, mit der die Militärbehörden neben den einzelnen Seelsorgern, soweit erforderlich, in Angelegenheit kier jüdischen Seelsorge in Verbindung treten können, vorzulegen. Der Verband der deutschen Juden bezweckte damit, die Regelung der Seelsorge in die Hand zu nehmen und eine gewisse Einheitlichkeit im Verhältnis der jüdischen Seelsorger zum Generalkommando herzustellen. Ein Teil der Angehörigen des deutschen Rabbinerverbandes benachrichtigte daraufhin das Generalkommando, daß sie die Berechtigung des Verbandes der deutschen Juden, für eine Regelung der jüdischen Seelsorge im Felde zu sorgen, nicht anerkennen könnten. Infolgedessen hat das Kriegsministerium den Antrag des Verbandes der deutschen Juden abschlägig beschieden. Im gleichen Brief erklärt sich das Kriegsministerium bereit, Seelsorge- Reisekosten denjenigen Seelsorgern zurückzuerstatten, die nachweisen können, daß sie durch die n a c h dem Gesetz zuständige jüdische Stelle mit ihrem Amte beauftragt wurden. Feuilleton Kriegerische Psalmen. Kapitel 27. L, Der Ewige ist mein Licht und mein Heil, vor wem soll ich mich fürchten? Der Ewige ist meines Lebens Schutzwehr, vor wem soll ich mich ängstigen? 2., Wenn Übeltäter gegen mich anriicken um mich zu zerfleischen, meine Feinde und Bedränger gegen mich: sie straucheln und fallen. 3., Wenn eiin Lager sich um mich lagert, mein Herz befürchtet nichts; wenn Krieg sich wider mich erhebt, auch dann habe ich Vertrauen. 4., Eines erbat ich vom Ewigen, dies erstrebe ich: daß ich weile alle Tage meines Lebens im Hause des Ewigen, zu schauen die Herrlichkeit des Ewigen und ihn zu suchen in seinem Heiligtum. 5., Denn er birgt mich in seiner Hütte am Tage des Unglücks, verbirgt mich im Schutze seines Zeltes, stellt mich hoch auf einen Felsen. 6., Und jetzt erhebt sich mein Haupt über meine Feinde rings um mich, ich werde in seinem Zelte Jubelopfer bringen, will singen und spielen dem Ewigen. 7., Höre, Ewiger, meine Stimme: ich rufe, sei mir gnädig und erhöre mich. 8., Zu Dir spricht mein Herz, Dich suchet mein Antlitz! Dein Antlitz suche ich, Ewiger. 9., Verbirg dein Antlitz nicht vor mir; beuge nicht im Zorn Deinen Knecht! Mein Beistand warst Du, verstoße und verlasse mich nicht, Du Gott meines Heils. 10., Denn wenn mein Vater und meine Mutter mich verlassen hätten, der Ewige würde mich aufnehmen. 11. Lehre mich Ewiger Deinen Weg, führe mich auf ebenem Pfade um der Lauernden willen. 12., Gib mich nicht hin der Rache meiner Feinde, denn gegen mich stehen falsche Zeugen auf und einer der Gewalttat übt. 13., Wäre ich nicht fest im Glauben, die Güte des Ewigen zu schauen im Lande des Lebens... 14., Hoffe auf den Ewigen, sei stark und mutigen Herzens, harre auf den Ewigen. Kapitel 54. 3., Gott, mit Deinem Namen hilf mir, und durch Deine Stärke schaffe mir Recht. 4., Gott erhöre mein Gebet, neige Dein Ohr den Worten meines Mundes. 5., Denn Feinde stehen gegen mich auf und Übermütige trachten mir nach dem Leben, sie stellen sich Gott nicht vor Augen. 6., Siehe, Gott ist mein Beistand, der Herr ist unter denen, welche mein Leben stützen. 7., Er wird das Böse meinen Widersachern zurückgeben, vernichte sie in Deiner Wahrheit. 8., Mit Hingebung will ich Dir opfern. Deinen Namen, Ewiger, preisen, weil er gütig ist. 9., Denn aus aller Not hat er mich gerettet, und an meinen Feinden weidet sich mein Auge. Kapitel 35. L, Von David. Streite, Ewiger, mit meinen Gegnern, bekämpfe diejenigen, die mich bekämpfen.