Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 39 (29.9.1916)
- Date
- 1916-09-29
- Page
- Seite 359 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 359 öie &riegs<m(eil)e iff öie ^SBoffc t>er £)ofKinigd>tief>enen! 30 000 oder nur noch 15 000 jüdische Einwohner hat; jedenfalls geht die Saloniker jüdische Gemeinde ihrem Untergang entgegen. Die mazedonischen Juden sind moralisch und politisch in einer traurigen Lage. Vor vier Jahren schlossen sich die Saloniker Juden der jungtürkischen Bewegung an und wurden glühende türkische Patrioten. Nach der Einnahme der Stadt durch die Griechen wurden sie zwangsweise griechische Untertanen, obwohl die griechischen Eroberer ihren Einzug in die Stadt mit einem Judenpogrom gefeiert hatten. Trotz aller Bedrückungen versuchten die Juden nun nach Kräften, sich der griechischen Umgebung anzupassen. Nunmehr ist die mazedonische Hauptstadt von den Alliierten besetzt, und die dortigen Juden müssen ihnen notgedrungen ihre Sympathien beweisen. Dadurch aber, daß die griechische Regierung und die Ententemächte nicht iibereiinstimmen, stehen die Juden zwischen zwei Feuern. Wenn sie nicht mit der Regierung sympathisieren, so verstimmen sie die Alliierten, und umgekehrt. Infolgedessen beschuldigt die Presse der Entente sie zu großer Sympathien für die griechische Regierung, und die griechische Presse beschuldigt sie des Verrates zugunsten der Entente. Eigentlich sollen die Saloniker Juden das Unmögliche leisten, zu gleicher Zeit griechische Patrioten und Anhänger der Bedrücker Griechenlands zu sein. Unter der türkischen Regierung war Saloniki ein bedeutendes Handelszentrum, und die Juden waren die Vermittler zwischen dem europäischen un dem orientalischen Handel. Nach der Einnahme Salonikis durch die Griechen verlor die Stadt ihre wirtschaftliche Bedeutung, da sie von ihrem Hinterlande abgeschnitten wurde. Das bedeutete den wirtschaftlichen Ruin von Tausenden ron Saloniker Juden, die nun nach Smyrna, Konstantinopel oder nach Spanien auswanderten. Jetzt aber ist die Lage der Juden verzweifelter als je zuvor. Umgeben von Schützengräben, eingeschlossen von der Flotte der Entente, ist jeder Handelsverkehr der Stadt zerstört worden. Infolgedessen sind Hunderte und Tausende von Saloniker Juden gezwungen worden, die Stadt zu verlassen. Nach den zuverlässigsten Angaben sind von den früher 70 000 jüdischen Einwohnern der Stadt nur noch 25 000 zurückgeblieben, und zwar nur weil ihnen die Mittel zum Auswandern fehlten. So haben also die Nachkommen jener Juden, die vor 400 Jahren aus Spanien vertrieben wurden, wiederum zum Wanderstab greifen müssen, und am Ende des Krieges werden vermutlich die Juden des Balkans überhaupt nicht mehr vorhanden sein. Ein trauriges Kapitel in der Golusgeschichte! Welt-Echo Ein Ruf um Hilfe! Das Allgemeine Jüdische Krankenhaus „Schaare Zedek“ in Jerusalem sieht sich einer schweren Aufgabe gegenüber. Seit Ausbruch des Krieges herrscht in Palästina bittere Not, und die Zahl der durch Entkräftung, Unterernährung und Seuchen Erkrankten übersteigt weit diejenige früherer Zeiten. Das Krankenhaus, das unermüdlich bestrebt ist, Not und Leiden zu lindern, sieht seine Mittel fast erschöpft. In einem Aufruf, der unserer heutigen Nummer beiliegt, berichtet das Institut über seine Leistungen und weiteren Aufgaben und richtet an alle Menschenfreunde die Bitte, es in seinem schweren Werk zu unterstützen. Wir bitten unsere Leser, den Aufruf zu beachten und dem Hilferuf zu folgen. Der Zwangsdienst in England. Das englische Ministerium des Innern hat eine eingehende Verfügung bezüglich des Heeresdienstes der russischen Juden getroffen. Diese enthält die folgenden Bestimmungen: Russische Untertanen im dienstfähigen Alter haben von der russischen Regierung Erlaubnis erhalten, im britischen Heere zu dienen; die Dienstzeit eines russischen Untertanen im britischen Heere ist nach russischem Gesetze gleichwertig mit einer entsprechenden Dienstzeit in der russischen Armee. Russische Untertanen, die ein Alter von 18 Jahren erreicht haben oder erreichen werden und weniger als 41 Jahre alt sind, werden deshalb aufgefordert, sich dem britischen Heere anzuschließen. Diese Aufforderung gilt allen russischen Untertanen im Vereinigten Königreiche, mit Einschluß derjenigen, die in einer britischen Kolonie Lokalnaturalisation erreicht haben, und derjenigen, die als belgische Flüchtlinge registriert sind. Russische Untertanen können sich dem Heere auf zweierlei Art anschließen: 1. durch direktes Einschreiben für augenblicklichen Dienst, oder 2. durch Attestation bis zum 30. September 1916.