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Das jüdische Echo · 1916-09-29 · 39 (29.9.1916) · p. Seite 358

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
39 (29.9.1916)
Date
1916-09-29
Page
Seite 358 (sequence 8)
Language
German
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358 Das Jüdische Echo Nr. 39 den vielfach die erforderlichen Voraussetzungen, sowohl hinsichtlich der Wasserkraft wie auch der städtischen und verkehrstechnischen Entwicklung. Hinzu kommt noch eine bisher in den Industrieländern noch wenig anerkannte Kraft- Quelle, die gleichwohl als Anfangsstadium bereits erfolgreich überwunden hat, und von der man schon bei ihrem ersten ernsthaften Auftreten sagen konnte, daß sie geeignet ist, die Industrieverhältnisse der ganzen W;elt weitgehend zu beeinflussen, indtem sie näml'ich der industriellen Entwicklung der Kulturmenschheit gerade in den heißen und trockenen Ländern des Orients die größten Möglichkeiten erschließt. Dies ist die Sonnenwärme, die mit Spiegelsystemen verschiedener Arten zu einer Dampferzeugung ohne Kohle verwendet wird, und die gerade in türkischen Gebieten in verschwenderischem Maße zur Verfügung steht. Es ist kein Zufall, daß die erste große praktisch arbeitende Anlage dieser Art in Ägypten aufgestellt ist, wo in der Nähe von Kairo eine hundertpferdige Sonnenkraftmaschine seit dem Winter 1911/12 sehr viel billiger arbeitet als eine gleich starke Dampfmaschine. Eine Industrialisierung der Türkei könnte leicht zu einem wesentlichen Ausbau dieser in jedem praktsichen Sinne unversiegbaren Kraftquelle führen. Außer den genannten Betriebsarten kommt übrigens noch die Windkraft in Betracht, die überall in den küstennahen Gebieten der Türkei einen verläßlichen Antrieb bietet, und schließlich ist auch die Holzfeuerung für Dampfmaschinen zu erwähnen, die beispielsweise bei besonders konstruierten Sauggasanlagen mit einem Kilogramm Holz per PS-Stunde auskommt. Der vielbeklagte Holzmangel des Orients spräche keineswegs hiergegen, denn die zahlreichen schnellwachsenden Holzbäume, deren systematischer Anbau ohnehin eine der besten Rentabilitäten in der Bodenbenutzung des Orients bietet, würde Abfallholz in jeder gewünschten Menge zu billigerem Preise liefern, als die Kohle in jeder größeren Entfernung vom Fundorte sich stellen würde. An Rohmaterialien für die Industrie sind die türkischen Länder ebenfalls reich. In besonders hohem Maße gilt dies gerade für die Textilindustrie. Wolle, Baumwolle und Seide sind schon jetzt in ziemlichem Umfang verfügbar und würden bei rationeller Wirtschaft in noch viel größeren Mengen zu gewinnen sein. Die klimatischen Verhältnisse sind sowohl" der Wollschafzucht wie dem Baumwollbau und der Seidenkultur außerordentlich günstig, und auch der Anbau der Agave würde in vielen Landesteilen eine der vorteilhaftesten Arten der Bodenbenutzung darstellen. Wie schnell beispielsweise der Baumwollbau mittelst neuer Bewässerungsanlagen auf einen großen Umfang gesteigert werden kann, ist bekannt. Aber auch die Baumwollindustrie läßt sich in sehr kurzer Zeit entwickeln. Beispielsweise hat Japan die Zahl seiner Spindeln in der Zeit von 1883 bis 1913 von 44 000 auf 2 300 000 gebracht. Was aber noch vor kurzem Jahrzehnte in Anspruch nahm, läßt sich auf Grund der letzten Fortschritte jetzt schon in wenigen Jahren erzielen, so daß wir es hier keineswegs nur mit industriellen Entwicklungen auf lange Sicht zu tun haben. - Innerhalb der Türkei nimmt Palästina in industrieller Hinsicht eine bevorzugte Stellung ein. Syrien und Palästina — im Westen vom Meer und im Osten von der sogen. Wüste — (die in Wirklichkeit nicht Wüste /sondjcrn 'Steppe ist) begrenzt, bildet eine Art Landbrücke zwischen dem kleinen asiatischen Hauptland und der Türkei und ihren wichtigsten Siidgebieten, nämlich den arabischen Provinzen und dem ägyptischen Nebenlande. Über letzteres hinaus wird der syrisch-palästinensische Küstenstreifen sogar zur Landbrücke zwischen Afrika und Asien-Europa. Diese bevorzugte Landverkehrsanlage, die durch den Ausbau der wenigen noch fehlenden Glieder eines zusammenhängenden Schienennetzes innerhalb weniger Jahre zu voller Geltung kommen wird, wird unterstützt durch eine hafenreiche Küste und ein vorläufig zwar noch nicht mit dem Weltverkehr verbundenes, aber für orientalische Verhältnisse schon recht dichtes und leistungsfähiges Eisenbahnnetz. Werden die Häfen erst entsprechend ausgebaut (was ebenfalls nur eine Frage ganz kurzer Zeit ist), so wird 'auch die Nähe des Suezkanals unvergleichlich mehr als bisher die Entwicklung des Landes begünstigen, und es in augenfälliger Weise zu einem wichtigsten Schnittpunkt des Weltverkehrs machen. Diese Verkehrsanlage wird natürlich auch einer Entwicklung günstig sein müssen, die einem industriell sehr leistungsfähigen Palästina nicht nur den Markt in der Türkei, sondern auch weitere Gebiete der islamitischen Welt öffnen wird, und das einzige, was fraglich sein kann, ist das: in welchem Maße die neue eigene Industrie der Türkei mit der Industrie Europas wird konkurrieren können. Schon jetzt aber läßt sich sagen, daß bei dem Vorhandensein eines für industrielle Betätigung verfügbaren und geeigneten Elements und auf Grund der im Weltkrieg errungenen Selbständigkeit hinsichtlich der Zollgesetzgebung die Türkei imstande sein wird, in zahlreichen Industrien — besonders soweit es sich um Massengüter handelt — den eigenen Markt und den der islamischen Nebenländer zu versorgen, daß aber bei dem rasch steigenden Bedürfnis auch nach den Erzeugnissen komplizierterer Industrien auch den mit der Türkei verbündeten europäischen Industriestaaten ein reiches Feld übrig bleiben w ird. Die Juden des Balkans. Eine der vielen traurigen Wirkungen des Krieges auf das jüdische Leben ist die fast völlige Vernichtung der Balkanjuden, deren Mittelpunkt bisher die Stadt Saloniki war. Die Juden auf dem Balkan, besonders in Mazedonien, haben schon während der beiden Balkankriege und durch die folgenden politischen Schwierigkeiten sehr gelitten. Viele kleine jüdische Gemeinden in Mazedonien sind während der letzten drei Jahre vollständig zu Grunde gegangen. Der jetzige Krieg hat den Untergang der jüdischen Gemeinden des Balkans und besonders Mazedoniens beschleunigt. Die serbischen Judengemeinden existieren nicht mehr; die bulgarischen Juden leiden schwer unter den Folgen des Krieges und die jüdische Gemeinde in Adrianopel ist während des Krieges von 20 000 Seelen auf 4000 Seelen zusammengeschmolzen. Solange das politische, soziale und religiöse Zentrum der Balkanjuden — Saloniki — unversehrt war, bestand einige Hoffnung, daß sie sich von den Schicksalsschlägen schließlich doch noch erholen würden. Nachdem dieses Zentrum gefährdet ist, werden die Hoffnungen hinfällig. Aus den Angaben von Juden, die sich aus Saloniki nach Amerika geflüchtet haben, läßt sich nicht erkennen, ob Saloniki heute 50 000 oder

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