Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 39 (29.9.1916)
- Date
- 1916-09-29
- Page
- Seite 352 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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352 Das Jüdische Echo Nr. 39 sind verletzte Lebensnerven ungeheilt, noch ist es nicht gelungen, alle zerrissenen Fäden des Gemeindelebens neu zu knüpfen. Aber langsam beginnt die Hoffnung sich zu regen, daß unter der neuen Herrschaft den Juden ihr Recht auf kulturelle Eigenart nicht länger verweigert werden soll. In Amerika hat der Krieg im Leben der Juden Veränderungen hervorgebracht, die nicht nur ihr äußeres Schicksal beeinflussen, sondern auch für ihre innere Entwicklung von Bedeutung sein werden. Die amerikanischen Juden haben im Kriege tiefer als je zuvor das Erlebnis ihrer nationalen Zusammengehörigkeit gehabt, haben klarer als je zuvor erkannt, daß nur durch eine Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte, durch ein gemeinsames Fanstehen der gesamten amerikanischen Judenheit für die verfolgten und entrechteten Juden anderer Länder die Lage des jüdischen Volkes gebessert werden kann. Der Zusammenschluß der amerikanischen Juden zu einem amerikanisch-jüdischen Volksparlament ist während des letzten Jahres vielleicht das einzige Erlebnis innerhalb der Judenheit gewesen, bei dem nicht so sehr diie Verknüpfung der Juden mit den anderen Völkern, als vielmehr ihr eigener freier Wille entscheidend war. Von allen diesen Erlebnissen der Juden ist das Schicksal des Judentums unbeeinflußt geblieben. Die Spuren einer Fortentwicklung, die an ihm sich zeigen, sind unabhängig vom Krieg und der Umwälzung aller politischen und sozialen Verhältnisse, deuten auf innere Geschehnisse hin, die sich lange vor dem Kriege vollzogen haben und erst jetzt allmählich in die Erscheinung treten. Lange vor dem Kriege, zu einer Zeit, da man erkannt hatte, daß die Befolgung alter strenger Traditionen keineswegs das Enscheidende ist, daß sie nur eine Umzäunung und Schutzhülle des jiidischen Gedankens sind, da man erkannt hatte, daß der Kern der jüdischen Lehre unter diesem Mantel erstickender Traditionen in Gefahr geraten war, langsam zu erstarren, da man von Ahnung erfüllt wurde, daß dieser Kern ein Schatz von ungeahnter Köstlichkeit sein müsse, damals schon gerieten die Gemüter in jene Bewegung, die erst heute deutlich an die Oberfläche des jüdischen Geistesleben tritt. Ganz unabhängig von den Vorgängen im Leben der anderen Völker ist im jüdischen Volke die Sehnsucht nach einer Wiedergeburt des Judentums, nach einer Erstarkung seines tiefsten religiösen Kerns erwacht. Daß diese Sehnsucht nach einer Renaissance des jüdischen Geistes, nach neueren höheren Lebensformen, nach der Verkündung eines neuen Judentums im vergangenen Jahre immer weitere Kreise erfaßt hat, immer inbrünstiger geworden ist, das ist das gewaltigste Ereignis, das sich im Judentum vollzogen hat. Noch hat die Sehnsucht ihr Ziel nicht erreicht, noch läßt sich neben dem W i 11 e n zur Schaffung einer neuen Religion kein Können feststellen. Noch bleibt die Frage offen, ob das Judentum in der Diaspora imstande ist, eine Wiedergeburt seiner nationalen Religion zu erleben, oder ob der neue Geist, die neue Harmonie, in der die Kräfte unseres jüdischen Geistes und Gemütes zusammenklingen sollen, vom eigenen Lande aus ertönen muß. Daß aber die Sehnsucht nach dieser neuen Harmonie wuchs und Hunderte ergriff, das allein schon deutet eine innere Entwicklung des Judentums an. Noch ahnen wir nicht, in welcher Weise das neue Erlebnis des Göttlichen, nach dem wir in unserer Gesamtheit als jüdisches Volk streben, uns beschieden sein wird, ahnen noch nicht, wie der neue jüdische Mensch aussehen wird, zu dem wir uns hinauf pflanzen wollen. Aber wir finden, daß Hunderte, die im Felde stehen, Hunderte, zu denen das Echo des Krieges dringt, sich über die bedrückende Not der Zeit erheben, weil sie von einer heiligen Sehnsucht nach Erneuerung und Veredlung des jüdischen Geistes, von der ernsten Pflicht, vor allem sich selbst zu erneuern und zu veredeln, durchglüht sind. Die Ausbreitung des Gedankens von der Wiedergeburt der jüdischen Religion — das ist im verflossenen Jahr das eigentliche Ereignis im Judentum gewesen. Und das bedeutet einen verheißungsvollen Schritt zu seiner Fortentwicklung. Die Vorstellung eines neuen jüdischen Menschen ist noch schattenhaft, aber der Wille zu ihm lebt und veredelt uns. Zeichnet die iiinlie Kriegsanleihe! Der Krieg ist in ein entscheidendes Stadium getreten. Die Anstrengungen der Feinde haben ihr Höchstmaß erreicht. Ihre Zahl ist noch größer geworden. Weniger als je dürfen Deutschlands Kämpfer, draußen wie drinnen, jetzt nachlassen. Noch müssen alle Kräfte, angespannt bis aufs Äußerste eingesetzt werden, um unerschüttert festzustehen, wie bisher, so auch im Toben des nahenden Endkampfes. Ungeheuer sind die Ansprüche, die an‘ Deutschland gestellt werden. Wir müssen Sieger bleiben, schlechthin, auf jedem Gebiet, mit den Waffen, mit der Technik, mit der Organisation, nicht zuletzt auch mit diem Gelde! Darum darf hinter dem gewaltigen Erfolg der früheren Kriegsanleihen der der fünften Licht Zurückbleiben. Mehr als die bisherigen wird sie maßgebend werden für die fernere Dauer des Krieges; auf ein finanzielles Erschlaffen Deutschlands setzt der Feind große Erwartungen. Jedes Zeichen der Erschöpfung bei uns würde seinen Mut beleben, den Krieg verlängern. Zeigen wir ihm unsere unverminderte Stärke und Entschlossenheit, an ihr müssen seine Hoffnungen zuschanden werden. Mit Ränken und Kniffen, mit Rechtsbrüchen und Plackereien führt der Feind den Krieg, Heuchelei und Lüge sind seine Waffen. Mit harten Schlägen antwortet der Deutsche. Die Zeit ist wieder da zu neuer Tat, zu neuem Schlag. Wieder wird ganz Deutschlands Kraft und Wille aufgeboten. Keiner darf fehlen, jeder muß beitragen mit allem, was er hat und geben kann, daß die neue Kriegsanlehe werde, was sie unbedingt werden muß: Für uns ein glorreicher Sieg, für den Feind ein vernichtender Schlag! Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (Hotel Königshof)