Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 38 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- Seite 348 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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3.48 Das Jüdische Echo Nr. 88 für die Ölberggemeinde in diesem Jahre bewilligen können.“ Die ebenso unpassende wie irreführende Behauptung von der durch den Krieg gesteigerten Geldkraft der jüdischen Gemeinde, die doch wirklich mit dem Bäu von Gotteshäusern sehr wenig zu tun hat, scheint dem Zensor entgangen zu sein. Oder ist der Burgfriede vorüber? Ein Reichsverband der Kultusgeineinden in Österreich. Die „Jüdische Rundschau“ schreibt: Seit Jahrzehnten haben sich die Juden in Österreich bemüht, die Regierung zu veranlassen, eine gesetzliche Vertretung des ganzen jüdischen Volkes in diesem Staate, durch eine Organisation der einzelnen Kultusgemeinden zu konstituieren. Eine demokratische Wahl zu diesem Repräsentationskörper fordernd, haben die Zionisten diesen Bestrebungen ihre wärmste Beteiligung gewidmet und wurden als Vorkämpfer dieses Gedankens von der Orthodoxie und> den galizischen Assimilanten aufs schärfste bekämpft. Jetzt schreitet die Regierung zur Verwirklichung dieses Vorschlages. Nach einem Entwürfe, der seitens der Regierung den Kultusgemeinden zur Äußerung zugeschickt wurde, sollen sich acht Landesverbände, davon zwei in Galizien mit dem Sitze in Lemberg und Krakau, organisieren und sich zu einem Reichsverbande mit dem Sitze in Wien Zusammenschlüßen. Als Vollzugsorgan ist ein Oberrat vorgeschlagen worden. Diesem Reichsverbande werden nicht nur religiöse Sorgen, wie Ausbildung von Rabbinern, Gründung von Pensionsanstalten für Kultusgemeindebeamten und Religionslehrer obliegen, es wird ihm auch das Recht zur Abstellung anderer Mängel eingeräumt, insbesondere das Recht eines rationellen Zusammenschlusses bezw. einer gesetzlichen Zusammenlegung von kleinen jüdischen Gemeinden, welche ihren Pflichten nicht nachkommen können. Zu seiner Betätigung wird auch die Befugnis gehören, '„Anträge an die Staatsverwaltung in Angelegenheiten, welche die öffentliche Rechtsstellung der jüdischen Glaubensgenossen im Staate betreffen, zu stellen, einschließlich des Rechtes der Beschwerdeführung in Fällen der Verletzung dieser Rechtsstellung“. Die derzeitige Lage der Juden in Österreich und insbesondere der in Galizien und in der Bukowina erfordert eine autoritative Repräsentanz unseres Volkes in diesem Staate und wir hoffen, daß diesem Vorschläge der Regierung die größte Aufmerksamkeit der Juden zugewendet sein wird. Kulturarbeit im Osten. In Warschau tagte 12.—15. September eilte Izionistische Konferenz von 150 Abgeordneten verschiedener polnischer Städte. Aus den dort verlesenen Berichten geht hervor, daß die zionistische Bewegung in Polen im letzten Jahr bedeutende Fortschritte gemacht hat. — Auf der Jubiläumsfeier des Nationaljugend-Vereins „H a t h e c h i j a h“ in Lodz, an der u. a. Abgeordnete verschiedener zionistischer Vereine teilnahmen, wurden verschiedene Reden in hebräischer Sprache gehalten Interessenten für eine Vereinigung zur Pflege der neuhebräischen Literatur wollen ihre Adresse an J. Frankel, Tattenbachstr. 8, einsenden. und ein ins Hebräische übersetztes Drama von Scholem Aleichem aufgeführt. Der Hauptzweck des Vereins, an dem bereits 700 Personen teilnehmen und der Abteilungen in anderen Städten gegründet hat, ist die Verbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache und die Popularisierung der alten und neuen hebräischen Literatur. Außerdem hat der Verein eine hebräische Bühne errichtet, auf der u. a. die Werke „Joseph“, „Achasehwerosch“, „Moses“, und „Karmel“ in hebräischer Sprache mit Erfolg aufgeführt wurden. — Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der musikalischen und künstlerischen Tätigkeit des bekannten jüdischen Komponisten M. ßensmann wurde in Lodz eine Feierlichkeit veranstaltet und die von ihm komponierte Oper „Die Juden“ im Lodzer Stadttheater vorgeführt. — Der jüdische Schul- und Volksbildungsverein in Lodz hat die erste jüdische Volksschule mit jüdischer Unterrichtssprache eröffnet. — Neue Judenverfolgungen in Rußland. Der „Rjetsch“ zufolge beginnen von neuem in Moskau und Petersburg von seiten der Polizei die Treibjagden, die sogenannten „Oblawy“, auf die Juden und die Liberale n. In Moskau wurden nicht weniger als hundert Mitglieder der liberalen Großeinkaufsgesellschaft verhaftet, angeblich wegen Spekulation. Viele Dokumente der Gesellschaft sind beschlagnahmt worden, gleichwohl fand man nichts Belastendes. Die russischen Juden in England. Nach einer Drahtmeldung aus London sollen im Laufe dieser Woche die Vertreter der russischen jüdischen Vereine in London sich versammeln und sich über die einzunehmende Haltung gegenüber dem Plan der britischen Regierung, sie an Rußland auszuliefern, schlüssig werden. Unterdes geht die Rede von einem Vergleich, wonach die russischen Juden nur in England verwandt werden dürften, womit jedoch viele maßgebenden Persönlichkeiten sich nicht einverstanden erklären. Dem Abgesandten des Jüdischen Hilfsausschusses aus Amerika, Dr. Magnes, der über diese Angelegenheit unterhandeln wollte, wurde der Zutritt ins Land untersagt. Verschickung der Flüchtlinge in Diinaburg. Aut Veranlassung der Kriegsbehörde wurden am 25. Juli die jüdischen Flüchtlinge, die in Diinaburg gelandet waren, angewiesen, die Stadt binnen zehn Tagen zu verlassen. Am 30. Juli gingen vierzig Waggons mit jüdischen Flüchtlingen von Diinaburg nach Richtung Rybinsk-Twer ab. Die Zensur in Frankreich. Die französische Zensurbehörde hat, der Londoner Zeitung „Zeit" zufolge, der „Liga für jüdische Emanzipation“ die Veröffentlichung von russischen Dumareden, aus denen die judenfeindliche Haltung der russischen Regierung hervorgeht, verboten. Ohne den Protest des Redakteurs der „Humanite“ sowie der „Liga für Menschenrechte“ wäre der Liga ihre Propaganda wahrscheinlich überhaupt verboten worden. Protestversammlung in Kopenhagen. Am 3. September berichteten lin einer große'n öffentlichen Volksversammlung in Kopenhagen drei lussische Redner in russischer, polnischer und jüdischer Sprache über die furchtbaren Verfolgun-