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Das jüdische Echo · 1916-09-15 · 37 (15.9.1916) · p. Seite 340

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
37 (15.9.1916)
Date
1916-09-15
Page
Seite 340 (sequence 10)
Language
German
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340 Das Jüdische Echo Nr. 37 eingereiht. Volkserziehung, Sprachenneuerung, Zusammensetzung der „Kulturkeime“, Schaffung einer jüdischen Akademie, all’ das wird um das jüdische „Kulturprogramm“ Bubers gefügt, welches dahin geht, auf dem Heimatboden die vom Volke mitgebrachten Keime zur Entfaltung zu bringen, eine „Wiedergeburt des Schaffens“ zu erreichen. Gerade dieser Punkt seiner Ideen, der Ruf nach der Wiedergeburt des Schaffens, führte Buber wohl dann zu seinen neuen Gedankengängen, zu den Problemen vom Erleben des Judentums im einzelnen Juden. Sie heben sich am deutlichsten in den Aufsätzen ^b, welche mach 1909 geschrieben sind. Aus den Jahren 1906—1909 enthält das Buch keine Arbeiten. In diese Zeit fällt, wie die Vorrede sagt, der Hauptteil seiner Arbeiten über den Chassidismus. Teils dadurch, teils aber auch durch die gerade damals am deutlichsten bemerkbare Zeit der mageren Jahre in der jüdischen Bewegung mag das Stillschweigen Bubers hervorgerufen sein. Als Buber wieder seine Stimme erhob, sprach er zu Einzelnen. Er hatte das Programmatische verlassen. Das ist entschieden ein Wert. Damals konnte er seine vom Tage eingegebenen Worte, welche er im Jahre 1904 über Theodor Herzl geschrieben hatte, durch die reinere Wirkung des „Elementaraktiven“ („Er und wir“) gewissermaßen berichtigen. Er rief nun nach den Zionisten, die „nicht bloß im Sinne eines Bekennens, sondern eines Seins“ Zionisten sind. Und er bringt unserem Empfinden das jüdische Erleben des Einzelnen nahe, das Erleben des Judentums im Juden. Und aus all’ den Wertungen und Analysen, aus den Scheidungen des „duldenden“, des „grübelnden“, des singenden Juden“, wie sie sich ein Dichter oder im Leben auch formen mögen, ruft Buber nach dem, der „sich die einige Tat erwählt hat“, dem „heroischen Juden“. Dieser Ruf zum Erleben des Judentums, gekleidet oft in dunkelfarbene, sammetschwere Worte, läßt Buber an die Einzelnen ergehen. Viele mögen dieses Rufes bedürfen. Die Entfernten, die Abgesprengten. Ob aber aus diesen die Tat hervorgehen wird? Die Tat muß doch die aller, die für alle sein .... Hier wird Bubers R u f schwach, viel zu schwach, gegen den gewaltigen Schrei der Not, der zu jeder Stunde jetzt in unsere Ohren gellt. Und die Gedanken, schön anzusehen in der subtilen, an tiefste Empfindung rührenden Art, sind zu klein für alle, mögen sie auch groß im Einzelnen sein. Eine Sammlung von Aufsätzen und Ansprachen hat Buber dieses Buch genannt. Eine Art Rückschau also. Neues ist nicht gegeben. Nur der Ruf nach einem Neuen ertönt. Sei also dies als Wert gebucht. Wir aber brauchen mehr, viel mehr.... Wien. Siegfried S c h m i t z. „Mult es Jövö“. Die zwei jüngsten Nummern der vornehmen ungarisch - jüdischen Zeitschrift „Mult es Jövö“ sind mit hervorragend reichem Inhalt und prachtvollen künstlerischen Illustraionen erschienen. Das August-Heft kann fast als B i a 1 i k - Sonder - Nummer betrachtet werden. Die Illustrationen, wie auch der übrige Inhalt des Heftes behandeln die Zeit der Zerstörung Jerusalems. Im September-Heft veröffentlicht Rabbiner Dr. Max Grunwald-Wien eine vorzügliche Studie über Ferdinand Lassalle, mt besonderer Rücksicht auf seine interessanten Beziehungen zum Judentum. Der Artikel ist mit zwölf prächtigen, aktuellen Bildern illustriert. Ferner finden wir in der Nummer Artikel, Gedichte und Novellen von den besten Schriftstellern. Dr. Patai schreibt einen packenden „Brief an eine jüdische Antisemitin“. Eine Serie von Kriegsbildern des jungen ungarischen Malers Rudolf Baltin (im Felde) schmückt das September-Heft der Zeitschrift „Mult es Jövö“, die wahrlich alle Aufmerksamkeit in den weitesten Kreisen des Judentums verdient. Abonnements-Preis: ganzjährig 20 Kronen. Redaktion u. Administration: Budapest VI. Podmaniczky-gasse Nr. 6. Feuilleton Das Buch von den polnischen Juden. Über das neue Verlagswerk des Jüdischen Verlags in Berlin sagt u. a. in der „Schaubühne“ Hugo Bergmann: Man glaubt sie zu kennen. Kennt man sie wirklich? Heine sagt von den Juden — und er dachte wohl an die westlichen —: man kenne von ihnen nur den Bart. Ob man von den Ostjuden jetzt mehr weiß als ein paar angenehme oder unannehme Äußerlichkeiten ihres Lebens? Wer einen Schritt tiefer in das merkwürdige Wesen dieser Menschengemeinschaft eindringen will, hat jetzt einen guten Führer dazu: ,Das Buch von den polnischen Juden“, das S. J. Agnon, ein sehr begabter junger hebräischer Dichter aus Galizien, gemeinsam mit dem um die Verbreitung jüdischer Literatur in deutscher Sprache verdienten Ahron Eliasberg (im Jüdischen Verlag zu Berlin) herausgegeben hat. Das Buch lehrt uns Geschichte, Sitten, Gebräuche, Glauben und Abegglauben den polnischen Juden kennen. Aber es theoretisiert nicht, sondern läßt die Dinge selbst sprechen. Die Herausgeber treten ganz hinter der Sache zurück. Statt uns des langen und breiten von der Einwanderung der Juden nach Polen, von der gastlichen Aufnahme dort, von der Blütezeit und den späteren Verfolgungen zu erzählen, bringen sie auf wenigen Seiten ein paar Dokumente: das Gesetz der Gleichberechtigung von 1389 und die beschränkenden Gesetze, die nach 1538 immer zahlreicher flössen. Und wir wissen genug . . . Die polnischen Juden sind noch heute ahnenstolz, sagen uns die Herausgeber. Man braucht denn auch nur in diesem Buche ein Stück ihrer Geschichte, die zeitgenössische Schilderung der Kosakenverfolgungen zwischen 1648 und 1652 von R. Nathan, Hannover, zu lesen, um zu fühlen, in welch großer Überlieferung diese so leicht verachteten Menschen aufwachsen. Wie aber sind die polnischen Juden von heut? Das ist die dringlichste Frage, die der Leser an die Herausgeber richtet. Sie antworten, Gott sei Dank, nicht mit Verteidigungsreden, die ohnehin niemand glauben würde, sondern drucken ein paar Dichtungen ab. die polnische Juden für polnische Juden geschrieben haben, ein paar Scherze und Schnurren und Sprichwörter. Nun mache sich jeder sein Bild. Er wird ungefähr finden: Die innige Religiosität ist diesen Menschen bis heute geblieben. Es ist nicht, wie man oft hört, Werkheiligkeit bewegter Gebärden. Die ganze Welt ist ihm ein Schauplatz göttlichen und widergöttlichen Geschehens. Überall gibt es Dämonen, sie bewohnen Dachböden,

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