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Das jüdische Echo · 1916-09-15 · 37 (15.9.1916) · p. Seite 341

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
37 (15.9.1916)
Date
1916-09-15
Page
Seite 341 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 87 Das Jüdische Echo 341 Keller und Scheunen, sie sind den Menschen aufsässig; aber der wunderwirkende Zaddik verbannt sie in die Wälder. Um Mitternacht versammeln sich die Geister in der Synagoge und rufen dann wohl auch den Menschen in ihren Verein. Magie wirkt durch alle Welt. Flüche sind Wirklichkeiten; die besorgte Mutter wird im ZimmVer ihrer Kindel geschälte Zwiebeln aufhängen, die Flüche aufsaugen. Und wie köstlich naiv ist mancher Brauch dieser angeblich so geriebenen Menschen. Ein Mittel gegen Seuchen ist, auf die ' Tür zu schreiben: Hier war schon die Cholera. Haben Sprüche und Überlieferungen recht, dann ist die Ehrlichkeit der polnischen Juden besser als ihr Ruf. „Ein Handschlag ist wie ein Schwur“, heißt es da. Und ein Schneider läßt sich die Elle mit ins Grab geben, damit sie dereinst für ihn und seine Ehrlichkeit zeuge. Das sind so einige Züge, die wir aus dem bunten und reichhaltigen Buche herausgreifen. Man möchte ihm die größte Verbreitung wünschen, weil es in der Zeit der tausend persönlichen Gutachten, Meinungen, Berichte so unpersönlich, so ganz sachlich ist. Äus dem Leben des hl. Rabbi Mosche Leib von Sasow.* Wie der Sasower die Mitternachtsklage sprach. Von Martin B u b e r. Rabbi Mosche Leib war ein riesenhaft gewachsener Mann, aber ein schweres Siechtum zehrte an seiner Kraft. Dennoch erhob er sich, auch wenn er am Abend von den Schmerzen erschöpft gewesen war, zu jeder Mitternacht von seinem Lager, ging wach und stark aus seiner Kammer und sprach die Mitternachtsklage um Jerusalem. Darum sagten die Chassidim, das Wort des Hoheliedes „Die Stimme meines Freundes pocht“ sei an ihm offenbart, denn die Stimme der trauernden Gottesherrlichkeit pochte' sichtbarlich in ihm und erweckte ihn. Rabbi Hirsch von Zydaczow war nach Sasow gekommen, um von dem Rabbi die Lehre zu empfangen. Und da er viel von dessen wundersamem Tun um Mitternacht gehört hatte, verbarg er sich einmal, um ihn anzusehen. Um Mitternacht sah er, wie der Sasower Bauernkleider anzog, auf den schneebedeckten Hof ging, eine Last Holz aus dem Keller holte, sie zusammenband und sich damit belud. Dann verließ er das Haus und Rabbi Hirsch folgte ihm in den klirrenden Frost der Winternacht, bis ans Ende der Stadt, wo Rabbi Mosche Leib an einer armseligen Hütte stehen blieb und das Holz ablud. Der Zydaczower schlich sich ans hintere Fenster heran und sah eine Frau mit einem neugeborenen Kind auf dem Bette liegen, sah die leere Stube, den Ofen ohne Glut und sah die Frau zitternd, mit trostloser Gebärde das Kind an ihre Brust pressen. Schon aber stand der Sasower in der Stube und Rabbi Hirsch sah ihn auf die Frau zutreten und hörte ihn sie in ruthenischer Sprache anreden: „Ich habe eine Last Holz zu verkaufen und mag damit nicht weitergehen; willst du mir sie um geringen Preis abnehmen?“ Die Frau antwortete; „Ich habe keinen Heller im Haus.“ Der Rabbi aber ließ sich nicht abfertigen: „Das Geld will ich mir ein andermal bei dir holen, nimm mir nur das Holz ab.“ Die Frau widersprach weiter: „Was *) Aus „Das Buch von den polnischen Juden“. soll mir das Holz? Kann ich es doch nicht in kleine Scheite hauen, und ein Beil ist auch nicht da.“ Darauf der Sasower: „Dafür laß mich sorgen,“ ging vor die Tür hinaus, zog ein Beil hervor und hackte das Holz klein. Und während er das Holz kleinhackte, hörte Rabbi Hirsch ihn den einen Teil der Mitternachtsklage sprechen, der unter dem Namen der Urmutter Lea steht, und in einer Stimme, die hell wie Kindergesang war, drangen die Worte zu ihm: „Wenn der Herr wiederbringen wird die Gefangenen Zions, werden wir wie Träumende sem.“ Dann trug der Rabbi das Holz, sich tief bückend, um durch die niedere Tür Eingang zu finden, in die Stube und heizte den Ofen. Und während er die Scheite hineintat, sprach er mit leiser Stimme wie ein Wiegenlied den anderen Teil der Mitternachtskiage, der unter dem Namen der Urmutter Rahel steht, und beschloß ihn: „Gott erbaut Jerusalem, die Verstoßenen Israels wird er eiinsammeln.“ Sodann verließ er die Stube und ging eilenden Schrittes nach Hause. Am Vorabend des Versöhnungstages. Am Vorabend des Versöhnungstages, zur Zeit, da man Kol Nidre sagen sollte, waren alle Chassidim im Bethaus versammelt und warteten auf den Rabbi. Nach einer Weile aber gedachten sie seiner Weisung, daß man mit dem Gebet nicht auf ihn warten solle, und sie begannen Kol Nidre zu sagen. Als sie damit zu Ende waren, kam der Rabbi. Erst später erfuhren die Chassidim, was ihn Vdem Bethaus ferngehalten hatte. Er hatte unterwegs aus einem Hause das laute Weinen eines Kindes gehört, war eingetreten und hatte gesehen, daß es allein war, denn seine Mutter war ins Bethaus gegangen und hatte es allein gelassen. Da nahm er das Kind in seine Arme und unterredete sich mit ihm und spielte mit ihm, bis es einschlief. Auf dem Jahrmarkt. Es war ein Brauch des Rabbi Mosche Leib, zu den Jahrmärkten zu fahren und da Ausschau zu halten, wo etwa einer seiner Hilfe bedürftig Hof- Bürsten Fabrikant Schäfflerstr. 5 Nordendstr. 17 Fernruf: Nr. 2 V 2 S 1 Bester Ersatz für feine q!st Brösln5 „S1N0L“ sandmandelkleie Bestes und völlig unschädliches Waschmittel für die Haut. — Gesetzlich geschützt. 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