Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 37 (15.9.1916)
- Date
- 1916-09-15
- Page
- Seite 339 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 339 lands hinsichtlich der Wehrpflicht gleichgestellt werden. Der Kongreß in Amerika. Der Orden „Bnei Brith“, der die älteste amerikanisch-jüdische Organisation ist, hatte bisher dem vorbereitenden Kongreß-Komitee gegenüber völlige Reserve bewahrt und letzthin sogar erklärt, daß er auf einem zukünftigen Friedenskongreß selbständig für die Rechte der Juden einzutreten gedenke. Nach der nun erfolgten Einigung in der Kongreßfrage hat der Vorsitzende, Herr Adolf Kraus, dem Vorsitzenden des Friedensausschusses (der aus den Abgeordneten der Kongreß- und der Konferenz- Organisation besteht), Herrn Harry C u 11 e r mitgeteilt, daß der Orden sich der Kongreßbewegung ansclüieße. Die jüdisch - amerikanische Presse begrüßt diese Erklärung mit Befriedigung. Oberrichter Louis D. Brandeis wurde vom Präsidenten Wilson in einen aus drei Mitgliedern bestehenden Staatsausschuß berufen, der die Beilegung des Streites mit Mexiko unternehmen soll. Die jüdische Presse in Amerika. Einer Statistik der „American Association of Foreign Language Newpapers“ zufolge gibt es in den Vereinigten Staaten 55 Zeitungen in jidisclier Sprache, mit einer Auflage von 1.625.748 Exemplaren. Hierbei sind offenbar die hebräischen Blätter nicht mitgerechnet. Zur Lage in Palästina. Auf Anordnung der Behörden wurden aus Gesundheitsrücksichten alle palästinensischen Schulen auf drei Monate geschlossen. — Das jüdische Gesundheitsamt in Jerusalem unterhält seit dem 25. Juni drei Stationen, wo die Bevölkerung gegen Cholera geimpft wird. — Infolge der Choleragefahr wurden Absperrungsmaßregeln getroffen und Massenansammlungen verboten. — Das Gebäude des sefarischen Altenheims in Jerusalem wurde als jüdisches Choleraspital eingerichtet. Zurückgehaltene Medikamente für Palästina. Eine Sendung von Medikamenten im Werte von 15 000 Dollar, die von amerikanisch - jüdischen Kreisen nach Palästina gesandt worden waren, sind von den englischen Zollbehörden in Alexandrien zurückgehalten worden. Die amerikanische Regierung bemüht sich um die Freigabe dieser Medikamente. Ob ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden, ist umso wissenswerter, als dem zionistischen Frauenverein „Hadassah“ 25 000 Dollar zur Verfügung gestellt wurden, um eine Expedition von Ärzten und Schwestern und eine weitere Sendung von Medikamenten nach Palästina abgehen zu lassen, deren Abreise nur noch von der Einwilligung der englischen Behörden abhängt. Jüdischer Nationalfonds. Die Spendeneingänge des JNE während des Monats August beliefen sich auf M. 84 184.—. Dieser Betrag verteilt sich auf die nachtstehenden Länder: Nordamerika M. 25 921, Österreich M. 23 670 (davon aus den besetzten Gebieten M. 2196), Deutschland (incl. besetzte Gebiete) M. 9048, Argentinien M. 7706, Ungarn M. 2886, Holland M. 2613, England M. 2414, Bulgarien M. 2342, Rumänien M. 1956, Südafrika M. 826, Britisch Indien M. 816, Siidslav. Länder M. 758, Portugal M. 750, China M. 722, Neu-Seeland M .419, Ägypten M. 382, Belgien M. 366, Rußland M. 324 und Italien M. 265. In der bei Holland verzeichneten Summe ist die erste Rate der Einkünfte vom „Feldzuge“ des Niederländischen Zionistenbundes inbegriffen. In den Tagen vom 20. bis 25. August haben Gruppen von Propagandisten, insbesondere Studenten und junge Kaufleute, die verschiedenen Provinzen der Niederlande bereist und fast in allen Städten mit jüdischer Bevölkerung zionistische Versammlungen abgehalten, nachdem vorher die Bewohner des Ortes durch Hausbesuch der Feldzugteilnehmer dazu eingeladen worden waren. Die anläßlich dieser Veranstaltungen herausgegebene Eeldzugmunmer des „Joodschen Wächter“ wurde in einer Auflage von 20 000 Exemplaren in allen jüdischen Kreisen verbreitet. Das ideelle und materielle Ergebnis des Feldzuges ist recht befriedigend. Eine Reihe neuer Mitglieder wurden gewonnen, und die gesammelten Spenden erreichten nahezu 5000 Mark, wovon der größte Teil für den Genossenschaftsfonds bestimmt ist. In diesen Tagen erscheint Heft Nr. 1 von „Erea Israel“, Mitteilungen des Hauptbüros des JNF. Das Heft befaßt 'sich in der Hauptsache mit den Problemen der Kolonisationsarbeit in Palästina; daneben behandelt es Fragen der Organisation und Propaganda des JNF. Die erste Nummer von „Erez Israel“ enthält folgende Beiträge; 1. Teil: N. G„ die Kolonisations- und Werbearbeit des Jüdischen Nationalfonds; Nehemia de Lieme, Ober Palästina-Arbeit; Ing. Agr. J. Oettinger, Die praktischen Vorteile der Erbpacht; J. 0„ Förderung des Gemüsebaues in Palästina durch den JNF.; Literatur-Nachweis über Palästina und Kolonisation. 2. Teil: Der JNE in der Kriegszeit; Abraham Robinsohn, David Wolftsohn’s Eltern (zu seiner zweiten Jahrzeit); Von der Kleinarbeit; Nationalfonds-Kalender; Porträtmarken des JNF; Notizen. Bestellungen für „Erez Israel“ (Preis der Nr. 1: M. 1.—, Kr. 1.30, Frs. 1.20), sind zu richten an den Jüdischen Verlag, Berlin W. 15, Sächsische- Straße 8. literarisches Echo Martin Buber: Die jüdische Bewegung. Gesammelte Schriften und Ansprachen 1900—1915. Jüdischer Verlag, Berlin 1916. Martin Buber hat in kurzer Aufeinanderfolge zwei Bücher erscheinen lassen. Das erste1) könnte als das Buch des Judentums bezeichnet werden. Es ist hier schon gewürdigt ’ worden. Das zweite, über das einige Wort der Wertung gesagt sein mögen, erscheint mir als das Buch vom Werden des Juden, besser vielleicht: eines Juden, des Juden Martin Buber. Es ist eine rückschauende Sammlung, beginnend von den Tagen, da unsere „Jungen“ „sich um neue Fahnen scharten“, da die ’ „jüdische Renaissance“ das Losungswort wurde, geführt bis in die Zeit, da die Judenheit in Europas Kulturkatastrophe verflochten wurde. Die ersten Aufsätze Bubers sind von Achad - Haams Ideen beeinflußt. Der Aehad-Haam’sche Begriff des geistigen Zentrums des jüdischen Volkes wird hier aufgenommen und in die Aktionssphäre des damals stark pulsierenden Zionismus 0 „Vom Geist des Judentums“. Verlag Kurt Wolff, Leipzig.