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Das jüdische Echo · 1916-09-08 · 36 (8.9.1916) · p. Seite 328

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
36 (8.9.1916)
Date
1916-09-08
Page
Seite 328 (sequence 6)
Language
German
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328 Das Jüdische Echo Hilfsgelder für Europa hat miiiniehr dazu geführt, daß das. „Gemeinsame Verteiluiigskomitee der Fonds für die jüdiischen Kriegsleidenden“ eine Kommission von 6 Mitgliedern ernannt hat, von denen zwei ständig in Russisch-Polen, verbleiben, während die übrigen vier nach zwei- bis dreimonatigem Aufenthalt in Europa nach Amerika zurückkehren sollen, um Bericht zu erstatten. Die Kommission besteht aus den Herren Abel, Abramowicz, Billikoff, Dr. Bogen, Dr. Magnes, Penkin; Vorsitzender der Kommission ist Dr. Magnes, der sich bereits in Europa befindet. Die amerikanische Regierung hat ihre Botschafter beauftragt, der Kommission bei ihren Arbeiten behilflich zu sein. Die Kommission hat den Auftrag erhalten, die ganze Hilfskraft der amerikanischjüdischen Hilfsfonds als völlig unabhängig zu organisieren. Die Gelder sollen von jetzt ab direkt durch die amerikanische Botschaft überwiesen und durch Komitees verteilt werden, welche die amerikanische Kommission einsetzen wird. Oberrichter L. D. Brandeis ist von der Mitarbeit am American-Jewish Relief Committee und am Joint Distribution Committee (den Kriegshilfsverbänden) zurückgetreten. Dieser Schritt ist wohl darauf zurückzuführen, daß es Herrn Brandeis in seinem neuen Amte als Oberrichter nicht mehr möglich ist, in der bisherigen Weise in der jüdischen Öffentlichkeit zu wirken. Teilweise haben ihn auch die gehässigen Angriffe seiner Gegner zum Rücktritt veranlaßt. Natürlich denkt Herr Brandeis nicht daran, sich von der jüdisch-nationalen Tätigkeit und den Arbeiten des Provisional Zionist Executive Committee zurückzuziehen. i Der amerikanische Botschafter /in Konstantinopel. Am 18. Juli ist Abraham J. Elkus vom Präsident Wilson als Nachfolger Henry Morgenthaus, der seine Wahl sehr empfohlen hatte, zum amerikanischen Botschafter in Konstantinopel gewählt worden. Herr Elkus, der im 50. Lebensjahre steht, ist ein unabhängiger Demokrat, der den Präsidenten Wilson bei seiner Wahl-Kampagne 1912 tatkräftigst unterstützt hat. Er betätigt §ich seit vielen Jahren in sozialer Arbeit, und seine Bestrebungen zur Besserung der Lage der arbeitenden Frauen und Kinder verdienen besonders hervorgehoben zu werden. Von ihm rühren die 35 Vorschläge her, die heute als „Fabrikgesetze“ in den Vereinigten Staaten bekannt und in vielen Staaten nachgeahmt worden sind. Herr Elkus hat sowohl in der juristischen Fachwelt wie in der national-ökonomisch-wissenschaftlichen Welt einen sehr guten Namen; er ist von der St. Lawrence-Universität zum Ehrendoktor ernannt worden. Seine Wahl als Nachfolger des Herrn Henry Morgenthau wird von der amerikanischen Judenheit aufs wärmste begrüßt. Herr Elkus nimmt lebhaften Anteil an allen jiidi- Nr. 36 sehen Fragen und hat sich aucli init der Wissenschaft des Judentums viel bschäftigt. Kulturarbeit im Osten. Die Gesellschaft „Arbeiterheim“ in Warschau hat folgende Erweiterung ihrer bisherigen Tätigkeit beschlossen: Gründung eines Verlags zwecks Herausgabe wöchentlicher oder anderer periodischer Schriften für jüdische Arbeiter; Bildung eines Unterstützungsfonds für Arbeitslose durch Selbtbesteuerung und verschiedene Veranstaltungen; Einrichtung von Kinderheimen, Arbeiterküchen, Abendkursen und professionellen Unterricht in den verschiedenen polnischen Provinzen und Schaffung medizinischer, juristischer und kultureller Hilfe für die jüdischen Arbeiter. Der Verein „Hasomir“ in Warschau gründete eine Gesellschaft „Artistische Ecke“, die sich zum Ziele setzte, angehenden jüdischen Schauspielern die Möglichkeit zu verschaffen, durch Aufführung verschiedener jüdischer und nichtjüdischer Werke in jüdischer Sprache ihre Fähigkeiten zu betätigen und weiter zu entwickeln. Laut Veröffentlichung des Lodzer Magistrats befinden sich z. Z. in Lodz 34 jüdische, 40 deutsche und 60 polnische Volksschulen, in denen der Unterricht unentgeltlich erteilt wird. Auf der letzten Versammlung des jüdischen Bildungsvereins in Lodz wurde beschlossen einen neuen Satz in die Vereinsstatuten einzuschließen, wonach der Hauptzweck des Vereins ist: Verbreitung von Bildung zwischen den jüdischen Massen in jüdischer Sprache. ln Lodz wurde ein neuer zionistischer Verein „Haschachar“ gegründet, der bereits eine Teehalle und einen Lesesaal errichtet hat. Dortselbst wurde eine „Jüdische Gesellschaft für Literatur und Kunst“ gegründet, die eine jüdische Volksbibliothek, sprachliche und wissenschaftliche Kurse, literarische und künstlerische Veranstaltungen einzurichten unternimmt. Heinrich Graetz’s 25jähriger Todestag. Am 7. September d. J. sind 25 Jahre verflossen, seitdem Dr. Heinrich Graetz, Professor an der Universität Breslau und Dozent am dortigen jüdisch-theologischen Seminar starb. Ursprünglich ein Schüler des bekannten Führers der Orthodoxie Hirsch in Frankfurt a. M.. stand er später im Gegensatz zu seinem einstigen Lehrer. Es ist hier nicht die geeignete Stelle, um auf den geistigen Kampf der beiden Männer, deren jeder nach seiner Art bedeutend war. einzugehen; beide dienten dem Judentum und haben ihre beste Kraft hiefiir eingesetzt. Graetz hat sieh unvergleichliche Verdienste durch seine elfbändige „Geschichte der Juden“ erworben, ein Werk, das bisher einzig in seiner Art ist und das ins Hebräische, Französische, Englische und Russische übersetzt wurde. Hauptsächlich dieser Arbeit verdankt Graetz seinen Weltruhm. J.F. Präparate unterdrücken die Bildung von Darmgiften, regeln unschädlich Verstopfung, Magenu. Darmkatarrh, erleichtern die Ältersbeschwerden. Glänzende Anerkennungen. Erhältlich in Apotheken u. Drogerien, wenn dort nicht zu haben, auch direkt zu beziehen Prospekte u. Proben kostenlos. Chem.-Bakt. Labor. Dr. E. Klebs, München, Schillerstr. 28 A iv

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