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Das jüdische Echo · 1916-09-08 · 36 (8.9.1916) · p. Seite 324

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
36 (8.9.1916)
Date
1916-09-08
Page
Seite 324 (sequence 2)
Language
German
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324 Das Jüdische Echo Nr. 36 über die Aufnahmefähigkeit Palästinas und die wirtschaftlichen Möglichkeiten in diesem Lande zu nennen. Wiir haben vor einigen Wochen auf den sehr bedeutungsvollen Aufsatz von Professor Dr. C. B a 11 o d hingewiesen, der in der „Europäischen Staats- und Wirtschaftszeitung“ erschienen ist. Professor Ballod kam in diesem Aufsatz zu dem Ergebnis, daß die bewässerbaren Flächen Palästinas vollkommen ausreichen würden, um einer Bevölkerung von 6 Millionen Juden ihren Bedarf an Nahrungsmitteln sicherzustellen, ja daß durch den Export von Früchten ein beträchtlicher Verkaufsüberschuß erzielt werden könne. Die Kosten für die Ansiedelung dieser 6. Millionen Menschen schätzte Prof. Ballod auf rund 3Va Milliarden Mark — ein Betrag, der nicht ganz so unerschwinglich ist, wie er im ersten Augenblick erscheint, wenn man nur bedenkt, daß ein recht ansehnlicher Teil der einwandernden Ostjuden nicht besitzlos, sondern völlig imstande ist, den notwendigen Betrag von Mk. 600.—■ pro Kopf selbst aufzubringen, und daß weiter das Großkapital zu einer geschäftsmäßigen Betätigung bei dieser Ansiedlung veranlaßt werden kann. Die großen industriellen Möglichkeiten ließ Prof. Ballod in diesem Aufsatze noch unerwähnt. So wichtig diese Berechnungen eines zuverlässigen Wissenschaftlers sind, so wird sich selbstverständlich die zionistische Leitung nicht berechtigt fühlen, für ihre Arbeitspläne und -aussichten das Höchstmaß des Erreichbaren zur Grundlage zu nehmen. Umso wertvoller ist es, daß der bekannte Orientforscher und seit Jahren als Realpolitiker bekannte Zionist Davis Trietsch im letzten Heft des „Juden“ auseinandersetzt, daß selbst bei einer Herabsetzung des Ballodschen Maximalprogrammes auf den zehnten, ja den hundertsten Teil seines Ausmaßes an den Grundlagen des Planes nicht gerührt zu werden braucht. Unter einen Kolonisationsplan, der mit der etwa gleichzeitigen Ansiedlung von 60 000 Menschen mit einem Kapital von ca. 35 Millionen rechnet, herunterzugehen, hält Trietsch überhaupt nicht für zweckmäßig, da seiner Meinung nach die bisherige Kleinheit der Erfolge mit der Kleinheit der Kolonisationsarbeit in regster Beziehung stand. Im einzelnen bleiben bei Trietschs Berechnungen die Durchschnittskosten für Landkauf und Bewässerung einschließlich Elektrizitätswerke, Bauten und Inventar noch weit hinter den von Ballod angegebenen zurück. In diesem Aufsatz, sowie in einer kürzlich als Sonderabdruck aus der Zeitschrift „Panther“ erschienenen Arbeit „Die östliche Jndenfrage“ (in der er übrigens die Ansiedlungskosten pro Familie mit nur 2000 Mk. angibt) weist Trietsch außerdem auf die noch unermeßlichen i n d u - Eigene Verkaufsstelle: München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Karlsplatz 25 (Hotel Königshof) s t r i e 11 e n Möglichkeiten Palästinas hin. hi der industrialisierten Landwirtschaft, wie sie sich in der Gartenstadt oder dem Industriedorf entwickeln kann, sieht er unbegrenzte Möglichkeiten für ostjüdische Einwanderer in Palästina, umsomehr als Palästina, wie er uns an anderer Stelle (in der „Europ. Staats- und Wirtschaftszeitung“) auseinandersetzen wird, an Rohstoffen und motorischen Kräften besonders reich ist. Selbst wenn wir diese weitere Entwicklung der jüdischen Einwanderung in Palästina unbeachtet lassen, so bleibt doch — nach Trietsch - die Tatsache bestehen, daß Palästina für die baldige Aufnahme von 600 000, mindestens von 60 000 jüdischen Einwanderern geeignet ist, und daß das Unternehmen ihrer Ansiedlung so aussichtsreich erscheint, daß man ruhig den Versuch machen darf, deutsches Großkapital dafür heranzuziehen. Wir wissen noch nicht, wie sich die zionistische Leitung zu den Trietsch’schen Ausführungen stellt (den Ballodschen Aufsatz schien das offizielle Parteiorgan hinsichtlich seiner propagandistischen Wirkung zu bewerten). Umso lieber wäre es uns zu erfahren, ob wirklich die Partei sich deshalb von einer Mitarbeit der Judenfrage in Polen völlig zurückhält, weil auch sie nach Eriedensschluß mit der Verpflanzung von 60 bis 600 000 Juden nach Palästina, also mit einer Lösung, zum mindesten einer Besserung der polnischen Judenfrage auf rein zionistischem Wege rechnet. In diesem Falle natürlich würden weite jüdische Kreise sich mit der Haltung der Partei in der Ostjudenfrage einverstanden erklären. Protest gegen Rumänien. Der bekannte Rechtsamvalt Leo Wolfsohn in New-York, ein geborener Rumäne und angesehener Führer der rumänischen Juden in Amerika, veröffentlichte den „Jüdischen Nachrichten“ zufolge in der Presse unter der Überschrift: „Vor dem Gericht der zivilisierten Welt“ folgenden Protest gegen Rumänien. Ich klage Rumänien vor der zivilisierten Welt an, weil es mehr als eine Viertel Million Juden, die das Unglück haben, in diesem Lande zu leben, unterdrückt, verfolgt und martert. Ich beschuldige die rumänische Regierung, daß sie grausame und unmenschliche Gesetze gegen die Juden gemacht hat, wreil sie von bösen Absichten und von schändlichen Plänen geleitet w'ird, die jüdische Bevölkerung zu schädigen. Ich beschuldige Rumänien, daß es jedes Gesetz zu ungunsten der Juden kommentiert. Die Juden können daher von der rumänischen Regierung keine Gerechtigkeit erwarten. Ich behaupte, daß Rumänien das Versprechen gebrochen hat, das es durch den Berliner Vertrag abgegeben hat, den Artikel 44 durchzuführen, und daß es durch allerlei Mittel und Fälschungen diese den Juden garantierten Rechte wertlos und illusorisch gemacht hat. Um die Wahrheit meiner Beschuldigungen zu beweisen, will ich hier die Beschränkungen anführen, denen die rumänischen Juden durch die Gesetzgebung unterworfen sind: Die Juden w'erdeu nicht als rumänische Bürger betrachtet, ja nicht einmal als rumänische Untertanen. Sie befinden sich in der Lage von Ausländern, ohne aber irgend Vielehen ausländischen Schutz zu genießen. Sie können das Bürgerrecht nur erwerben durch

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