Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 35 (1.9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 317 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo m Und dann auch in einer viel späteren Periode die Greueltaten von Kischinew und Gomel. Die deutschen Juden mit ihrem Organisationstalent, mit ihrer Ordnungsliebe, mit ihrer Voraussicht dessen, .was Amerika nottut, und wie überhaupt auch für die vom Glück nicht Begünstigten gesorgt werden muß, sind die Urheber und Begründer des Ordens „Bnai-Brith“, einer Organisation, die bekannt ist, and deren segensreiche Tätigkeit sich auch auf außer - amerikanische Länder erstreckt. In Distrikte eingeteilt und in allen größeren Städten heimisch, sorgte diese Gesellschaft in erster Linie für allgemein-nützliche Erziehungsinstitute, gründete Waisen- und Krankenhäuser, und dank dieser Voraussicht kann die amerikanische Judenheit ohne Überhebung mit Stolz auf eine philanthropische Tätigkeit hinweisen, die ihresgleichen in der ganzen Welt nicht hat. Leider sind heute diese Anstalten nicht mehr genügend, und in allen amerikanischen Großstädten steht das Gesamt- Judentum vor Aufgaben, die zu lösen ein fast unüberwindlich scheinendes Problem bilden. (Schluß folgt.) Welt-Echo Einigung in der Amerikan.-JUd. Kongreß-Frage. Am 16. Juli fand in New York eine von dem Amerikan.-Jüd. Komitee unter dem Namen „Konferenz national-jüd. Organisationen“ einberufene Tagung statt, an der 70 Delegierte als Vertreter von 27 Organisationen teilnahmen. Loui9 Mar. s h a 11 wurde zum Vorsitzenden, Jacob P a n k i n zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Es fanden drei sehr erregte Sitzungen statt. Auf der zweiten Sitzung erschien vom Amerikan.- Jüd. Kongreßkomitee Louis D. B r a n d e i s, Hugo P a m und Leon Sanders. Brandeis stellte in längerer Rede die Unterschiede zwischen den Absichten des Amerikan-Jüd. Komitees und dessen Anhängern und den Vertretern des Kongreßjudentums dar. Das schließliche Ergebnis der Verhandlungen war die Wahl eines Friedenskomitees. Dieses tagte sofort. Sowohl die Vertreter der Konferenz wie auch die des Kongreßkomitees stimmten für die Abhaltung eines jüdischen Kongresses in Washington in der Zeit zwischen 1. September und 31. Dezember ds. Js. Es ist von höchster Bedeutung, daß eine Bini* gung in der Kongreßfrage erzielt worden ist. « Der Zwangsdienst ln England. Wie eine Reihe 'deutscher Tageszeitungen meldet, hat Minister Samuel den Abschub der in England lebenden russischen Juden eingestellt. Die, welche aus Gewissensbedenken den Eintritt in das englische Heer verweigern, sollen in anderer Weise dem Staate Dienste leisten. Der Anspruch auf ungehinderte Auswanderung wurde jedoch nicht anerkannt, b Herzlwoche in Lodz. In Lodz wurde der zwölfte Todestag Theodor Herzls in feierlichster Weise begangen. Die Feiern erstreckten sich über eine volle Woche. Am Vorabend des Todestages wurde in der Synagoge „Ohel Jacob“ und dem Bethaus „Mischhan Israel“ Gedenkfeiern veranstaltet» am Todestage selbst in drei weiteren Bethäusern. Bei einer Trauerfeier im Volkshause erfolgte ein Aufmarsch der Pfadfindergruppe „Herzliah“. Eine große Reihe von Vereinen veranstaltete eindrucksvolle Sondferfeiern. Hierbei wurden ansehnliche Summen für~den. Herzlwfaid und den Jüdischen Nationalfonds gesammelt. . \ Kulturarbeit Im Osten. Der Lodzer HilJfsverein für jüdische Schulkinder hat ab 26. ds. die Verpflegung jüdischer Kinder mit ungekochten Speisen an den Samstagen eingeführt; nach diesen Mahlzeiten werden erzieherische Vorlesungen für die Kinder veranstaltet. In der Lodzer Altstadt bildete sich ein neues „Kinderheim“, das die jüdischen Pfleglinge mit Bildung, Verköstigung und Kleidung versorgt. Der jiddisch nationale Volksbildungsverein „Hathechijah“ feiert am 5. September sein einjähriges Jubiläum durch Vorlesungen und Vorführung jüdischer und hebräischer Werke. In Petersburg wurde eine neue „jüdische Gesellschaft Arbeit und Ruhe gegründet, die sich der Erziehung jüdischer Kinder außerhalb der Schule gewidmet hat. Die am fcl. August an Polozk ab'gehaltene Konferenz der Vorsteher der jüdischen Turn- und Sportvereine gestaltete sich zu einem wahren jüdischen Turnfest, an dem sich etwa 200 Personen beteiligten, und da9 einen starken Eindruck bei den Anwesenden hinterließ. Nachklänge zum DeUis-Prozeß. Wie das „Kopenhagener Wochenblatt“ erfährt, ist für den 24. Oktober der Prozeß gegen den russischen Schriftsteller Korolenko angesetzt, der sich wegen eines zur Zeit des Beilis-Prozesses in der „Rußki Wjedomosti“ veröffentlichten Artikels unter dem Titel „Die Geschworenen“ zu verantworten haben wird. In diesem Artikel beschuldigt Korolenko das Gericht, es habe tendenziös zu Geschworenen nur Personen mit geringer oder gar keiner Bildung und Kultur ausgewählt. Gleichzeitig mit Korolenko ist auch der Redakteur der „Ruß. Wjed.“ angeklagt. Die Verteidigung hat der berühmte jüdische Advokat Grusenberg, der Verteidiger Beilis’, übernommen. Grusenbergs Antrag, zur Verhandlung eine ganze Reihe gewisser Personen als Zeugen zu laden, ist vom Gerichte abgelehnt worden. literarisches Echo „Krieg und Ethik“, Vortrag von Prof. Dr. J. Hirsch, Rabbiner in Prag-Karolinenthal, Verlag J» Kauffmann, Frankfurt a. M. An den Grenzen Rußlands. Elf Abhandlungen aus der Sammlung „Der Weltkrieg“. Herausgegeben vom Sekretariat sozialer Studentenarbeit. Erschienen im Volksvereins-Verlag G. m. b. H. M.-Gladbach. Inhalt: Der Krieg und die Polen (Baehem). Das russische Volk (Kayser). Die russische Kirche (Merkl). Kurland (Brentano). Der Weltkrieg und Litauen (Brunavietis). Litauen und Beßarabien (Schramatis). Die Ukraine (Kisky). Die Russen im Lemberg (van Gember). Rumänien (Krause). Bulgarien (Krauß). Rußland: Serbiens Totengräber (Gopcevic). „Vom jüdischen Mittelstand“. Beiträge zur Kritik des jüdischen Handwerkers u. a. Mit drei Abbildungen nach Gemälden von Prof. Max: Liebermann und einer Notenbeilage von Arno Nadel. Inhalt des Heftes: Ludwig Haas-Karlsruhe, M. d. R.: „Der Antisemitismus nach dem Kriege“; Nachum Goldmann-Berlin: „Über die Bedeutung und Aufgabe des jüd. Handwerks“; Georg Gatbein.