Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 35 (1.9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Das Jüdische Echo ter, Dem Juden zollen wir Respekt, der tapfer zu seiner Rasse hält. Wir respektieren hingegen den Juden nicht, der seine Rasse verläßt. Mr. Samuel braucht nicht zu fürchten, daß man von ihm Sagen könnte, er wäre nicht geeignet zum Minister, weil er die Partei der Juden nimmt. So lautet unser Urteil nicht. Wir sagen von ihm, daß er ungeeignet ist zum Minister, weil er nicht fähig ist, gerecht zu den Juden zu sein. Von den Juden Amerikas. (Aus einem Vortrage des amerikanischen Journalisten Dr. L. Darmstädter.) Die ersten Juden, die in New Amsterdam — dem heutigen New York —■ im Spätjahr 1654 landeten, waren 27 aus Brasilien eingewanderte Familien. Juden spanischer Herkunft, die nach der Vertreibung durch das Verdikt von 1492 nach Holland vertrieben, und später, als die brasilianischen Kolonien noch im Besitz der Niederlande waren, nach Südamerika auswanderten. Mit Glücksgütern waren die ersten jüdischen Einwanderer nicht versehen. Zur Bezahlung ihrer Überfahrt brachten sie verschiedene brasilianische Waren auf dem Segelschiff nach dem Ziel ihrer Reise, konnten aber durch den Verkauf derselben nicht genug erzielen, um die Überfahrt an den Kapitän bezahlen zu können. Zwei der Herren wurden deshalb auf die Anklage des Kapitän La Motthe verhaftet und erst nach längeren Verhandlungen war es möglich, sie wieder in Freiheit zu setzen. Der holländische Gouverneur und gleichzeitiger erster Bürgermeister des damaligen New York, Peter Stuyvesant, war von der Ankunft der spanischen Juden durchaus nicht entzückt. Er berichtete an die holländische Regierung und fügte in seinem Bericht hinzu, daß nach seiner Ansicht die Juden überhaupt nicht zugelassen werden sollten. Aber eine so tolerante Regierung wie die niederländische, die doch den vertriebenen Juden aus Spanien ein Asyl gewährte, wollte sich nicht in Widerspruch zu ihrer früheren Stellungnahme setzen, und die Antwort an den Gouverneur war die, daß eine Nichtzulassung der Juden gegen Vernunft und Gerechtigkeit verstoße. Zwischen den Neuangekommenen und dem Gouverneur wurde aber eine Übereinkunft getroffen, daß den Juden Asylrecht und Handelsfreiheit nur unter der Bedingung gewährt sei, daß sie selbst für ihre Bedürftigen Sorge tragen, und sie keinem öffentlichen Gemeinwesen zur Last fallen dürften. Ein Vertrag, der seit seinem Bestehen bis auf den heutigen Tag von den jüdischen Kontrahenten buchstäblich gehalten worden ist. Zwei Jahre später versuchte einer der Ansiedler Grundeigentum zu erwerben, jedocK wurde die Erlaubnis nicht gegeben, und eine spätere Bemühung, wenigstens ein Grundstück für Friedhofszwecke eignen zu dürfen, wurde mit der Begrüdung abgelehnt, daß eine solche Notwendigkeit gar nicht vorläge. Erst als wenige Wochen später der erste Jude starb, konnte sich Peter Stuyvesant entschließen, den neuen Einwanderern das Recht zu geben, ihre Toten zu begraben. Von diesem ersten Friedhof in New York sind im New Yorker Museum noch Grabsteine vorhanden. Zwanzig Jahre später nahmen die, Engländer von den niederländischen Kolonien Besitz. Aber sie hatten weniger Duldsamkeit, und die meisten der eingewanderten, kaum seßhaften brasilianischen Juden siedelten nach Newport News über. Rhode Island war damals unter Sir William Rogers, dem bekannten Gründer der Rhode Island Kolonie, der einzige neue Staat, wo Toleranz auch in der Praxis geübt wurde. Die jüdische Kolonie in Newport News entwickelte sich merkwürdig schnell zu ihrem Besten und selbst zum Segen des vom Staat bewilligten Asylrechts, und mit Stolz weisen heute die amerikanischen Geschichtsschreiber auf diese Handvoll portugiesischer Juden hin, die durch ihren Patriotismus und ihre Aufopferungsfähigkeit einem George Washington drei Millionen Dollar in barem Gelde überwiesen, um den Kampf für die Unabhängigkeit der dreizehn Kolonien mit England aufnehmen zu können. Der Dankbrief von George Washington an die Juden von Newport, der heute noch als eines der wertvollsten Dokumente von der jüdisch-historischen Gesellschaft Amerikas bewahrt wird, legt Zeugnis ab von dem Bestreben der Neuankömmlinge, sich ihrem neuen Vaterland als wahre Patrioten zü erweisen. Etwtes später wurde die Rhode Island-Kolonie durch neue Einwanderer vermehrt. Portugiesische Juden aus London und Amsterdam kamen in großer Anzahl über das Meer, und viele davon siedelten sich in Savannah und Charleston, Nord Carolina, an. Die älteste größere jüdische Gemeinde etablierte sich Ende des 18. Jahrhunderts, während und nach der Revolutionszeit in Philadelphia. Der Bedeutendste, der in der amerikanischen Geschichte als Ratgeber und Freund von George Washington eine Rolle gespielt hat, war Hayem Salomon, ein Kaufmann in Philadelphia, aus Lissa in Posen eingewandert, der seinem Freunde, dem „Vater des Vaterlands“, wie der erste Präsident der Union genannt wird, 800 000 Dollar borgte, ein Betrag, der heute noch als offene Staatsschuld an die Familie und die Nachkommen Salomons zurückzuzahlen wäre. Alle Bemühungen der Erben Salomons, von der amerikanischen Regierung das Geld zurückzubekommen, sind an den Advokatenkniffen der Kong!reß-Abgeordneten gescheitert, und man hat sich immer dahin ausgeredet, daß Amerika für die Privatschulden des ersten Präsidenten nicht aufzukommen habe. Aber in Anerkennung der Wohltat, die Salomon seinem Freunde geleistet, wurde später eine Denkmünze geprägt, die heute noch im Besitze der Familie Salomon sich befindet und mehr als alles andre den großen Undank dokumentiert, den ein Land wie Amerika durch Verweigerung der Zahlung dieser Ehrenschuld sich nicht entblödet an den Tag zu legen. Ja* r«* i-t ■ ■ ■ & jjf (&• Weil- .ln lfc licHüi' iereu von T\ sball zu & Es';, ki der M Kon Pas t i^eie: seht:! Afe iatets Das wir die sofort. iiWafombtt Es- Größere Einwanderungen von Europa brachte erst das Jahr 1848, und namentlich setzte ein Zustrom aus Süddeutschland, aus Bayern und auch aus Elsaß-Lothringen ein. Mit dieser Epoche fällt ja auch das kalifornische Goldfieber zusammen. Kaliforniens Judenheit stammt meistens aus den süddeutschen Kleinstaaten. Später hat die polnische Revolution von 1862 eiaen großen Strom von Juden nach allen amerikanischen Städten gebracht, und während des Bürgerkrieges haben auf beiden Seiten (nach einem zuverlässigen Geschichtswerk von Dr. Simon Wolff in Washington) über 4000 Glaubensgenossen für die Abschaffung oder für die Beibehaltung der Sklaverei mitgekämpft Nach Wolffs ^zuverlässigen Angaben waren es aber doch nur wenige Hundert, die für die Südstaaten eintraten. Eine große, starke Einwanderung, einen kaum geahnten alles vorherige in den Schatten stellenf,erl ^strom, haben erst die Judenverfolgungen Kußlands, anfangs der achtziger Jahre bewirkt. > *«S£ oaui «ssej (leer Ner* kJa« &