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Das jüdische Echo · 1916-08-18 · 33 (18.8.1916) · p. Seite 302

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
33 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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302 Das Jüdische Echo Nr. 33 steiler Philosophow weist in russischen Zeitungen auf die entwürdigende Behandlung der Juden hin und meint, ein offenes Verbot des Besuchs von Kurorten durch Juden sei weniger unmenschlich als das gekennzeichnete Vorgehen. Die Russen in Galizien. Unter der Überschrift „M a ß n a h rri e n gegen Verhehl n n g“ veröffentlicht die angesehene Moskauer Zeitung „Russkija Wedomosti“ vom 16.129. Juli 1916 den „Jüdischen Nachrichten“ zufolge folgendes Telegramm ihres Korrespondenten in Kiew: „Durch einen Tagesbefehl an die Armeen der Südwest-Front schließt der Oberkommandierende General B r u s s i 1 o w aus der Kompetenz der Zivilgerichte alle Gerichtssachen wegen Desertionen und Verhehlungen von Juden aus und übergibt sie der Kompetenz der Kriegsgerichte. Für die Verleitung zum Desertieren ist die Strafe für die im Militärdienst stehenden Juden bis auf 6 Jahre Verbesserungsanstalt oder bis 8 Jahre Zwangsarbeit e r h ö h t worden. Es ist ferner beantragt, außerdem den jüdischen Gemeinden, in welchen sich die jüdischen Deserteure verbergen, Geldstrafen aufzuerlegen. Dieser Tagesbefehl bezieht sich auch auf die von russischen Truppen besetzten Gebiete in Galizien.“ Eine Million Dollar fiir Palästina-Arbeit. In Amerika fand kürzlich die diesjährige Jahresversam m 1 u u g der amerik a n i s c h e n Z i o n i s t e n f e d e r a t i o n statt. Über diese Versammlung liegen genauere Mitteilungen noch nicht vor. Die Zeitungen erhielten jedoch die telegraphische Mitteilung, daß ein besonderer Ausschuß mit der Gründung einer Gesellschaft beauftragt wurde, die ein eingetragenes Kapital von einer Million Dollar besitzen und deren Aufgabe es sein soll, die jüdischen Kolonien zu erhalten und die wirtschaftlichen Quellen des Landes auf einer kaufm ä n n i s c h e n G r u n d 1 a g e zu erschließen. Dieser inmitten des Krieges und der durch ihn bedingten Ungewißheit gefaßte Beschluß beweist, mit welchem Vertrauen man in Amerika auf die Entwicklungsfähigkeit der palästinensischen Kolonisten blickt. Literarisches Echo Türkische Frauen. Von Carl Franz E n d r e s. Verlag A. Hertz, München. Die Forschheit des Soldaten, der offene Blick des klugen Erforschers unbekannter Länder und Sitten, das gründliche Wissen eines sehr Gebildeten und die Plaudergabe eines Geistreichen — das gibt eine gute Mischung. Und diese Mischung findet sich in Major Carl Franz Endres und seinem Büchlein „Türkische Frauen“. Im leichten, neckischen Plauderton erzählt er uns von den Frauen Konstantinopels, den Türkinnen, Griechinnen, Levantincrinnen, Jüdinnen und manchen andren. Aber auf dem Grunde der leichten Plauderei liegt doch ein ganz stattliches Maß von solidem Wissen, und wenn man das hübsche Büchlein ausgelesen hat, so weiß man von den Menschen des Orients mehr als nach dem Studium manch eines dickleibigen Folianten. „Die Lage des jüdischen Volkes in Rußland“. Reden, gehalten in der Duma. Übersetzt und mit einem Geleitwort versehen von Prof. Dr. S. Kalischer. Verlag C. A. Schwetsehke & Sohn, Berlin W. 57. Feuilleton Der Diamant. Von J i z c h o k Leib P e r e z. Deutsch von Alexander E 1 i a s b e r g. Es lebte einmal — so erzählte der alte Reb Schleime im Bethause — es lebte einmal ein Ansiedler. Er war fremd im Dorfe, in dem er wohnte, er hatte mit niemand etwas zu schaffen, und niemand hatte mit ihm zu schaffen. Er sprach eine andere Sprache als alle Leute im Dorfe, und niemand verstand ihn. Auch wollte ihn niemand verstehen. Einmal fand der Ansiedler einen Diamanten. Er verstand sich zwar nicht recht auf solche Dinge, war aber auch nicht so dumm, um den Stein gegen eine Maß Weizen einzutauschen. Der Diamant glitzert und funkelt. „Er ist wie eine kleine Sonne!“ sagte sich der Ansiedler. „Der Stein ist sicherlich ein Vermögen wert.“ Doch wenn er unter fremden Menschen lebt, ist er mit einem solchen Schatz seines Lebens nicht sicher. Sobald cs die Leute erfahren, werden sie gleich in der ersten Nacht sein Haus überfallen, die Fenster einschlagen und ihm den Stein zugleich mit dem Leben nehmen. Also muß er den Fund verstecken. Seiner Frau will er nichts erzählen: er hat sie zwar lieb, doch eine Frau ist eben eine Frau: viel Haar und wenig Verstand. Sie wird das Geheimnis nicht hüten können. Der Mann ging in den Gemüsegarten, den er vor seinem Hause hatte, und vergrub den Diamanten in die Erde. Und auf die Stelle legte er als Merkzeichen einen Stein, einen schweren Kieselstein; wenn bessere Zeiten kommen,wenn es zwischen Fremden keinen Haß und keinen Neid mehr geben wird, wird er wissen, wo seinen Schatz zu suchen. Dann soll der Diamant am hellen Tage strahlen und funkeln! Das junge Weib bemerkte einmal den schweren Stein und es verdroß sie das Fleckchen Erde, das der Kieselstein bedeckte: auf diesem Fleckchen hätte ja eine Zwiebel oder eine Gurke wachsen können — es ist wirklich schade! Da sie den schweren Stein allein nicht wegschaffen konnte, rief sie ihren Mann zu Hilfe. Dieser erschrack: „Gott behüte!“ rief er ihr zu, „rühre den Stein nicht an.“ „Warum denn?“ „Es ist ein Glücksstein, er bringt uns Glück und Segen!“ „Es ist doch ein einfacher Kieselstein?!“ „Das siehst du ja. Und doch hat er die Zauberkraft.“ Die Frau schaut den Stein an und weiß nicht, ob der Mann es ernst meint, oder Spaß treibt. Sie blickt ihm in die Augen und sieht, daß sie ernst, beinahe hart sind, ganz ohne lachende Funken. Sie hat ihren Mann lieb, sie hält ihn für kjug und ehrlich. Und dazu ist sie ja auch ein Frauenzimmer: ein Frauenzimmer ist immer froh, wenn sie etwas hat, woran es glauben kann: irgend einen Zauber oder ein Zeichen vom Himmel. Sie hat nicht Zeit, lange nachzudenken: der Gemüsegarten muß heute noch bestellt werden. Am nächsten Tage bemerkte der Mann zwei Steine im Gemüsegarten. „Was ist das? kommt der zweite Stein her?“ Und die junge Frau lächelt. Die junge Frau hatte nachts schlecht geschlafen: der Mond hatte so wunderlich grell in die Sclilaf- Ä

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