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Das jüdische Echo · 1916-08-11 · 32 (11.8.1916) · p. Seite 294

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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294 Nr. 82 Das Jüdische Echo auf große Schwierigkeiten stößt, läßt sich dadurch trotz allem nicht berühren. Da die New Yorker Nationalgarde den Rekruten jüdischer Abstammung den Eintritt möglichst zu erschweren sucht, hat sich, dem „American Israelite“ zufolge, ein New Yorker jüdisches Miliz-Regiment gebildet, das den Namen „Erstes New Yorker Freiwilligenregiment“ führt. Übrigens gibt es im stehenden Heer Amerikas zahlreiche Juden. Der erste amerikanische Soldat, der in den jüngsten Kämpfen gegen Mexiko fiel, war gleichfalls ein Jude. Die Lage in Palästina. Wenngleich die Getreideernte in Palästina günstig auszufallen verspricht, so befindet sich doch das Land in der größten Notlage. Es fehlt an den notwendigsten Genußmitteln, wie Kaffee, Tee, Zucker, Reis usw. Es fehlt auch an Chinin, sonstigen Medikamenten und Verbandstoffen. Infolgedessen ist der Gesundheitszustand sehr unbefriedigend. Die durch Unterernährung und Malaria geschwächten Bewohner können immer weniger den hier und da auftretenden Seuchen widerstehen. In Jaffa werden jetzt durchschnittlich an einem Tage 100—120 Menschen begraben, meistens Araber, darunter aber auch eine beträchtliche Anzahl von Juden. An verschiedenen Orten häufen sich die Fälle von Flecktyphus- und Cholera-Erkrankung. Unter diesen Umständen erscheint es um so bewundernswerter, daß dias geistige Leben in den jüdischen Kolonien rege Blüten treibt. Es erscheint eine Reihe neuer hebräischer Publikationen, sowohl für Erwachsene wie für Kinder, man veranstaltete Feiern zu Ehren Bialiks und Scholaum- Alejchems und arbeitet rege weiter am Ausbau der hebräischen Schulen, die an verschiedenen Orten wegen der Seuchengefahr zeitweise geschlossen werden mußten. Professor Martin Philippson. Der bekannte Historiker Professor Martin Philippson ist am 2. August in Berlin nach längerem Leiden gestorben. Er war der Sohn des jüdischen Gelehrten und Schriftstellers Ludwig Philippson, der unermüdlich für die bürgerliche Gleichberechtigung seiner Glaubensgenossen und an der Hebung und Reform des Judentums gearbeitet und auch den Verein zur Förderung der jüdischen Literatur gegründet hat. Am 27. Juni 1846 in Bonn geboren, machte Philippson als Freiwilliger den Krieg gegen Frankreich mit, habilitierte sich 1871 in Bonn, wurde dort 1875 außerordentlicher Professor für Geschichte, 1878 ordentlicher Professor an der Universität Brüssel und 1886 Mitglied der belgischen Akademie der Wissenschaften. Im Dezember 1890 legte er als Rektor der Universität Brüssel, mit dem radikalen Teile der Studentenschaft in Konflikt geraten, seine Professur nieder und siedelte nach Berlin über. Seine historischen Forschungen erstreckten sich besonders auf die preußische Geschichte; so schrieb er u. a. „Geschichte des preußischen Staatswesens vom Tode Friedrichs des Großen bis zu den Freiheitskriegen“, „Der große Kurfürst“, „Das Leben Kaiser Friedrichs III.“. In Onckens „Allgemeiner Geschichte“ bearbeitete er das Zeitalter Ludwigs XIV.“ und „Westeuropa im Zeitalter von Philipp II.“, „Elisabeth und Heinrich IV.“ sowie in Grotes *,Allgemeiner Weltgeschichte“ die neuere Zeit. Auch die Biographien Philipps II. von Spanien und Heinrichs IV. von Frankreich in Gottschalks „Neuem Plutarch“ seien genannt Literarisches Echo Der Jude. Eine Monatsschrift. Herausgegeben von Dr. Martin Buber. (Verlag R. Löwit, Abteilung: Der Jude, Wien-Berlin N 37, Weißenburger-Str. 60. Das vierte Heft der von Martin Buber herausgegebenen Monatsschrift „Der Jude“ zeigt, daß die Zeitschrift von immer neuen Seiten das jüdische Problem in seiner Vielfältigkeit, aber auch in seiner Einheitlichkeit anzufassen vermag. Ein Aufsatz von Moritz Bi- 1 e s k y „Die deutschen Juden in der deutschen Politik“ stellt die Beziehungen der deutschen Juden zur Politik überhaupt und zu den einzelnen Parteien im besonderen dar. Es kommen nicht nur die Liberalen, die Sozialdemokraten verschiedener Richtung, die Nationalliberalen, sondern auch Zentrum und Konservative in Betracht. Der für alle an den jüdischen Problemen politisch Interessierten bedeutsame Beitrag findet eine gute Erwägung durch den Artikel „Imperialismus und Judentum“ von Hermann Glenn, der den Gegensatz universal-ethischer Tendenzen im Judentum zu allen imperialistischen, machtpolitischen, nationalistischen Bestrebungen charakterisiert. Jakob Lesc z y n s k i schreibt in dem Aufsatz über „Fragen des ostjüdischen Wirtschaftsleben s“ von dem Prozeß des Übergangs vom Vermittlertum zur Arbeit, dessen fortschreitende Entwicklung im Judentum der Autor beweisen zu können glaubt. J. O e 11 i n g e r , ein bekannter Agronom, der in der jüdischen Landwirtschaft Rußlands, Amerikas und Palästinas an leitender Stelle gewirkt hat, berichtet sachkundig und iwteressant über „Die Bodenkultur bei den Jude n“. Elias Auerbach steuert als ein Gespräch über jüdische Erziehung den Beitrag „T raditio n eiles und nationales Jude n t u m“ bei. Aus dem in deutscher Sprache noch nicht veröffentlichen Werk des großen jüdischen Historikers Dubnow: „Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes“ wird der Abschnitt „D ie Hauptprozesse der neuesten Geschichte der Juden“ gebracht. Arno Nadel gibt einen neuen Beitrag über „Jüdische V o 1 k s 1 i e d e r“, herzinnige Lieder religiösen Charakters. Die Reihe der „Bemerkungen“ eröffnet die Notiz „L ausann e“ über das Auftreten des jüdischen Delegierten auf der Nationalitäten - Versammlung in Lausanne. Sehr aktuell ist der Aufsatz Siegfried B e r n f e 1 d s über „Die K r i e g s w a i s e n“. Er zeigt, welche Probleme der Krieg allein auf dem Gebiet der Fürsorge und der Erziehung der jüdischen Gemeinschaft gestellt hat. Eine ganz neue Rubrik „Daten und M a t e r i a 1 i e n“ stellt sich im vierten Heft des Juden ein. Sie enthält einen Beitrag über „Das jüdische Proletariat i n den Vereinigten Staate n“ und „Z u r Ein w a n d e r u n g s f r a g e“. Die Einführung dieser Rubrik entspricht in guter Weise dem Bedürfnis nach einer sachkundigen Informierung über aktuelle Probleme, die für jeden Interesse haben muß, der sich mit der Entwicklung der jüdischen Dinge befaßt. — Das vierte Heft des Juden reiht sich würdig an die früheren an. Es zeigt, daß sich die Zeitschrift in Anknüpfung an die Zeitereignisse zur vollkommenen Verlebendigung der Fragen und Probleme entwickeln kann. Es haben sich Kräfte genug um sie gesammelt, die ihr ein ernstes und zugleich aktuelles Gepräge zu geben vermögen.

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