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Das jüdische Echo · 1916-08-11 · 32 (11.8.1916) · p. Seite 291

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 291 Alexandrowsk. Seit mehreren Wochen gingen täglich ein paar solcher Sklavenschiffe von England über die Nordsee nach Rußland, und so werde es weitergehen, bis alle als Landesverräter auf russischer Erde in Sicherheit gebracht seien Von ihrem Vaterlande hätten sie nie eine andere Behandlung erwartet. Aber, so schließt der Bericht hätte man nicht von England, dem großen „Beschützer der Kleinen und Unterdrückten“, mehr Humanität erwarten müssen? In diesen Tagen wurden mehrere Versammlungen in Christiania wohnender Russen abgehalten, die an die englische Regierung eine Eingabe richten wollen, die wahrscheinlich durch den Gesandten eines neutralen Staates in London überreicht wird. Falls die Angaben der „Verdensgang“ sich bestätigen, so kann man die ungeheuere Aufregung verstehen, in der sich zurzeit die jüdischen Einwanderer in England befinden. Die obigen Nachrichten lassen — immer ihre Richtigkeit vorausgesetzt — darauf schließen, daß der Versuch der englischen Regierung, die eingewanderten Juden zum Eintritt in die englische Armee zu zwingen, gescheitert ist. Wie wir in unserer vorigen Nummer ausführten, versuchte die Regierung, da ihr die rechtliche Handhabe fehlte, es mit dem moralischen Zwang. Wie wir bereits berichteten, unterstützen die anglisierten Juden und die anglo-jiidischen Körperschaften die Regierung in ihrem Bestreben, die russischen Juden zum Eintritt in das englische Heer zu bewegen. Allerdings weisen sie darauf hin, daß die Regierung in diesem Falle als Gegenleistung (den E i n r ii c k e n - den mindestens die vollen Bürgerrechte gewähren miiss-e, und zwar ohne die üblichen, dafür fälligen Gebühren. Einige Stimmen, darunter die Leopolds von Rothschild, erhoben die Forderung, man solle denjenigen Juden, die sich nicht stellen wollten, freien Abzug nach einem beliebigen Lande gewähren, aber diese Forderung, deren Erfüllung die englische Regierung vor einem offenbaren Gewaltakt bewahrt hätte, wurde von — jüdischen Gesellschaften bekämpft. In dem Glauben, daß er dadurch den Juden den Eintritt in das Heer schmackhafter machen werde, regte der Schriftsteller Jabotinsky die Formierung eines besonderen jüdischen Truppenteils, der auf einem n i c h t e u r o p ä i s c h e n Kriegsschauplatz speziell für jüdische Interessen kämpfen solle (?) an. Da die Juden der Überzeugung sind, daß Herr Jabotinsky mit diesen Vorschlägen die engliche Regierung auf die Juden überhaupt erst aufmerksam gemacht habe, wurde ihm in einer Volksversamlung „die Verachtung der Versammlung“ ausgesprochen. Auch der Vorsitzende der English Zionist Federation, Joseph C o w e n , der — wohl in der Meinung, daß, da der Entschluß der Regierung unabänderlich sei, den Juden der freiwillige Eintritt in das Heer nur zum Vorteil gereichen könne — sie gleichfalls aufgefordert hat, von dem „Vorrecht“ Gebrauch zu machen, scheint hierdurch das Vertrauen der Massen eingebüßt zu haben. Die Juden Englands stehen eben auf dem Standpunkt, daß ein Land, das sich als das Land dei Freiheit bezeichnet, dem sie in vollem Vertrauen zuströmten, nicht zum Schergen R u ß 1 a n d s werden dürfe. Zwingt man sie zum Dienst nn englischen oder im russischen Heere, so soll tue Welt wenigstens sehen, daß hier härtester Zwang ausgeübt wird. Ein freiwilliges Folgeleisten müßte als eine Billigung des englischen Vorgehens angesehen werden. Es fragt sich nun, ob sich wirklich der Gesandte eines neutralen Staates bereit finden wird, gegen die Vergewaltigung der russischen Juden durch das „freie Albion“ zu protestieren! Die Fabel von der jüdischen Republik. In den letzten Tagen brachten verschiedene deutsche Zeitungen, wie die „Frankfurter Zeitung“, der „Berliner Lokalanzeiger“, die „Münchener Zeitung“, die „Berliner Morgenpost“, die „Neue Preußische Kreuzzeitung“, der „Deutsche Kurier“ und andere Blätter, unter der Überschrift „Eine jüdische Republik in Palästina“ oder „Eine unabhängige jüdische Republik in Palästina“, „Eine hebräische Republik“ und „Eine Zionistische Republik“, eine Sensationsmeldung, welche sich auf ein Spezialtelegramm der Kopenhagener Tageszeitung „Politiken“ vom 5. Juli stützte, in dem der Pariser Korrespondent dem Kopenhagener Blatt folgende Mitteilung übermittelt: Wird Palästina eine freie jüdische Republik? Ein Aufsehen erregendes Resultat der Agitation der Zionisten: Die türkische Regierung geht darauf ein, daß eine unabhängige jüdische Republik innerhalb der Grenzen von Palästina errichtet wird. Paris, Montag. Privat für Politiken. „Ein Telegramm aus New York, welches aus glaubwürdiger Quelle stammen soll, gibt einige höchst interessante Aufschlüsse über die Agitation der Zionisten in der Türkei, Aufschlüsse, die auf nichts Geringeres ausgehen, als daß die Türkei im Prinzip darauf eingegatwen sei, eine jüdische unabhängige Republik in Palästina zu errichten. Der Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, Herr Henry Morgenthau, der selbst ein begeisterter Zionist ist, hat Anteil genommen an der Agitation der Zionisten und das ist der Umstand, welcherl seine Abberufung bewirkt hat. Vor einiger Zeit veranlaßte die türkische Regierung die Zionistische Organisation, sich an den Gesandten zu wenden, um ihn in einer Finanzfrage um Rat zu fragen. Darauf folgte eine Reihe von Geschäften, die anscheinend durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters gemacht wurden. B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. 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