Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 31 (4.8.1916)
- Date
- 1916-08-04
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Das Jüdische Echo Nr. 31 für seine Ausführung Sorge zu tragen, mir binnen drei Tagen Bericht zu erstatten und vom Vorsitzenden die Liste der enthobenen Personen einzuford'ern. . u Lwow:, 7. Juni 1915. Dr. Bentschowski. Am 30. Januar 1915 hat General Ewert als Oberfehlshaber der 4. Armee nachstehenden Befehl an sämtliche Korps der 4. Armee ausgegeben: „Angesichts der Tatsache, daß der Oberbefehlshaber der Südwestarmee in der Gemeinde von Cholm auf einen jüdischen Soldaten gestoßen ist, der von der Intendantur des 14. Armeekorps mit Fourageauftrag nach Wladiimir-Wolhynsk geschickt war, erläßt der Oberbefehlshaber der Armee Befehl, daß fortan keinerlei Auftrag ähnlicher Art mehr an Juden erteilt wird. Sie haben sich nicht vom Depot oder vom Gros der Armee zu entfernen. Dem Leiter der Intendanturtransporte, Hauptmann Popoff, ist eine Rüge zu erteilen, weil er dergleichen Beauftragung eines Juden zugelassen hat. Der Intendant des 14. Armeekorps hat den betreffenden Transport im Auge zu behalten, da er ersichtlichermaßen der Überwachung bedarf. (Unterzeichnet) Der Oberbefehlshaber der Armee, Ewert, General der Infanterie.“ Bekanntmachung. „Der gesamten jüdischen Bevölkerung der Stadt Kolomea gebe ich hierdurch bekannt, daß im Falle einer Beschädigung der Eisenbahn, der Telegraphen- und Teleohonleitungen der gesamten jüdischen Bevölkerung Kolomeas eine schwere Geldbuße auferlegt werden wird, und daß, falls diese nicht binnen drei Tagen erlegt sein sollte, die gesamte jüdische Bevölkerung aus dem Armeebereich ausgetrieben werden wird. — Der Distriktsvorsteher von Kolomea, Fürst Lobanow Rostowski.“ Welt-Echo Gehaltszulage für die Berliner Gemeindebeamten. Die Berliner Gemeinde hat im Hinblick auf die verteuerte Lebenshaltung ihren sämtlichen Beamten eine beträchtliche Gehaltszulage bewilligt. Für den Besuch der Religionsschulen wärd vorläufig kein Schulgeld erhoben. Ein nichtjüdisches Komitee zum Schutze der Juden. In Mailand ist, wie die „Perseveranza“ meldet, ein Komitee gegründet worden, das allerorten für die soziale und rechtliche Gleichberechtigung der Juden 'aller Länder eintreten wäll. Unter den zahlreichen Mitgliedern des Komitees ist kein einziger Jude. Ein neuer deutscher Konsul in Jaffa. Nach der Abberufung des früheren deutschen Konsuls in Jaffa Dr. Brode, ist Herr Schobinger auf dessen bisherigen Posten berufen worden. Der neue deutsche Konsul besuchte neulich in Gesellschaft von Herrn Dr. Jacob Thon, dem derzeitigen Leiter des zionistischen Palästinaamtes, das hebräische Gymnasium und wohnte dem Unterricht in mehreren Klassen bei. Die Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jaffa und des Lehrerseminars in Jerusalem, die zum türkischen Heere einberufen wurden, erhielten die Erlaubnis, in die Offiziersschule in Konstantinopel einzutreten. In das Jerusalemer Regierungskrankenhaus wurde der jüdische Arzt Dr. Cohen als l eher bcrtiien. Büchermangel in Palästina. Durch den Krieg ist in Palästina ein Büchermangel eingetrete i, der sich besonders bei der Jugenderziehung bemerkbar macht. Um diesem Übelstande abzuhelfen, haben die beiden palästinensischen Lehrer Berkus und Adler einen Verlag gegründet, der allwöchentlich ein Heftchen jüdischer Lektüre in hebräischer Sprache herausgeben wird. Hebräische Föderation in Amerika. In den letzten Jahren ist in Amerika eine ständüg wachsende Bewegung zur Förderung der hebräischen Sprache erwacht. Es entstanden eine Reihe von Vereinen und Kursen, die aber keinen inneren Zusammenhang hatten. Nunmehr haben sich die fünf größten hebräischen Vereine in New York zu einer Föderation zusammengeschlossen, die ihre Wirksamkeit allmählich über alle Staaten ausdehnen wäll. Die Föderation beabsichtigt, neben der hebräischen Sprache auch die hebräische Literatur und Kultur zu pflegen. Es sollen Schulen, Kindergärten, ein Seminar und Hochschulkurse eingerichtet werden. Kulturarbeit im Osten. Anläßlich des Sprachenkampfes der Jidischisten und Hebraisten in Warschau betreffs der zukünftigen jüdischen Volksschule, formulierten die hebräischen Vereine „Chowcwe Sefath Ew^er“ und „Merkas“ ihre Forderungen: 1. In der nationalen Volksschule, welche die Aufgabe hat, in das junge Geschlecht Liebe zu unseren geistigen Schätzen zu pflanzen, muß die hebräische Sprache selbst wie auch die Bibel und die hebräische Literatur in hebräischer Sprache gelehrt werden, und zwar muß dieser Unterricht schon im ersten Lehrjahr einsetzen und einen bedeutenden Platz im Lehrplan einnehmen. Die Vortragssprache in den Volksschulen soll hebräisch oder jüdisch sein. 3. Die Volksschulen beider Arten haben die gleichen Rechte wie alle anderen Volksschulen im Lande. — Zeitungs-Echo Deutschland, die Türkei und die Ostjuden. Die „Kölnische V o 1 k s z e i t u n g“ bringt einen Aufsatz über obiges Thema, der mit den folgenden Ausführungen schließt: „In der jüdischen Einw-anderung wird die Türkei nach dem Kriege das finden, was ihren Bedürfnissen in geradezu idealer Weise entspricht: einen Volkszuwachs, hinter dem keine feindliche Macht steht. Wenn vor dem Kriege viele Juden zögerten, türkische Staatsbürger zu werden, so lag dies a,n den unsicheren Rechtsverhältnissen in der Türkei, gegen die nur die fremden Konsuln einen Rückhalt gaben. Das wärd nach dem Kriege anders werden. Unter dem Schutz einer mit Deutschland verbündeten innerlich erstarkenden I iirkei kann und wird sich der jüdische Einwanderer nach dem Kriege als türkischer Staatsbürger sicher fühlen. Die I iirkei ist kein einheitlicher Nationalstaat. Ihr Gebiet beherbergt viele Völker und viele Stämme. Ein großer Teil ihrer Bevölkerung entbehrt jedes Verständnis für staatliche Organisation, ein anderer Teil, besonders die levantinische Bevölkerung, steht unter allen möglichen fremden Einflüssen. Der Jude kommt nach Palastina nur als Jude. Er arbeitet nicht für fremde