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Das jüdische Echo · 1916-08-04 · 31 (4.8.1916) · p. Seite 283

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
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Nr. Bl Das Jüdische Echo 283 tert, feiern wir B i a I i k s 25jähriges Dichterjubiläum. Ist es Zufall oder ruht hier nicht ein tiefer Sinn? Denn wenn Perez’ tragische Auffassung des Qolus überhaupt keinen Weg positiver Erlösung darstellt, wenn Scholaum-Aleichems Humor fehlschlägt und sich als ungeeignet zur Befreiung erweist, so zeigt Bialik den wahren Weg. Stellen jene die beiden höchsten Ausdrucksformen des Golus dar — die tragische und humoristische — so ist er der große Dichter der Erlösung vom Golus; und der Weg, den er weist, heißt: Verneinung des Golus. Was Scholaum-Aleichems Tod negativ bekräftigt, lehrt Bialiks Dichtung positiv; der Golus ist nur zu überwinden, indem wir ihn verneinen. Die Erlösung von ihm heißt Palästina. Das ist der große Sinn aller Bialik’schen Dichtung, sowohl in ihren rein nationalen Teilen wie auch in ihrer subjektiven Natur_ und Liebeslyrik. In unserer gesamten Diasporageschichte hat noch kein Dichter die Schmach und Entwürdigung des Golus so stark erlebt und so gewaltig zum Ausdruck gebracht wie Bialik; Perez sah die Tragik des Golus, sah sie aber mit dem verzeihenden, liebenden Blick des großen Tragikers, der diie Tragik als Fatum und Notwendigkeit nimmt. Bialik sah sie jedoch mit dem Auge des Propheten; an der Not erkannte er vor allem die Schande, an dem Elend die Niedrigkeit und — darin der kleinere Dichter und der größere Jude als Perez — faßt den innersten Kern der Tragik als Schuld. Und darum kann er den Weg zur Erlösung zeigen, indem wir uns unserer Schuld und unserer Schande bewußt werden und in trotzigem Heroismus unserem Schicksal die Fehde ansagen und den Golus radikal verneinen. So ward' er der große zentrale jüdische Nationaldichter der Gegenwart, alle anderen in seiner Wirkung kopfhoch überragend, weil er den Beruf der wahrhaft großen, unsterblichen Dichter erfüllt: seines Volkes Meister und Führer zu sein. * * * Perez, Scholaum-Aleichem und Bialik; die Tragik des Golus, der Humor des Golus und die Verneinung des Golus. Perez’ Tragik gibt uns die Erkenntnis des Golus-Schicksals, Scholaum-Aleichems Humor die Kraft, über sie hinauszukommen und ihrer Herr zu werden, Bialiks Negation aber die Fähigkeit, dieses Schicksal zu überwinden. So sind diese drei großen Dichter drei Meilensteine auf dem Wege vom Golus zur Erlösung von ihm; und — dürfen wir nicht auch hierin einen höheren Sinn erblicken? — daß wir in diesen Tagen Perez’ trauernd gedenken, Scholaum-Aleichem beweinen, Bialik aber verehrend feiern dürfen, das sei uns ein Symbol dessen, daß von den drei Lehren dieser Dichter diejenige Bialiks schließlich die triumphierende bleiben wird, daß dasjenige, was Perez erkannt, Scholaum-Aleichem versucht und Bialik erfüllt hat, auch wahr werden und die schließliche Erlösung vom Golus durch die Verneinung desselben Wirklichkeit werden wird. Jüdische Ännäherungsversuche. Die „Neue Preußische Zeitung“ (Kreuzzeitung) bringt eine kirchliche Vierteljahrsrundschau, betitelt: „Die Aufgaben der Kirche: Bauen und Kämpfen“. Mit besonderer Liebe weilt der Verfasser dieser Rundschau auf dem zweiten leile der kirchlichen Aufgaben, nämlich dem Kämpfen. Welche edle menschliche Gerechtigkeit und christliche Liebe selbst in diesem Kämpfen noch entfaltet wird, davon zeugt der folgende Absatz des betreffenden Artikels: „Gegen die schmutzige Sünde des Wucherns und Hamsterns wendet sich ein dankenswerter Erlaß des Brandenburgischen Konsistoriums an die Geistlichen und fordert sie auf, mit vollem Ernst aufklärend, mahnend, strafend und bessernd zu wirken. Wer die Verbitterung unseres im Entbehren und Entsagen noch lange nicht genug geübten Volkes gegen die blutsaugerischen Wucherer und Kettenhändler kennt, wird es der Kirchenbehörde Dank wissen, daß sie auch zu diesem aufruft. Aber der Kampf ist schwer, dennunter den Wucherern und Hamsterern sind nicht nur jüdische Namen zu finden. Das Gift ist auch schon in christliche Kreise eingedrungen,“ In dieser Art, den Wucher gewissermaßen als eine jüdische Berufskrankheit hinzustellen, von der nun auch schon die frommen Christenmenschen angesteckt worden sind, liegt wieder einmal ein Beweis dafür, daß man sehr kirchlich sein und doch dem Geiste der Religion, die die Gerechtigkeit über alle Tugenden stellt, sehr fernstehen kann! Der gleiche Artikel berichtet weiter: „Leider haben wir auch auf evangelischem Gebiete gegen Auswüchse der religiösen Annäherung zu kämpfen. Dem bekannten liberalen Pastor von St. Pauli, Clemens Schultze, h,at am zweiten Gedächtnistage seines Todes der jüdische Rabbiner die Erinnerungsrede gehalten und bei der Gelegenheit aufgefordert, zu seinem Gedächtnis Gaben für das evangelische Gemeindehaus zu stiften. Mag das führende Organ der Mittelpartei die jüdische Rede zum Gedächtnis eines evangelischen Geistlichen „im Sinne späterer vermehrter Einwirkung christlichen Geistes auf das Judentum“ mit Freuden begrüßen, wir können sie nur als einen dem christlichen Empfinden ins Gesicht schlagenden giroben Unfug bezeichnen. Schiedlich — friedlich. Das dient dem Frieden besser als eine gemachte religiöse Annäherung.“ Das kommt davon, wenn ein Rabbiner zu Gaben für das christliche Gemeindehaus auffordert! Es gibt so viele Städte, deren jüdische Gemeinde- Institutionen dringend der Gaben bedürfen! Und es erscheint wirklich als eine viel wichtigere Aufgabe für einen Rabbiner, für solche Institute Gaben zu sammeln und durch sie jüdischen Gei,st zu verbreiten, als durch Ansprachen an christliche Gemeinden eine neue Ära der Religionsverbrüderung einleiten zu wollen. Nur schade, daß zu dieser Lektion über das was einem Rabbiner geziemt, erst ein Antisemit nötig war! Der jüdische Kongreß in Ämerika. II. Die Aufgaben des Kongresses. Gleichviel ob es gelingen wird oder nicht, die widerstrebenden Elemente der amerikanischen Judenheit zu einer Gesamtheit zu verbinden — der geplante Kongreß wird jedenfalls Ende dieses Jahres stattfinden. Er wird zwei Aufgaben zu erfüllen haben: eine a rn e r :i k a n i s c h - j ii d i - sehe und eine a 1 1 j ii d i s c h e Aufgabe. Den amerikanischen Juden soll durch den Kongreß bewiesen werden, daß sie wirklich eine Macht darstellen, durch ihn sollen sie zu einer Einheit verbunden werden. Man wird Beschlüsse fassen, die von keinem anderen als dem jüdisch-

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