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Das jüdische Echo · 1916-07-28 · 30 (28.7.1916) · p. Seite 278

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
30 (28.7.1916)
Date
1916-07-28
Page
Seite 278 (sequence 6)
Language
German
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278 Das Jüdische Echo Nr. 30 damc VVilt, von Paganiui bis Sarasate, von Bicialdi bis auf die Gebrüder Doppler, die ganze Serie der Gesangs- und Violin- und Flöten-Virtuosen hindurch. Die Mucken eines anderen meiner Freunde sind Mücken und Käfer und Insekten aller Art; und ein dritter meiner Bekanntschaft sammelt mit heißem Eifer — Druckfehler. Nun und ich — ich habe auch meine Leidenschaft. Ich sammle „Kolms“ . . . Meine vergleichenden Namensstudien haben mich daraufgebracht, daß im Wege wundersamer Flexionen, Häutungen, Abbreviationen, Mauserungen und Elisionen wahre Wunder geschehen. Er schreibt sich Paul d’Abrest, wir lesen Kolm; er zeichnet v. Blowicz, wir sprechen Kohn. Gleichwie auf dem Orgelpunkte, so erblühten auch auf dem Namen Kohn die weitestschweifenden Variationen in französischer, ungarischer, ja selbst in Negermundart. Die Franzosen Conneau, der Leibarzt Napoleons III., und Caen, der bekannte Pariser Bankier, sind rechtschaffene Kohns. Die deutschen Kann, Kahn, Kohnheim, Kolmberg, Kohnfeld, Kühn, Konrad, Kohen, Kahen — sie sind alle gleich Kohn. Die englischen Conney, Coningsby und Kenedy — Kohn. Die czechischen Konak, Konopek, Konnpatek, Konopatikschek; die welschen Conti, Conetti, Conazzi, Conizctti, Conalli, Conallini, Canatulli, Canucci — tutti quanti sind sie Kohns. Und die ungarischen Kunos, Kunossy, Kohänyi, Kohäri, Källai sind nicht minder durchwegs Kohns. Im heraldischen Teile des von den Schriftgelehrten des „Borsszem Jankö“ edierten ausgezeichneten Werkes finde ich Wappen und Stammbaum derer von Kohut de Hebervär und Chedervär. Und ist es nicht ein sonderbares Spiel des Zufalles, daß der einzige Kohn echt magyarischen Ursprunges, Graf Geza Kün, ein gründlicher Kenner und Pfleger der hebräischen Sprache ist? Einer der urwüchsigsten und kernigsten deutschösterreichischen Schriftsteller, Ferdinand Kiirnberger, hat sich an „Kohn“ den Tod geholt. Eines Herbstnachmittags nämlich saß dieser nur sehr wenig gewürdigte, herrliche Mann in der Rosnerschen Buchhandlung und blätterte in den Prachtwerken für den Weihnachtstisch, die mit neuesten Leipziger Ballen soeben angelangt waren. Da trat ein Artillerie-Offizier mit einer stark in östlichem Stil aufgebauten Nase in den Laden und wählte einige in sein Fach schlagende Werke. In der affablen Manier dieser Herren läßt sich der Offizier mit dem Schriftsteller in ein Gespräch ein, und der letztere gewinnt alsbald die Überzeugung, daß er es mit einem Manne von umfassender Bildung zu tun hat, dessen Kenntnisse weit über die eng gezogenen Grenzen des militärischen Fachwissens hinausreichen; er erging sich in geistvollen Bemerkungen über die philosophische Richtung Dubois’ und Hartmanns, über die Doktrinen Feuerbachs, über die gesamte Kosmogonie vom Wirrsal des Chaos an bis auf clie neuesten Theoreme. Nachdem er sich entfernt hatte, fragte Nürnberger den Buchhändler mit lebhaftem Interesse; „Wer ist dieser Herr?“ „Das ist Hauptmann Holden“, erwiderte Rosner „Holden? Hm! Hat der Mann immer so geheißen?“ „Fällt ihm nicht ein! Früher hat er Kohn geheißen.“ „Kohn!“ murmelte Kühnberger betreten vor sich hin und blätterte wieder in den Büchern. Über einer Weile kommt ein bildhübsches junges Mädchen zur Ladentür hereingeflattert und reklamiert die jüngste Nummer des „Bazar“. Während der Gehilfe im rückwärtigen Laden das Gewünschte herauskramt, bemüht sich Rosner, — selber ein aufgeweckter Mann — seine reizende Kundin galant zu unterhalten. Nürnberger betrachtet vom dunklen Winkel aus unter seinen buschigen Augenbrauen hervor die schlanke Gestalt und horcht mit Interesse auf das Gespräch. Die glockenhelle Stimme der jungen Dame mutet ihn an und er hatte seine Freude an ihrer Art, die ein anziehendes Gemisch von weiblicher Zurückhaltung und mädchenhafter Heiterkeit war. Als das schöne Fräulein mit seinem „Bazar“ sich empfohlen hatte, da fragte Nürnberger mit noch regerem Interesse, wer denn das herzige Kind sei? „Das war Fräulein Hardenberg . . . ehemals Fräulein Kohn“, erwiderte ernsthaft der Buchhändler. „Sie bildet sich zur Sängerin aus, ein begnadetes Frauenzimmer, wie ich ihnen versichern kann. Als Fräulein Kohn war sie um ihre Karriere besorgt, daher hat sie sich den breit und vornehm ausklingenden Namen beigelegt.“ Nürnberger war sichtlich betroffen. Ls kamen noch mehrere Kunden, aber er wagte nach keinem Namen mehr zu fragen. Die höhnische Laune des Zufalles fügte es, daß sich unter den Kommenden und Gehenden noch drei Kohn befanden. Den Schriftsteller überkam eine eigentümliche Unruhe. Rosner bemerkte zu ihm: „Sonderbar!! Wissen Sie denn glicht, 'Herr Doktor, daß ich selber früher auch Kohn geheißen habe? Und wissen Sie nicht, daß eigentlich jeder Mensch ehedem Kohn geheißen hat, daß Ihr Urahnherr jedenfalls auch ein Kohn gewesen ist?“ Der ohnehin düster veranlagte Nürnberger war von dieser Eröffnung tief erschüttert. Er verfiel fortan in Melancholie und starb nachmals mit der fixen Idee, er heiße Kohn. Es gibt sogar einen portugiesischen Kohn; und zwar ist dies einer der hervorragendsten Männer der Landesgeschichte: Don Diago Caon, auf gut deutsch: Herr Jakob Kohn. Ich sammle also Kohns, und mein Auge ist auf diesen Sport so gut gedrillt, daß mir in einer ganz unbekannten Gasse, in einer wildfremden Präparate unterdrücken die Bildung von k-mm w A wm HHl Darmgiften, regeln unschädlich Verstopf- ■ Tfl f 4 rTyLl V ung, Magenu. Darmkatarrh, erleichtern IllilfWI kV I m I J fi I I I ■ ■ die Altersbeschwerden. Glänzende Anerkennungen. Erhältlich in Apotheken u. Drogerien, wenn dort nicht zu haben, auch direkt zu beziehen Prospekte u. Proben 0m __ kostenlos. Chem.-Bakt. Labor. Dr. E. Klebs, München, Schillerstr. 28 A iv

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