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Das jüdische Echo · 1916-07-28 · 30 (28.7.1916) · p. Seite 275

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
30 (28.7.1916)
Date
1916-07-28
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 275 für die Vereinigung mit seinen Mitjuden zu irgendeiner gemeinsamen jüdischen Tat — mag es sich min um eine Stellungnahme zu politischen Fragen, um gewisse, der jüdischen Eigenart angepaßte soziale Einrichtungen, um Fragen der Sprache, des Kultus oder der religiösen und geistigen Entwicklung handeln — fehlte ihm bisher die geeignete Plattform. Durch die zionistische Föderation in Amerika waren zwar Ansätze zu einer solchen Zusammenfassung geschaffen worden, doch faßten weite Kreise der amerikanischen Judenheit den Zionismus noch als eine jüdische „Partei“ auf und glaubten, sich der Parteiarbeit nicht anschließen zu können, ohne sich zu dem zionistischen Programm zu bekennen. Allerdings konnte eine so große jüdische Masse nicht inmitten des amerikanischen Volkes bestehen, ohne von sich selbst und besonders von der Mitwelt als eine besondere Gruppe empfunden zu werden, der man ein gewisses Recht auf Eigenart ein räumen mußte, an die man andererseits — als an eine Gesamtheit — bestimmte Forderungen stellte. Es war klar, daß eine so riesige Volksgruppe ihre geistigen Führer haben mußte, die nach außen hin die sozialen und politischen Rechte dieser Gruppe geltend machen, in inneren amerikanisch - jüdischen Angelegenheiten den Ton angeben sollten. Diese Aufgabe einer Führung und Vertretung der jüdischen Volksmasse wurde in den letzten Jahren fast ausschließlich durch eine Reihe von einflußreichen und reichen amerikanischen Juden besorgt, die sich durch die Spendung von ansehnlichen Mitteln und die Begründung jüdischer Institute um das äußere Wohlbefinden der Judenheit verdient gemacht hatten und sich deshalb berechtigt fühlten, auch in allen intern-jüdischen Angelegenheiten das entscheidende Wort zu sprechen. Diese Männer waren fast ausnahmslos durch das American Jewish Committee zu einer Gruppe verbunden und betrachteten diese Körperschaft als eine Art von jüdischem Senat. Nur mit der Einschränkung, daß die Mitglieder dieses Senats nicht vom Volke gewählt werden, sondern sich selbst als Volksführer wählen und das Volk einfach unter ihre Vormundschaft stellen. Selbstverständlich mußten sich aus dieser Sachlage schwere Unzuträglichkeiten ergeben. Die dem Vorstand des American Jewish Committee angehörigen Männer spielen größtenteils kraft ihres Geldes oder politischen Einflusses im öffentlichen Leben Amerikas eine hervorragende Rolle. Dem jüdischen Geiste sind sie entfremdet, den Massen des jüdischen Volkes fühlen sie sich nicht verbunden, sondern vermeinen, über ihnen zu thronen. Die Politik, die sie verfolgen, ist eine ausgesprochene Assimilationspolitik: ihre Fürsorge für die jüdischen Massen ist letzten Endes Staatspolitik, denn das Ziel dieser Fürsorge ist die Heranbildung eines für Amerika möglichst nützlichen Bürgertyps. Daß die Masse sich auf die Dauer eine derartige Bevormundung durch ihnen in ihrem Wesen fast entfremdete Elemente, denen bei der Erziehung der Juden als Ideal, der Typ des Vollblutamerikaners vorschwebt, nicht würde gefallen lassen, war selbstverständlich. Daß die Meinungsverschiedenheit gerade durch die Kongreßfrage zu einem offenen Kampfe wurde, ist erklärlich. Der Kongreßgedanke hat seine Wurzeln im nationalen Zusammengehörigkeitsgefühl der Judenheit, er basiert auf der im Kriege endlich zur Herrschaft gelangten Auffassung, daß die Juden Amerikas mit den Juden aller anderen Länder zu einem Volke verbunden sind. Das Volk ist es, das für sich selbst und seine leidenden Glieder ein tritt. Nicht länger will man die Vertretung jüdischer Volksinteressen in die Hände einiger weniger, dem jüdischen Geiste ziemlich fernstehender Leute legen, sondern um wirklich als eine nationale Macht aufzutreten, will man alle Teile des Volkes und gerade diejenigen, in denen die jüdische Volksart noch ungebrochen lebt, zu Worte kommen lassen. Weil der jüdische Kongreß auf einer durchaus demokratischen Grundlage stehen muß, die Mitglieder des American Jewish Committee aber gewohnt sind, als Autokraten zu herrschen und sich an den Gedanken noch nicht gewöhnen können, daß nicht sie dem Volke ihren Willen diktieren sollen, sondern daß das Volk seinen eignen Willen äußern will, darum mußte der Kongreßplan zu einem Kampfe führen. Einem Kampfe zwischen dem demokratischen und dem automatischen, dem jüdisch-nationalen und dem assimilatorischen Prinzip. Zwischen die Gruppe des Volkes und die Gruppe seiner von eignen Gnaden gewählten Führer schiebt sich, wie schon erwähnt, die organisierte jüdische Arbeiterschaft. Einige Elemente der Arbeiterschaft, in starrem Festhalten an ihren Verbandsgrundsätzen, glauben durch die zu strenge Betonung der nationalen Besonderheit ihre Verbandsinteressen zu schädigen. Bei der Tagung der Arbeiterverbände zeigte es sich aber, daß die Majorität der Arbeiter ihre jüdisch-völkischen Interessen über ihre Verbands- und Berufsinteressen stellte und für den Anschluß an den Kongreß stimmte. Für die endgültige Stellung der Arbeitergruppen wird es entscheidend sein, ob letzten Endes die nationalen oder die Verbandsinteressen sich als die Stärkeren erweisen werden. Vorläufig wogt der Kampf in allen Schichten des amerikanischen Judentums. Ob er noch vor der Tagung des Kongresses geschlichtet werden kann, ob eine Versöhnung der widerstrebenden Elemente möglich ist, das sind Fragen, die von hoher Bedeutung für die praktische Bedeutung des Kongresses sein werden. Gelingt die Versöhnung, so wird man sie als einen endgültigen Sieg des demokratischen über das autokratische Prinzip betrachen dürfen, denn wenn das amerikanisch-jüdische Volk einmal den Beweis geliefert haben wird, daß es ohne Bevormundung zu handeln und seinen Willen durchzusetzen versteht, so wird es sich niemals wieder die dem Volksinteresse entgegengesetzte Assimilationspolitik der bisherigen Machthaber aufzwingen lassen. B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler. Unterricht in allen'praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. 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