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Das jüdische Echo · 1916-07-28 · 30 (28.7.1916) · p. Seite 274

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
30 (28.7.1916)
Date
1916-07-28
Page
Seite 274 (sequence 2)
Language
German
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274 Das Jüdische Echo Nr. 30 kaum noch, ebenso wie auch die meisten Leute über 60 Jahren den Strapazen des Wanderlebens, dem Hunger und Seuchen erlegen sind. Auf Grund dieser Berichte haben wir nun beschlossen, all unsere Glaubensgenossen aufzufordern, nur denjenigen Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen, der sich feierlich verpflichtet, hier mit der ganzen Autorität der U. S. einzugreifen, ferner werden zurzeit Unterschriften gesammelt, um an Wilson die Forderung zu stellen, die Gewährung der Anleihe an Rußland von der Beseitigung dieser Mißstände abhängig zu machen. Ein gewisser Zwang ist ja doch das einzige Mittel, um die Kriegführenden zur Humanität zu zwingen, und wir sind dafür die geeignetsten als einzig neutrale Großmacht.“ Das Wahlergebnis in Warschau. Die Wahlen der sechsten Kurie fanden am 15. und 16. Juli statt. Es konkurrierten sechs Listen miteinander: 1. Die Liste der polnischen Sozialisten, 2. der sozialdemokratischen vereinigten Komitees, 3. des Blocks des jüdischen sozialdemokratischen „Bunds“ und des linken Flügels der P. P. S., 4. des jüdischen Volkskomitees, 5. der nationalen polnischen Arbeiter und 6. des Vereinigten Jüdischen Komitees. Die Liste des jüdischen Volkskomitees stellte 15 jüdische Kandidaten auf, das Vereinigte Jüdische Komitee drei jüdische Kandidaten und die 3. Liste einen polnischen Sozialisten und einen „Bundisten“ (A. Ziege). Alle anderen Listen enthielten keinen jüdischen Namen. Insgesamt kamen zur Wahlurne 36 781 Personen, von denen ca. 600 Wahlzettel als ungültig erklärt wurden. Von ihnen erhielten die Liste 1: 5316, die Liste 2: 2631, die Liste 3: 3711, die Liste 4: 8611, die Liste 5: 13 988 und die Liste 6: 1924 Stimmen. Es wurden zu Ratsmännern gewählt: 11 Polen, zwei von der Liste 1, einer von der Liste 2, einer von der Liste 3 und sieben von der Liste 5; vier Juden, Kandidaten der vierten Liste des jüdischen Volkskomitees, nämlich: Rechtsanwalt und Journalist Noach Priluzky, Ingenieur Efron, Journalist S. Hirschhorn und Bildhauer Eisenberg. Der jüdische Kandidat der „Bundisten“, ebenso wie die drei Kandidaten des Vereinigten Komitees erhielten keine genügende Zahl Stimmen. Die Besorgnis, daß die zahlenmäßige Überlegenheit der Neo-Assimilanten in dem Vereinigten Jüdischen Komitee den national-zionistischen Flügel an der wirksamen Verteidigung der jüdisch-nationalen Forderungen hindern könnte, genügte den jüdischen Massen der sechsten Kurie, um die Liste dieses Komitees, trotz der Verdienste seiner autoritativen Führer, abzulehnen und für die Liste des Volkskomitees, das die jüdisch-nationalen Forderungen sich zur Losung gemacht hatte, ihre Stimmen zu geben. Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (Hotel Königshof) Zusammen mit den 15 Vertretern des Vereinigten Jüdischen Komitees, die auf Grund der Vereinbarung mit den polnischeil Wahlkomitees für die Kurien 1, 2, 3 und 5 bestimmt wurden, werdden also 19 jüdische Ratsmänner (von 90) in den Warschauer Stadtrat einziehen. Ihrer Partei nach gruppieren sie sieh folgendermaßen: Orthodoxe 3, Neo-Assimilanten 3, Zionisten und Nationalisten 7, Unparteiische 3 und Mitglieder der assimilatorischen Eigcr-Gruppe 3. — Die Eröffnung des Stadtrates fand Samstag, den 22. Juli statt. i Der jüdische Kongreß in Ämerika. I. Die Bedeutung der Kongreßbewegung für das amerikanisch-jüdische Leben. Nachdem es eine Zeitlang durch Stockungen in der Postverbindung fast unmöglich war, Nachrichten aus Amerika zu erhalten, aus denen man sich ein Bild über die gegenwärtigen Geschehnisse im amerikanisch-jüdischen Leben hätte bilden können, sind uns in den letzten Tagen endlich wieder wichtige Mitteilungen über die drüben herrschenden Zustände zugegangen. Alle einlaufenden Berichte stimmen in der Auffassung überein, daß gegenwärtig im Brennpunkte des amerikanisch-jüdischen Lebens die Kongreßfrage steht. Nachdem auf der im März d. Js. in Philadelphia stattgehabten Vorkonferenz beschlossen worden war, den jüdischen Kongreß noch im Laufe dieses Jahres einzuberufen, wird auf allen Seiten mit größter Emsigkeit diesem Kongreß vorgearbeitet oder auch — entgegengearbeitet. Die tiefe Spaltung in der amerikanischen Judenheit, die durch die Kongreßfrage zwar nicht entstanden, aber deutlich zutage getreten ist, dauert fort. Auf der einen Seite steht die große Majorität des Volkes, eingeteilt in Hunderte von Vereinen, Logen, Lokalkomitees usw., die dem Kongreß mit den höchsten Erwartungen entgegensehen; auf der anderen Seite steht das American Jewish Committee, das den Kongreßplan nicht nur ablehnt, sondern energisch bekämpft. Zwischen diesen beiden Gruppen steht die Arbeiterschaft, deren Haltung trotz ihrer prinzipiellen Zustimmung zur Abhaltung des Kongresses noch nicht ganz bestimmt ist. Man ist sich in Amerika ganz klar darüber, daß der Kongreßgedanke nur der äußere Anlaß für den Ausbruch eines Kampfes geworden ist, den die amerikanische Judenheit früher oder später einmal auskämpfen mußte und dessen Ausgang von tiefer Bedeutung für die zukünftige Gestaltung des jüdischen Lebens in den Vereinigten Staaten sein wird. Man kann diesen Kampf als einen solchen zwischen dem Streben nach Nationalisierung und demjenigen .nach Entnationalisierung der amerikanischen Judenheit bezeichnen. Seit Jahren lebt in der Masse des in den Vereinigten Staaten ansässigen jüdischen Volkes das dunkle Bewußtsein, daß sein Mangel an einer einheitlichen Organisation ihm jede Möglichkeit einer Kristallisation und Betätigung des Volkswillens raubt. Von den bestehenden jüdischen Vereinen — mit Ausnahme der zionistischen / erehie und der Arbeiterverbände — dient jeder irgendeinem wohltätigen oder geselligen, allenfalls einem gemeinnützigen Zwecke, der einer kleinen Gruppe zugute kommt. Im übrigen ist jeder der 3 000 000 amerikanischen Juden nichts weiter als ein amerikanischer Staatsbürger, und

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