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Das jüdische Echo · 1916-07-21 · 29 (21.7.1916) · p. Seite 267

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
29 (21.7.1916)
Date
1916-07-21
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 267 Ohne auf die Erwerbsmöglichkeiten einzugehen, die Handel, Industrie und Verkehr einer jüdischen Einwanderung in Palästina bieten würden, und ohne zu berücksichtigen, daß die Überschußproduktion anderer türkischer Provinzen sogar ohne Eremdeneinfuhr die Existenz einer großen Einwanderung wenigstens für normale Friedenszeiten sicherstellen könnte, untersucht Ballod in der Hauptsache die Frage, ob Palästina selbst — und zwar mittelst der Arbeit der Einwanderer — imstande sei, eine so große Einwanderung mit den nötigen Nahrungsmitteln zu versorgen. Hierbei geht er von den Urteilen aus, die Professor P h i 1 i p p s o n vor einigen Monaten durch das „Berliner Tageblatt“ einem sehr großen Teil des deutsch-jüdischen Publikums zugänglich gemacht hat. Zwar hat an derselben Stelle Prof. Warburg bereits Einiges von den Philippsonschen Behauptungen entkräften können, und auch anderwärts sind Prof. Philippsons Darstellungen der gebührenden Kritik unterzogen worden (u. a. auch von mir im „Jüdischen Echo“), aber hier geht die Erwiderung eines in keiner Weise befangenen Fachmanns in erster Linie auf die von Philippson bestrittene landwirtschaftliche Eignung des Landes ein, mit dem Resultat, daß er zu einer Aufnahmefähigkeit des Landes im zwanzigfachen Ausmaß des von Philippson zu gestandenen Maximums gelangt! Nach Ballod eignen sich etwa 830 000 Hektar von bewässerbaren Talflächen und Ebenen zu intensiver Großkultur, und er berechnet, daß von diesen Flächen die pflanzlichen und tierischen Nahrungsmittel für eine Sechsmillionen-Bevölkerung gewonnen werden können, und zwar sogar in einer Weise, bei der ein landwirtschaftliches „Dienstjahr“ ausreichen würde, um die etwa 84 000 Arbeitskräfte jährlich zu stellen, die nach den Erfahrungen moderner Großbetriebe, unter reichlicher Anwendung von Maschinen usw„ hinreichen, um eine derartige Fläche mit den angegebenen Resultaten zu bearbeiten. Von dem Rest des Landes, der über 2 Millionen Hektar umfaßt, nimmt Ballod an, daß höchstens die Hälfte sich zu zu g a r keiner landwirtschaftlichen Verwertung eignen könne. Der Rest qber genügt, um, abgesehen von den unter üroßkultur zu nehmenden Bewässerungsflächen, jeder Familie (er nimmt bei 6 Millionen Menschen etwa 1,2 Milk Familien an) eine für Gartenbau, Baumzucht und Gemüsekultur geeignete Parzelle von einem Hektar zu bieten, auf der außer der Ergänzung der eigenen Ernährung eine erhebliche Überschußproduktion bewerkstelligt werden könnte. Alle diese Dinge sind ziemlich bis ins Einzelne in der Ballodschen Arbeit durchgerechnet. Man merkt es auf den ersten Blick, daß hinter diesen Ausführungen eine gediegene Kenntnis von Landwirtschaft und internationaler Statistik steht, für die der Verfasser in der Tat einen wohlbegründeten Ruf genießt. Alles in allem rechnet er für die Bewässerung, Düngung, Bauten und Inventar, für Elektrizitätswerke usw., etwa 7,30 Millionen Mark, so daß der Hektar bewässerbareu Landes einschließlich alles Obigen und des Bodenpreises selbst, auf etwa 1250 Mark kommt. Hinsichtlich der Kosten des Häuserbaus und der iibrigen notwendigen Ausgaben kommt Prof. Ballod auf einen Gesamtbetrag von etwa 600 M. pro Kopf, resp. 3000 M. pro Familie und für das „Gesamtobjekt“ — nämlich die Ansässigmachung von sechs Millionen jüdischer Einwanderer in Palästina — auf die runde Summe von dreieinhalb Milliarden Mark. Die Beschaffung dieser ungeheuren Mittel stellt sich Ballod ungefähr wie folgt vor. Zunächst dürfte ein erheblicher Teil der Einwanderer aus seinem Vermögen, aus der Liquidierung seiner Geschäfte usw. Beträge verfügbar bekommen, die einen wesentlichen Teil der angeforderten Gesamtsumme ausmachen. Dann aber bietet die Ansiedlung einer so großen Menschenmasse bei entsprechendem Interesse der Regierungsfaktoren ein so großes und sicheres Geschäft, daß die erforderlichen Kapitalien auf dem allgemeinen Finanzmarkte zu haben sein dürften. Auch mittellose Wanderer würden die für ihre Ansässigmachung erforderlichen rund dreitausend Mark mit einer jährlichen Abgabe von etwa 260 Mark (einschließlich Steuern, Reparaturkosten usw.) gutmachen können. Selbstverständlich denkt sich Prof. Ballod diese riesenhafte Aktion über ein vernünftiges Zeitmaß verteilt, das allerdings in Anbetracht der Dringlichkeit des ostjiidfschen Problems nicht zu weit gefaßt werden darf. Hinreichende Sicherheiten für die Durchführung seiner Rechnung dürfen darin erblickt werden, daß bei der Produktion der notwendigsten Nahrungsmittel nur ein Lebensjahr und bei der Bewirtschaftung der Einzelparzellen nur ein kleiner Teil der Arbeitskraftun*d -zeit der Familien in Anspruch genommen wird. Der weitaus größte Teil — ja fast die ganze Arbeitskraft der Einwanderer — bleibt für andere Betätigung frei, aus der die Einwanderer und auch das Türkische Reich die außerordentlichsten Vorteile ziehen können — zum großen Nutzen auch Deutschlands, das an einer starken und leistungsfähigen Türkei im höchsten Maße interessiert ist, und für welches die Ansiedlung osteuropäischer Juden in Palästina schon deshalb von großem Belang sein muß, weil es sich dabei um ein nach Sprache und Wirtschaft deutsch gerichtetes hochbefähigtes Element handelt. Wir werden auf die bedeutsame Arbeit Prof. Ballods und auf die dadurch ausgelöste Diskussion noch mehrfach zurückzukommen haben. Hnfrage an Herrn Landtagsabgeordneten Beckh. Sie haben in der letzten Sitzung des bayerischen Landtages während einer Rede den Zwischenruf getan: „Die unabkömmliche Konfession!“ Unter „Unabkömmlichen“ versteht der Volksmund Männer, die sich dem Heeresdienst entziehen. Konfessionen gibt es viele im deutschen Reiche. B. 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