Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 29 (21.7.1916)
- Date
- 1916-07-21
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102942-9138043--00941-9073767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
266 Das Jüdische Echo Nr. 29 land und Österreich nicht nur als Deutsche und Österreicher, sondern auch als Juden inmitten des Weltkrieges stehen, daß sie als Juden kämpfen an der Besiegung des russischen Reiches, an der Zerstörung russischer Tyrannei. Als Juden kämpfen sie in den verschiedensten Armeen, um ein neues Zeitalter der Gerechtigkeit und Duldsamkeit einzuleiten, in dem endlich auch dem jüdischen Volke sein Recht werden soll. Zwölf Jahre nach Theodor Merzl’s Tode finden wir einen Kranz blühender Kolonien in Palästina. Wir finden, daß inmitten der größten Entbehrungen, der unsichersten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, der tiefsten körperlichen und seelischen Leiden Kolonisten, Arbeiter, Beamte, Lehrer und Schüler mit eiserner Zähigkeit an der Erhaltung der bestehenden Kolonien und ihres jungen Geisteslebens arbeiten und ihrem Ideal unerhörte Opfer bringen. Zwölf Jahre nach Theodor Herzl’s Tode finden wir endlich, daß nicht einmal der Weltkrieg die zionistische Organisation zu zerstören vermocht hat, daß über Meere und Schlachtfelder hinweg Zionisten sich die Hand zu gemeinsamer Arbeit reichen. Theodor Herzl's Geist lebt, sein Werk: die Auferweckung der jüdischen Volksseele lebt. Das zionistische Ideal besteht fort, und Tausende warten darauf, daß die, welche das Erbe Theodor Herzl’s zu verwalten haben, zu Taten schreiten sollen, die der Größe jenes Schöpfers würdig sind. Für solche Taten bietet die umwälzende Gegenwart reichlich Gelegenheit: * Wenn die in Amerika wogende jüdische Kongreßbewegung durch Nationaljuden hervorgerufen wurde, so kann in allen neutralen Ländern eine ähnliche Bewegung geschaffen werden: Es kann darauf hingearbeitet werden, daß im dafür geeigneten Zeitpunkt die Juden der neutralen Länder gemeinsam auftreten und den Großmächten die nationalen Wünsche und Forderungen der gesamten Judenheit aussprechen — Wünsche und Forderungen, welche die Verwirklichung des zionistischen Gedankens einschließen. Die zionistische Organisation kann ferner ihren Einfluß dahin geltend machen, daß die Judenfrage im Osten im nationalen Sinne gelöst wird, daß in jenen Körperschaften, die als Anwälte und Vertreter der östlichen Judenheit auftreten dürfen, das bewußte Nationaljudentum ausreichend vertreten ist. Die Verwalter der von Herzl hinterlassenen Erbschaft können dafür sorgen, daß bei der Erörterung der Erschließung und Besiedlung Vorderasiens zwischen den Mächten des jüdischen Elementes auch, ja sogar in erster Linie gedacht wird. Sie können sich darauf vorbereiten, den Mächten genaue Pläne für eine Heranziehung dieses jüdischen Elementes, die Überführung jüdi- Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 Küoigshof) scher Massen in die zu besiedelnden Gebiete vorzulegen, können sich rüsten, die Ausführung solcher Pläne zu bewirken. Die Verwalter des Herzl-Erbes werden bei der kommenden Eriedensberatung von den Mächten der Welt Schutz für die furchtbar bedrohten Juden Rußlands und Gleichberechtigung für die Juden aller Länder fordern können. Vor allem aber: die Zeit ist hoffentlich nahe, da die zionistische Organisation der Welt wird beweisen können, daß sie nicht — wie man es ihr so oft vorwarf — nur mit großen Worten und kühnen Träumen spielt, sondern daß sie wirklich an die Ausführbarkeit des Herzlichen Ideals, an die Begründung einer jüdischen Volksheimstätte glaubt. Die Zeit ist hoffentlich nahe, da die zionistische Organisation die Möglichkeit erbitten kann und — will, ihr bisheriges Kolonisationswerk in zehnmal größerem Umfange und zehnmal schnellerem Tempo aufzunehmen. Große Möglichkeiten eröffnen sich den Verwaltern der Hinterlassenschaft Theodor Herzl’s. Von der Art, wie sie von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen, wird es abhängen, ob das Ende des Weltkrieges den Siegeszug des Zionismus über die Welt einleiten wird oder ob die sehnsüchtig Wartenden in tiefem Schmerz erkennen müssen, daß zwar nicht die zionistische Idee mit Theodor Herzl ins Grab gesunken ist, daß aber ein zweiter Herzl kommen muß, um sie zu verwirklichen. H. H. C. Die Zionistische Ortsgruppe München veranstaltet am nächsten Sonntag, den 23. Juli, vormittag 10.30 Uhr im großen Saale des Edenhotel (ehemals Russ. Hof), Ottostr. 4, eine Theodor Herzl-Gedächtnis-Feier. Die Feier wird durch eine Gedächtnisrede des Herrn Direktor Dr. .1. Schoenemann eingeleitet. Im Anschluß hieran werden Fräulein Miriam H o r w i t z und Herr Arnold Marie von den Münchner Kammerspielen aus jüdischen Werken und Herzl-Schriften vortragen. Eintritt frei. Zahlreicher Besuch sehr erwünscht. Professor Ballod über die Möglichkeiten in Palästina. Von Davis T r i e t s c h , Berlin. Zu dem^Eragenkomplex „Ostjuden-Problem und Zionismus , der in der letzten Zeit eine ganze Literatur hervorgerufen hat, ist jetzt einer der ersten deutschen Volkswirte und Statistiker mit einer Arbeit auf den Plan getreten, die geeignet ist, die Diskussion auf eine noch nicht dag e w eseneHöhe zu heben und vielen die Möglichkeiten Palästinas für die Lösung der Ostjuden-rrage in einem völlig neuen Licht erscheinen zu lassen. Prof. Ballod führt in der „Europäischen rv a,a t s,“ 1111 d Wirtschafts zeit u n g“ Ir fl i cer ^euen deutschen Bücherei, München. V ,t 16 voni 29. Juni) aus, daß Amerika für die Judenwanderungsfrage, die nach dem Kriege in ein neues, ungeheures Stadium treten wird, keine -osung bieten könne. P a 1 ä s t i n a habe zwar bisner einen viel kleineren Teil der ostjüdischen Auswanderung an sich gezogen als die Vereinigten Staaten, doch aber sei hier eine durchgreitende Lösung eher zu erwarten, wenn nur me Eignung des Landes zur Ernährung einer - echsmillionen-Bevölkerung festst ii n d e. 4